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Mitten im Reich der Mitte

17.05.2011
Lehren und Lernen in China: Karin Pühringer war als erste Gastprofessorin der FH an der Partnerhochschule Jianghan University und berichtet über ihre Erfahrungen als Lehrende.

JianghanUniversityStaff
Auf halben Weg zwischen Peking und Hongkong liegt Wuhan am Yangtze. Die hierzulande eher unbekannte Stadt gehört mit rund neun Millionen Einwohnern (Stand 2011) zu den acht größten Chinas und hat – neben Automobil- und Stahlindustrie – auch einiges im tertiären Bildungsbereich zu bieten. Mehr als 20 Universitäten und Hochschulen sind im Verwaltungsbezirk angesiedelt. Unter ihnen die Jianghan University mit ca. 40 000 Studierenden, mit welcher die FH St. Pölten eine Kooperation unterhält. Seit 2005 haben fünf Fakultätsmitglieder dieser Partneruniversität die FH St. Pölten besucht. Nun endlich gab es den ersten Gegenbesuch: Vom 5. bis 28. April 2011 war Dr. Karin Pühringer (Department Wirtschaft) Gastdozentin an der Business School der Jianghan University. Sie lehrte bei Studierenden der Studiengänge Finance, Marketing und Business Administration der Jianghan University Business School in den Bereichen Wissensmanagement, Organisationstheorien  und Entscheidungsforschung. Zudem bot sie Fakultätsmitgliedern und Studierenden Einblicke in das europäische Hochschulwesen und dessen Veränderungen im Zuge der Bologna-Reform.

“The teacher is always right”

An der der Jianghan University gibt es 53 Bachelorstudiengänge, welche z.B. in der School of Medicine, School of Politics and Law, School of Physical Education, School of Humanities, School of Art, School of Higher Vocational and Technical Education, School of Physics and Information Engineering, School of Foreign Languages oder auch in der Golf School angesiedelt sind. Einer der Fachbereiche ist die School of Business mit rund 2.000 Studierenden. Medienthemen stehen nicht auf der Lehragenda, wie auch insgesamt die Beschäftigung mit Medien wegen der staatlichen Regulierung eher als uninteressant – sowohl für die Studierenden als auch für den Fachbereich Wirtschaft – wahrgenommen wird.

Passivität prägt das studentische Leben in hohem Maß: Anders als in Österreich können Studierende ihr Studium nicht frei wählen, sondern können je nach Notendurchschnitt nur bestimmte Studienrichtungen belegen. Persönliche Vorlieben und Neigungen treten bei der Studienwahl in den Hintergrund, ebenso während des Studiums. Aktives Nachfragen, Diskutieren oder von Vortragenden Vermitteltes in Frage Stellen gehört nicht zur Mentalität der chinesischen Studierenden. „Es herrscht der Grundsatz, der Lehrer hat immer recht“, erläutert Pühringer die kulturellen Unterschiede im (Hoch-)Schulsystem. Frontalunterricht ist üblich und wird auch von den StudentInnen erwartet. 

Wenn Rundaugen essen

An der Jianghan University sind derzeit 27 „westliche“ DozentInnen (aus den USA, England, Frankreich und Deutschland) beschäftigt – und das ausschließlich an der Language School. Da Wuhan touristisch kaum erschlossen ist, sind „Rundaugen“ seltene Gäste in der Stadt bzw. in der Provinz Hubei, und fallen deshalb besonders auf. Dass chinesischen Essen nichts mit dem hierzulande bekannten Angebot in China-Restaurants gemein hat, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Was viele nicht wissen, ist, dass Reis als Arme-Leute-Sättigungsbeilage gilt und in guten Restaurants bisweilen gar nicht zu bekommen ist. Gern gesehen ist Reis – wie auch Nudeln – allerdings zum Frühstück. „Für gebratenen Reis oder Nudeln oder auch Teigtaschen mit Kraut und Fleisch konnte ich mich zum Frühstück nicht erwärmen“, so Karin Pühringer.


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