Zwei Jahre c-tv
TV-ExpertInnen am Wort
In professioneller Studio-Atmosphäre präsentierten TV-SpezialistInnen wie Tatort-Drehbuchautor Titus Selge, Programmplaner Peter Schöber oder Formatentwicklerin Katrin Rothe Einblicke in die Arbeitswelt des TV-Alltags. Österreichs erstes serielles Hochschul-Fernsehen bietet inzwischen 700.000 potentiellen ZuseherInnen ein kontinuierliches 45 Minuten Programm.
Die Konferenz brachte TV-ExpertInnen zusammen und setzte sich mit unterschiedlichen Arbeitsfeldern rund um das Fernsehen auseinander. „Beim Fernsehen geht es ums Funktionieren!“ brachte Titus Selge, Emmy Preisträger, Regisseur und Tatort-Autor, in seinem Eröffnungsvortrag gleich die Kernaussage auf den Punkt. Funktionieren heißt z. B. alle Handlungen eines Tatort-Drehbuchs in genau 88 Minuten und 30 Sekunden unterzubringen. Gelernt hat er sein Handwerk an der Filmakademie Ludwigsburg und zeigte sich von c-tv und der Medientechnik-Ausbildung an der FH St. Pölten begeistert. Was die zukünftigen Fernsehleute seiner Meinung nach mitbringen müssen, ist spontane Einfälle für scheinbar unlösbare Situationen zu haben „Weiters lernt man sehr schnell, dass es immer um die Quote geht“ meint er.
TV-NomadInnen und Geschmacksverstärker
Peter Schöber, ehemaliger Leiter der Programmplanung beim ORF, widerspricht ihm, da es neuerdings nicht mehr um die Quote sondern um die Marktanteile geht. Sein Fokus ist das Switching-Verhalten der ZuseherInnen, die z. B. in den 88,30 Minuten des "Tatort" an die zehn Mal zwischen den Kanälen zappen. Die Kunst ist, sie wieder zum eigenen Kanal zurückzubringen, deswegen bezeichnet er die Zuseher-Massen als vagabundierende TV-NomadInnen. Denn je später es wird, desto mehr ziehen sie von einem Programm zum nächsten. Dass die Konkurrenz am deutschsprachigen Markt sehr groß ist, wurde von ihm bestärkt. Viele kleine Sender kommen ständig auf den Markt. Der neue FH-Rektor Dr. Wolfgang Vyslozil war ebenfalls begeistert von der professionellen TV-Studio Liveaufzeichnung der von Rosa von Suess moderierten Konferenz und meinte, dass in Zukunft trimediales Arbeiten in den Medien Standard sein wird. Von den FH-Studierenden erwartet er sich in Zukunft neben den technischen und journalistischen auch wirtschaftliche Fähigkeiten, die in der Ausbildung in Zukunft besonders gefördert werden. Medienökonom Dr. Jan Krone sieht im Fernsehen nur einen Geschmacksverstärker, keinen Trend-Kreierer und Katrin Rothe bewies mit ihrem trickreichen Doku-Nischenprogramm, welches auch schon mit dem bedeutenden Adolf-Grimme Preis (2007) ausgezeichnet wurde, dass der Mut, eigene Ideen umzusetzen, durchaus auch im Fernsehen funktionieren kann. Medienrechtsexpertin Maria Windhager sprach von der Rechtssprechung in Bezug auf die Verwendung von TV Bildern im Zusammenhang mit Straftaten. Sie sieht Programmveranstalter unter dem Marktanteilskampf in eine Boulevardisierung driften und stellte aktuelle Beispiele vor. Weitere Vorträge stellten den Workflow und Crewanforderungen von Digital Cinema vor, einer Videokamera, die erstmals Filmbildern ernstzunehmende Konkurrenz macht (Kubefilm).
Über c-ctv
Bis zum Start von c-tv vor zwei Jahren gab es in Österreich nur semesterweise den Versuch, TV-Formate zu produzieren und zu programmieren, da eine laufende Produktion zu aufwändig ist. c-tv gibt den Studierenden die Möglichkeit, regelmäßig ein reales TV-Programm von der Programmierung und Planung über die Produktion bis zur Endfertigung und Distribution selbstständig zu gestalten. Mag. Rosa von Suess, Leiterin des Ausbildungsfernsehens c-tv und Dozentin an der FH St. Pölten, meint dazu: „Das Programm von c-tv ist vielfältig und bietet Programm von und für die jungen SeherInnen, insbesondere werden auch neue TV-Formate getestet, die wir im Rahmen von Lehr- und Forschungsprojekten entwickeln. Inzwischen kann c-tv über den Fernsehkanal Okto bereits von rund 700.000 SeherInnen pro Monat bereits 45 Minuten lang empfangen und gesehen werden. Darüber hinaus steht es auch im Web als On-Demand-TV zur Verfügung.


