Der Filmkomponist als Alchimist der Töne und Samples
Man stelle sich vor: Die Filmaufnahme eines Parks. Büsche, eine Parkbank, grüne, einsame Wiesenflächen. Eine langsame Kamerafahrt fängt diese unspektakuläre Szenerie ein. Welch unterschiedliche Wirkung diese Szene jedoch auf den Zuseher haben kann, zeigte eine Installation im Klangturm St. Pölten namens Film.Musik. Die Szenen wurden unterschiedlich vertont, einmal mit fröhlichem Vogelgezwitscher und einmal mit Klängen eines säuselnden Streicherorchesters. Sofort stellte man als ZuseherIn die Szene jeweils in einen anderen Kontext: Horrorfilm, Psychothriller oder Liebeskomödie, Romanze – die klangliche Untermalung hat enormen Einfluss auf die medial vermittelten bzw. wahrgenommenen Stimmungen.
Spiel im Grenzbereich zwischen Geräusch und Musik
Das Institut für Medienproduktion lud Christian Halten, Filmmusik-Komponist und Sounddesigner, zu einem Gastvortrag ein. Unter dem Titel „Filmmusik & Sounddesign: Spiel im Grenzbereich zwischen Geräusch und Musik“ gab Halten einen unterhaltsamen Einblick in die Spielwiese filmmusikalischer Klänge. Etwa 100 Studierende aus dem Masterstudiengang Digitale Medientechnologie und dem Bachelorstudiengang Medientechnik folgten Christian Haltens Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. Der Filmmusik-Komponist beschäftigt sich seit 20 Jahren mit den Themen Komposition und Klangsynthese im bilddramaturgisch-musikalischen Kontext. Welche Wirkung die Soundkulisse und die Musik auf die filmische Darstellungsebene hat, darüber weiß er genau bescheid: „Wie emotional ausdrucksstark Filme sein können, die sich in Bezug auf den Soundtrack in weiten Teilen auf die Komposition einer geräuschhaften Klanglandschaft stützen, zeigt nicht zuletzt Kultregisseur David Lynch mit seinen zum Teil verstörenden Gesellschaftsbildern und Psychogrammen. Auch in vielen anderen aktuellen Filmproduktionen werden Instrumentenklänge und speziell gestaltete Geräusche immer weiter musikalisch miteinander verwoben. Die Grenze zwischen „realer Akustik“ und „akustischer Fiktion“ verschwimmt und erzeugt Spannungsmomente. Der Filmkomponist wird zum Alchemisten der Töne und Samples.“
Filmmusik „Catwoman“ und „The Ring II“
Haltens kompositorische Tätigkeit führte ihn längere Zeit nach Los Angeles, wo er im Produktionsteam des aus Deutschland stammenden Vorzeige-Filmkomponisten und Oskar-Preisträgers Hans Zimmer tätig war und unter anderem an den Soundtracks zu den Hollywood-Blockbustern „Catwoman“ und „The Ring II“ mitarbeitete.
Vielfältige musikalische Betätigungsfelder
Neben filmmusikalischen Arbeiten in den Bereichen Featurefilm (u.a. „Double Take“), Dokumentarfilm (u.a. „MORAIG - Expedition ins Ungewisse“), Werbung (u.a. für „IBM“, „HP Invent“, „BMW“), Animation, Audiologo/Music Packaging (u.a. „RTL“, „Radioropa“) und Kunst, arbeitete Christian Halten im Sektor Sounddesign mit Firmen wie Waldorf („Microwave XT“, „Q“, „PPG Wave 2.V“), Steinberg („HALion“), Wizoo („Xphraze“), Hartmann („Neuron“) und Applied Acoustics Systems („String Studio“, „Lounge Lizard“) zusammen.

Christian Halten
unterrichtet seit 2003 als Gastdozent für Filmmusik und Sounddesign an der
Filmakademie Baden-Württemberg, in der Masterclass für junge europäische
Produzenten sowie an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Seine 2000 gegründete
Produktionsfirma SKYLIFE Music ist auf Filmmusik und Surround spezialisiert.
<< Zurück


