Off the beaten track: San Francisco für Medienprofis
Wenn sich eine Gruppe Medienprofis zusammenfindet, um die Destination für eine einschlägige Auslandsexkursion zu wählen, fällt die Wahl rasch auf die Westküste der USA und San Francisco mit seinen Hochtechnologie-Regionen Silicon Valley, Berkeley und Northern Bay Area.
Keine Klassiker
Die 14-köpfige MBA-Gruppe besuchte gemeinsam mit dem MBA-Leiter Dr. Tassilo Pellegrini eine Reihe von Medienunternehmen, die mit klassischen Medienanbietern wie etwa Tageszeitungsverlagen oder Fernsehveranstaltern in Konkurrenz stehen, wenn es um Werbeetats geht. Auf dem Exkursions-Programm standen beispielsweise
- Revision3, ein Internet-TV Start-Up, das zur Gänze auf User-generated Content setzt
- Glam.com, ein Werbesyndizierungsdienst für Fashion-Blogs
- Reed-Elsevier Ventures, Investmentsparte des weltweit größten Wissenschaftsverlages
- Clear Channel, das kommerziell erfolgreichste Radio der Bay Area
- Yelp.com, eine Empfehlungsplattform für Gastronomie und Gewerbe, welche kürzlich auch nach Österreich expandierte
Time is money
Bei den Besuchen zeigte sich auch einer der wesentlichen Unterschiede zwischen europäischem und dem US-amerikanischem Medienschaffen: In den USA sind Medieninnovationen weitaus stärker technologie- und damit auch risikokapitalgetrieben, woraus sich eine eigenständige, teilweise – nach europäischem Verständnis – überpragmatisierte Unternehmenskultur herausgebildet hat. Die klassische „Zeit-Ist-Geld-Formel“ beschreibt diese Haltung noch immer am treffendsten.
Blick in die Zukunft
Und wie sehen die Unternehmen dort die medienwirtschaftliche Zukunft? Hoffnungsvoll und gleichzeitig besorgt. Denn stärker noch als in Österreich leiden die klassischen Medienanbieter in den USA an den Rückgängen in den Werbe- und Abonnement-Erlösen. Start-Up-Unternehmen stehen nach einer anfänglich erfolgreichen Risikokapitalfinanzierung oftmals recht bald vor dem Problem ein wirklich tragfähiges Geschäftsmodell zu finden. Gleichzeitig schreitet der Mediennutzungswandel in den USA weitaus rasanter voran als in Europa, wobei die kulturellen und politischen Unterschiede kaum eine Analogiebildung ermöglichen.
Auch wenn der Mythos des Silicon Valleys etwas entzaubert wurde, war diese Exkursion für die TeilnehmerInnen eine fachliche und kulturelle Bereicherung. Ob die atemberaubende Innovationsgeschwindigkeit und Laissez Faire-Philosophie auf Dauer tragfähig und nachhaltig sein können, wird nur die Zukunft beantworten können.


