St. Pölten University of Applied Sciences

GenSiSys

#Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung #Physiotherapie (BA) #Institut für Gesundheitswissenschaften #Institut für Creative\Media/Technologies #Interdisziplinäres Projekt #Nationale Drittmittel

Es wird ein Methodenset zur Evaluation von Gender und Diversity Dimensionen für Ergonomie und Usability an Arbeitsplätzen in sicherheitskritischen Systemen erarbeitet. Im Rahmen einer Anwendung im realen Nutzungskontext in Leitzentralen der Flugsicherheit, der Eisenbahn sowie einer Notrufzentrale, werden qualitative Erkenntnisse bezüglich geschlechtsspezifischer Anforderungen an derartige Arbeitsplätze gewonnen.

GenSiSys

Die Gestaltung der Arbeitsplätze im Bereich sicherheitskritischer Systeme wurde und wird von männlichen Entwicklungsgruppen dominiert. Auch direkt an den Arbeitsplätzen sind in vielen Fällen die Männer deutlich in der Überzahl. Die fehlende Gendersensibilität kann damit zu einem Übersehen der Anforderungen der BenutzerInnen führen. Derzeit gibt es noch wenige Untersuchungen und kaum Methodenwissen in diesem Bereich. Aktuelle Erhebungen, sowohl bei Militärstandards als auch in der Arbeitsmedizin, zeigen aber geschlechtsspezifische Arbeitsplatzanforderungen auf. Das fehlende Wissen erschwert es Firmen, gendersensible Arbeitsumgebungen zu entwickeln. Dies kann ein Grund für die anhaltende männliche Dominanz vor allem in sicherheitskritischen Systemen mit hohen technischen NutzerInnenanforderungen sein.

Mit diesem Forschungsprojekt soll die Fragestellung geklärt werden, welche Bedürfnisse und Anforderungen die verschiedenen NutzerInnengruppen bei der Ausgestaltung eines Arbeitsplatzes im sicherheitskritischen Umfeld haben. Im Speziellen sollen dazu auch die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern bei der Bedienung der Systeme erhoben werden und vorhandene Unterschiede bei der Nutzung im Kontext untersucht und analysiert werden. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse könnten in Folge die Bedienbarkeit und Akzeptanz bei der Systemgestaltung und dem Technologieeinsatz für alle NutzerInnengruppen zu verbessern.

Als Testumgebungen sollen drei verschiedene Bereiche herangezogen werden. Eine Flugsicherungszentrale mit hoher Komplexität der Systeme und hohen Anforderungen an die MitarbeiterInnen, eine Leitzentrale der Bahn mit mittleren Anforderungen und eine Notrufzentrale der Rettung. In einem ersten Schritt soll zunächst der Status-Quo der geschlechterspezifischen Zusammensetzung der  Belegschaft in den jeweiligen Umgebungen erhoben werden. Anschließend sollen Nutzungskontextanalysen in den jeweiligen Kontrollzentren durchgeführt werden um jeweils Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten. Dazu sollen Systeme, Aufgaben der User, Ausbildung der User, usw. analysiert werden.  Als Basis dafür sollen zunächst die verwendbaren Testmethoden identifiziert werden (z.B. Interviews, Beobachtungen, Fragebögen, Usability-Tests, usw.) und diese dann in den Kontrollzentren auf Verwendbarkeit und Aussagekraft überprüft werden.

Projektergebnis sind Guidelines zur kontextsensitiven Analyse von Anforderungen aus Gender und Diversity für Arbeitsplatzumgebungen speziell im Bereich sicherheitskritischer Systeme. Dazu zählen neben dem Methodenset zur Evaluierung auch konkrete Richtlinien für dessen Einsatz. Sie ermöglichen damit in Zukunft richtungssichere Designentscheidungen für geschlechtsneutrale Arbeitsplätze und können damit einen wertvollen Beitrag für das Gendermainstreaming im untersuchten Arbeitsumfeld sein.

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