Politik 2.0

#Institut für Medienwirtschaft

Aktuelle Befunde zur Transformation des Nachrichtennutzungsverhaltens stützen die These, dass in den kommenden 5 bis 10 Jahren Medienunternehmen mit einer nachhaltigen Veränderung der Nachrichtenwertschöpfung konfrontiert sein werden. Neue Medientechnologien, branchenübergreifender Wettbewerb und Veränderungen in der Mediensozialisation verändern das Wesen von News als auch die Bedingungen ihrer Produktion, Bereitstellung und Konsumation.

  • Laufzeit:
    01.01.200831.01.2011
  • Projektstatus:
    abgeschlossen

Technologiegestützte Innovationen wie Software-Services, Mashups, Social Web und Semantic Web schaffen neue Kanäle der Content-Bereitstellung, lassen traditionelle Wertschöpfungsketten partiell erodieren und erfordern die Herausbildung eigenständiger Bewirtschaftungsstrategien speziell für den Online-News-Markt.
Branchenfremde Akteure, wie Content Aggregatoren (Google, Yahoo, etc.), spezialisierte Agentur-Dienstleister (OpenPR, MarketWire, Business-Wire) und User-generierte News-Seiten (WikiNews, webnews.de, Blog-Communites), treten in direkte Substitutions- aber auch Komplementärverhältnisse zu den traditionellen Anbietern am Markt, wenn auch noch auf geringem Niveau.

Den soziokulturellen Rahmen bildet eine neue Generation von Mediennutzern, deren Mediensozialisation erstmals in der Geschichte von Beginn an durch Internet und Mobilfunk beeinflusst wurde. Konsequenzen dadurch sind z.B. die Erwartung von kostengünstiger bis kostenloser Information und Services (Free Culture); Vertrauen und Vertraulichkeit im Umgang mit Daten, Information und Medienmarken (Trust Culture); die Möglichkeit der multimodalen Einbringung in die informationelle Wertschöpfung mittels Self-Service (Participatory Culture). Die Veränderungen wirken sich hierbei gleichermaßen, jedoch mit unterschiedlicher Ausprägung, auf die Bereiche B2B als auch B2C.

In Summe bleibt festzuhalten, dass politische Kommunikation in gängiger Form die Kluft zwischen der institutionalisierten Politik und den nachfolgenden Wählerkohorten vergrößert. Das Versagen reintegrativer Mechanismen schlägt sich hierbei in einer weitgehenden Ignoranz von Themen und Protestformen junger Wählerschichten nieder, die die politische Abstinenz – vor allem bei bildungsfernen Schichten – tendenziell begünstigt. Hier sind die Politik aber auch die Medien dringend gefordert sich wieder stärker an die politischen Bedürfnisse der Jugend anzunähern und diese ernst zu nehmen, um die bereits bestehende Parteiverdrossenheit nicht in Politikverdrossenheit – und damit gezwungenermaßen zu einer Demokratiekrise – anwachsen zu lassen.