Die Globalisierung hat in allen unseren Lebensbereichen Einzug gehalten – von persönlichen Beziehungen über die Ausbildung bis hin zur Arbeitswelt. Hochschulen sind, aufgrund ihrer Kernaufgaben der Lehre und Forschung und des Anspruchs, Bildung und Ausbildung auf dem letzten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis anzubieten, per Definition internationale Institutionen mit ausgeprägter internationalen Ausrichtung in allen Bereichen ihrer Arbeit.

Das in Europa vor mehr als 30 Jahren initiierte European Community Action Scheme for the Mobility of University Students (EU-Programm Erasmus) ermöglicht Millionen von Personen, im Ausland zu studieren, sich weiterzubilden, Berufserfahrung zu sammeln oder Freiwilligenarbeit zu leisten.

Auch unsere Studierenden, Lehrenden und MitarbeiterInnen nutzen alljährlich diese Möglichkeit, um im Ausland Erfahrung zu gewinnen oder an der FH St. Pölten mit internationalen Gästen im Rahmen des Austausches zu arbeiten und zu lernen.

Internationale Vernetzung ist schon seit langem sowohl für Hochschulen als auch Studierende, Forscherinnen und Forscher ein integraler Bestandteil der Hochschullandschaft. Der Blick über den Tellerrand und die (Landes-)Grenzen weitet die Perspektiven und erhöht die Qualität in Lehre und Forschung.

Hannes Raffaseder, Mitglied des Hochschulmanagements der FH St. Pölten

Europäisches Austauschprogramm

Beinahe vier Millionen Studierende, Lehrende und Forschende haben sich in den rund 31 Jahren seit Bestehen des von der EU gestützten Programms Erasmus für einen Auslandsaufenthalt entschieden. Alleine im Jahr 2016 konnten 725.000 Unterstützungsansuchen für Mobilität im Hochschulbereich abgewickelt werden.

„Die Mobilität von Studierenden ist im Steigen begriffen, und zwar in beide Richtungen, also sowohl bei Outgoings als auch bei Incomings. Mit einem Anteil von 20 Prozent an ausländischen Studierenden ist Österreich zweifellos ein internationaler Studienort“, sagt Stefan Zotti, Leiter des Österreichischen Austauschdienstes OeAD.

Die Mobilität der Studierenden ist allerdings nicht der einzige Faktor, den Zotti in Sachen Internationalisierung von Hochschulen in die Rechnung aufnimmt. Ebenso wichtig sei die Mobilität von Lehrenden, Forschenden und dem administrativen Personal.

 

Wir wünschen uns mobile Hochschulen, an denen alle Beteiligten Auslandserfahrung erleben. Unsere Hochschulen bilden Menschen aus, die sich international bewähren müssen. Das ist in einem exportorientierten Land wie Österreich noch wichtiger als anderswo. Wenn man sich da als Hochschule nur auf die kleine, eigene Region beschränkt, wird es eng.

Stefan Zotti, Leiter des Österreichischen Austauschdienstes OeAD

Zotti hat eine Reihe an Empfehlungen an die heimischen Unis und FH: strategische Partnerschaften einzugehen, die nicht nur am Papier existieren, sondern von zueinander passenden Spezialisierungen profitieren; Curricula, die sich an internationalen Trends orientieren und State-of-the-Art-Methoden des Unterrichts beinhalten; Designs von Studiengängen, die Auslandssemester ermöglichen und nicht verhindern.

Und: „Internationalisierung muss an Hochschulen zur Chefsache gemacht werden. Es reicht nicht, wenn zwei Professoren und ein Departmentleiter gerne auf Reisen gehen, die Hochschulleitung muss die Internationalisierung als strategische Gesamtausrichtung verfolgen“, so Zotti.

Internationaler Austausch an der FH St. Pölten

65 „Incomings“ wurden im vergangenen Studienjahr an der FH St. Pölten willkommen geheißen. 18 verschiedene Nationalitäten bereicherten somit den Studienalltag. Die Studierenden kamen unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Finnland, Spanien und Tschechien. Die weiteste Anreise hatten drei „Incomings“ aus den USA zu absolvieren.

76 Studierende der FH St. Pölten sind im Studienjahr 2017/18 für zumindest ein Semester an eine ausländische Hochschule gewechselt. 21 verschiedene Länder hatten sie als Ziele gewählt, die beliebtesten Destinationen der „Outgoings“ waren Irland (12 Studierende), Deutschland (9 Studierende) und Belgien (7 Studierende).

 

MitarbeiterInnen unserer Fachhochschule stammen aus mehr als 20 Ländern. Mit mehr als 130 Partnerhochschulen steht die FH St. Pölten in regem Kontakt. Kooperationen reichen von Studierenden- und Lehrendenmobilität bis zu gemeinsamen Studienabschlüssen und Forschungsprojekten.

Jürgen Hörmann, Leiter International Office FH St. Pölten

Die FH St. Pölten unternimmt einiges für einen belebten internationalen Austausch. Ein Beispiel dafür ist das „European Project Semester“ (EPS), das gemeinsam mit einem Netzwerk aus 18 europäischen Partnerhochschulen angeboten wird.

Der Departmentleiter für Medien und Digitale Technologien, Alois Frotschnig, ist an der FH für dieses Austauschprojekt zuständig. „Das EPS ist ein für Österreich einzigartiges Modell, das Studierende international und interdisziplinär zusammenarbeiten lässt, um selbstgesteuert und eigeninitiativ studieren zu können – und das auf Englisch.“ Studierenden, die als Gast nach St. Pölten kommen und noch nicht über die notwendigen Deutschkenntnisse verfügen, erleichtert das EPS den Einstieg immens. Gleichzeitig profitieren die heimischen Studierenden von den neuen Perspektiven und kulturellen Eigenarten, die von den BesucherInnen mitgebracht werden.

Seit 2014 ist die FH St. Pölten Teil des EPS-Projekts, das Frotschnig vorangetrieben hat. Bei der Mobilität von Lehrenden sieht Frotschnig noch Potenzial. Formate wie International Week oder Summer School seien ein Anfang, es müsse aber noch mehr für den längerfristigen Austausch von Lehrenden investiert werden.

Ich habe selbst einige Jahre an einem Forschungsinstitut in Spanien verbracht und diese Zeit als große Bereicherung empfunden. Als Koordinator des European Project Semester an der FH St. Pölten ist es schön zu sehen, wie sich die ausländischen Studierenden mit der Zeit immer wohler bei uns fühlen.

Alois Frotschnig, Leiter des Departments Medien und Digitale Technologien

Internationalisierung als Teil der FH-Strategie 2021

Um mehr Internationalisierung zu gewährleisten, braucht es einiges an Anstrengungen: intensivere Zusammenarbeit mit ausländischen Hochschulen, Verbesserung der englischsprachigen Kompetenz, höhere Attraktivität für Incomings – so steht es auch in der Strategie, die die FH St. Pölten bis 2021 festgelegt hat. Ein Ziel dabei ist, mehr internationale ForscherInnen anzuziehen.

Nicole Unger, Leiterin der Abteilung Forschung und Wissenstransfer an der FH St. Pölten, hat konkrete Vorstellungen, wie das gelingen könnte: „Das können finanzielle Unterstützungen bei kurzen Forschungsaufenthalten sein. Bei längeren Abwesenheiten dagegen muss sichergestellt werden, dass es zu einer geordneten Rückkehr kommen kann.“

Unger spricht damit die Problematik an, die viele mobile WissenschaftlerInnen beschäftigt: Sie müssen ein Zuhause aufgeben und woanders ein neues aufbauen. Die damit einhergehenden Risiken gelte es zu minimieren, indem Hochschulen adäquate Rückkehrangebote an ihre Lehrenden und Forschenden aussprechen.

Mobilität macht uns geistig flexibler. Es ist wichtig, als Hochschule die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Nicole Unger, Leiterin der Abteilung Forschung und Wissenstransfer

Um in den Genuss der vielen Vorteile der Mobilität von Forschung – Aufbau von Netzwerken, Input von anderen ForscherInnen, Kennenlernen neuer Herangehensweisen – zu kommen, muss aber nicht unbedingt dauerhaft das Land verlassen werden. Auch die Präsenz auf Konferenzen trägt wesentlich zur Internationalisierung einer Hochschule bei. Unger: „Schon wer ein bisschen herumkommt, kann sich viele Dinge abschauen – und von anderen lernen.“

Internationale Forschung an der FH St. Pölten

 

FH-Magazin future 09: „Total international“

 

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