Analyse der Regionalmedienlandschaft

FH St. Pölten

Studie zur Pressevielfalt in Österreich und Deutschland

Die Freie Universität Berlin und das Institut für Medienwirtschaft der Fachhochschule St. Pölten untersuchten, wie sich Vielfalt und Inhalte der regionalen Printmedien in den letzten 20 Jahren entwickelt haben und welche Auswirkungen Gratiszeitungen hatten.

Dabei zeigen sich regionale und länderspezifische Unterschiede in der formalen und inhaltlichen Vielfalt und darin, wie Medienunternehmen und Politik mit der Veränderung des Marktes umgehen.

Stabile und dynamische Regionen

Verglichen wurden für die Studie stabile Regionen, in denen sich die Anzahl verbreiteter Zeitungsausgaben in den letzten 20 Jahren wenig verändert hat, und dynamische Regionen, in denen viele neue Medien entstanden sind oder bestehende eingestellt wurden.

In Deutschland nahm die Anzahl der Zeitungsausgaben in einigen Regionen ab, in anderen ist sie stabil geblieben. Nennenswerte Zuwächse gab es nicht. In Österreich wurden aber auch Regionen identifiziert, in denen die Anzahl der Zeitungsausgaben zugenommen hat. Die verbreiteten Auflagen von Zeitungen gingen aufgrund des Erfolgs von Gratiszeitungen nicht zurück und die Reichweiten nahmen nur wenig ab.

„In stabilen Regionen werden weniger Ausgaben verbreitet, diese zeigen aber eine höhere durchschnittliche Seitenanzahl je Ausgabe und mehr eigenständige Seiten. In dynamischen Regionen hingegen werden mehr Titel angeboten, die über eine höhere Anzahl sowie einen höheren Anteil redaktioneller Seiten verfügen, der sich jedoch stärker aus Mantelseiten speist, also aus Inhalten, die in unverändert mehreren Regionalausgaben erscheinen“, sagt Johanna Grüblbauer, Studienautorin und stellvertretende Leiterin des Instituts für Medienwirtschaft der FH St. Pölten.

Untersucht wurde auch, ob sich eine dynamische Entwicklung des Pressemarktes auf die Vielfalt der Inhalte auswirkt: Eine Abnahme an Zeitungstiteln führt demnach nur teilweise zu einer Verringerung der inhaltlichen Vielfalt, während eine Zunahme der Zeitungstitel tendenziell die inhaltliche Vielfalt erhöht.

Marktstrukturen im Ländervergleich

Die Studie betrachtete die Marktstruktur der regionalen Presse in ausgewählten Regionen Deutschlands und Österreichs für 1995 bis 2015. Beurteilt wurde die formale und inhaltliche Vielfalt von Zeitungen. Als formale Vielfaltskriterien wurden verbreitete Ausgaben, Seitenumfang (redaktionell, serviceorientiert und werblich) oder Mehrfachverwertung herangezogen. Die inhaltliche Vielfalt wurde beispielsweise auf Basis der Anzahl redaktioneller Beiträge, der Autorenschaft sowie von Themen- und Quellenvielfalt bewertet.

„Die radikalen Umbrüche und Herausforderungen der Mediensysteme in den letzten beiden Jahrzehnten wirkten sich insbesondere auch auf lokale und regionale Zeitungen in Deutschland und Österreich aus. Wirtschaftlich bedingte Titeleinstellungen, kostenbedingte Kooperationsmodelle bis hin zu Fusionen, Großverkäufe oder verstärkte Einsparungen auf Redaktionsebene können als Gefahren für die journalistische Vielfalt auf regionalen Medienmärkten angesehen werden. Zudem bestehen nicht zwangsläufig relevante Alternativen zur Informationsbeschaffung“, erklärt Jan Krone, Studienautor und FH-Dozent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten.

Regeln und Förderungen für den Markt

Österreich und Deutschland eignen sich Krone und Grüblbauer zufolge gut für einen Vergleich der Auswirkungen der Medienkonzentration und -vielfalt, da beide Länder nach 1945 zeitgleich gewissermaßen eine „Stunde Null“ in der Medienlandschaft und neue Ausgangsbedingungen in der Pressepolitik erlebten.

Auf die Pressekonzentrationswellen reagierten Deutschland und Österreich aber medienpolitisch unterschiedlich: In Deutschland wurden bereits Mitte der 1970er-Jahre ein Pressefusionskontrollgesetz erlassen und Maßnahmen der Presseförderung nur in begrenztem Maße eingesetzt. In Österreich setzt die kartellrechtliche Regelung erst mit dem EU‐Beitritt ein, während die direkte staatliche Presseförderung des Bundes sowie einiger Länder, die mit der Wahrung von Vielfalt begründet wird, eine im Vergleich zentrale Rolle spielt.

Untersucht wurden für das Projekt pro Land eine stabile Region (Salzburg bzw. Rheinland-Pfalz) und eine dynamische Region (Niederösterreich bzw. Nordrhein-Westfalen). Über den Zeitverlauf wurden Stichproben für die Jahre 1995, 2006 und 2015 gezogen.

Projekt Regionale Pressevielfalt in Österreich und Deutschland

Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanziert. Partner war die Freie Universität Berlin.

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FH-Prof. Dr. Krone Jan

FH-Prof. Dr. Jan Krone

FH-Dozent
Department Medien und Wirtschaft