Arlt-Festsymposium zum Thema "Lebenslust / Demokratie / Soziale Arbeit" zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Peter Pantuček

Anna Michalski im Gespräch mit Peter Pantucek

Anlässlich des jährlich stattfindenden Herbstsymposiums des Ilse Arlt Instituts und des runden Geburtstages von Prof. Dr. Peter Pantuček, spricht Anna Michalski mit dem Studiengangsleiter in einem „Campustalk-Spezial“.

Im Interview nimmt Dr. Pantuček Stellung zum komplexen Berufsfeld und erklärt, wie sich Lebenslust und Demokratie im Beruf der Sozialen Arbeit finden.

Die FH St. Pölten gratuliert herzlich zum Geburtstag!

"Lebensfreude - dies ist eines der Kernstücke der Hilfe, ist das Kriterium, die unumstößliche Zielsetzung statt des bloßen Leidenlinderns." - Ilse Arlt

Anna Michalski: Herr Dr. Pantuček, das Symposium läuft unter dem Titel „Lebenslust / Demokratie / Soziale Arbeit“. Was haben die ersten Begriffe mit sozialer Arbeit zu tun?

Peter Pantuček: Soziale Arbeit wird vielleicht eher mit dem Gegenteil von Lebenslust identifiziert. Ich sehe das so, dass Lebenslust und Lebensfreude letztendlich das wesentliche Ziel der sozialen Arbeit ist. Soziale Arbeit hat viel mit Demokratie zu tun, der Zweig, der mit Gemeinwesen, mit Arbeit in der Community zu tun hat, hat immer die Partizipation als wesentliches Ziel gehabt. Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sind Voraussetzungen dafür, dass die Soziale Arbeit erfolgreich zum sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft beitragen kann.

Anna Michalski: Das Symposium, Ilse Arlt Festsymposium heißt es auch, es gibt ja auch das Ilse Arlt Institut, wer war diese Frau?

Peter Pantuček: Sie war eine der interessanten Figuren der österreichischen Sozialarbeitsgeschichte, sie war die Gründerin der ersten Ausbildungseinrichtung für professionelle Sozialarbeit. Sie hatte richtungsweisende Ideen zur Professionalisierung der Hilfe und diese auch umgesetzt, darüber hinaus auch Versuche der Theoriebildung unternommen. Sie hatte eine enge Verbindung zu bestimmten Strömungen der Nationalökonomie, war eine kluge und originelle Frau.

Anna Michalski: Welche ihrer Thesen haben heute noch Gültigkeit?

Peter Pantuček: Ilse Arlt war – vor etwas über 100 Jahren - eher eine Außenseiterin, unmittelbar an sie anschließend gab es wenig. Wir haben sie „ausgegraben“ und gesehen, was sie eigentlich alles gemacht und geschrieben hat. Es war ein großes Erstaunen, wie sie mit ihren Ideen Entwicklungen vorweggenommen hat, die in der aktuelleren Diskussion der letzten 20 Jahre wieder aufgekommen sind.

Anna Michalski: Es gibt auch einen wissenschaftlichen Background in der Sozialen Arbeit. Deine Kollegin spricht auch von Methodenlehre in der Sozialarbeit?

Peter Pantuček: Es gibt klassische Arbeitsformen der Sozialen Arbeit. Im Wesentlichen ist es die Arbeit mit einzelnen Menschen, das sogenannte „case work“, die Arbeit mit Gruppen „group work“, und die Arbeit mit und in Gemeinwesen, „community work“ – diese gliedern sich wiederum in verschiedene Ströme; zu beratender Tätigkeit und zu handfesten Interventionen.

Anna Michalski: Peter Du bist Verfasser zahlreicher Publikationen und beschäftigst dich wissenschaftlich. Worum geht’s da zum Beispiel?

Peter Pantuček: Zum einen um die Methodik der sozialen Arbeit, die Konzeptualisierung. In den letzten Jahren wurde meine Forschungs- und Entwicklungsarbeit zur Diagnostik des Sozialen vor allem wahrgenommen.

Anna Michalski: Du bist ja schon sehr lang als Studiengangsleiter an der FH St. Pölten tätig. Welche Voraussetzungen sollte ich für dieses Studium mitbringen?

Peter Pantuček: Neugierig sein, interessiert an Menschen, und eine Lust dran haben, eine öffentliche Person zu sein. Den Anspruch, soziale Beziehungen und Kommunikationsprozesse zu gestalten, damit sie zu guten und freudvollen Ergebnissen führen.

Anna Michalski: Welche Menschengruppen haben dich in Deiner Tätigkeit in der sozialen Arbeit fasziniert?

Peter Pantuček: Spannend war, dass man viel lernen konnte – vor allem von den Klienten und Klientinnen selber. Und dass man in verhältnismäßig kurzer Zeit - wenn man denn bereit war sich darauf einzulassen – so viel über das Leben und die Lebensmöglichkeiten lernen kann, was man sonst in 50 Jahren nicht lernt.

Anna Michalski: Wenn du dir etwas wünschen könntest, vielleicht auch so in Richtung Politik, was könnte das sein in Deinem Bereich?

Peter Pantuček: Es wird tendenziell immer mehr Geld in das Soziale hineingesteckt. In manchen Bereichen explodieren fast die Ausgaben und es wird trotzdem nicht besser. Wenn ich mir was wünschen könnte: Wir brauchen intelligentere Hilfe. Dafür braucht es auch mehr hochqualifiziertes Personal, und Mittel für Forschung und Entwicklung. Ansonsten wäre vernünftig eine gute Regelung für die Berufstätigkeit für Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen zu treffen. Ein Berufsgesetz wird von der Berufsvertretung seit langem verlangt.

Anna Michalski: Also das gibt es nicht?

Peter Pantuček: Nein, gibt es nicht und es bewegt sich auch nichts derzeit.

Anna Michalski: Du bist aktiv in Gremien, auch auf politischer Ebene, ist dir das ein Anliegen da auch mitzureden und deine Erfahrungen einzubringen?

Peter Pantuček: Ja, das ist mir natürlich ein Anliegen. Wir haben nun die Österreichische Gesellschaft für Soziale Arbeit gegründet, um die Fachwissenschaft besser zu repräsentieren. Derzeit habe ich auch die Möglichkeit, das Land Steiermark bei einer ambitionierten Reform der Kinder- und Jugendhilfe zu beraten. Das ist ein spannender Prozess. Vor allem wenn man sieht, dass eine Bereitschaft zu einer fachlich sinnvollen Weiterentwicklung gegeben ist, dann macht das großen Spaß.


Das Interview zum Nachhören:
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