Bessere Noten durch innovative Lehrmethoden

Christiane Metzger, Johann Haag, Rolf Schuhmeister und Anna Michalski im Studio des Campus & City Radio 94.4

Der Einsatz verschiedener Lehrmethoden und die Gestaltung offener Lernsituationen ermöglichen es, unterschiedliche Ziele zu erreichen, auf Studierende mit unterschiedlichem Lernverhalten und Motivation einzugehen und adäquate Lernumgebungen zu schaffen.

Beispiele hierfür sind Blockunterricht, Projektarbeit, Rollen- und Planspiele und Flipped Classroom (übersetzt: umgekehrter Unterricht). Außerdem kann man durch die Lehrorganisation darauf hinwirken, dass Studierende ihre Zeit besser zum Lernen nutzen. Auch die Fachhochschule St. Pölten nutzt solche Formen des Unterrichts.

Die FH kooperiert dabei mit renommierten BildungsexpertInnen wie Rolf Schulmeister vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) der Universität Hamburg und Christiane Metzger von der Fachhochschule Kiel. Die beiden waren letzte Woche zu Gast an der FH St. Pölten.

Anna Michalski hat mit ihnen und mit Studiengangsleiter und Vizerektor Johann Haag eine Folge Campus Talk für das Campus & City Radio 94.4 gestaltet, (zum Mitschnitt). Auszüge aus der Sendung gibt es hier als Interview zu lesen.

Anna Michalski: Herr Schulmeister, warum ist Blockunterricht besser, als den Stoff übers Semester verteilt in Häppchen serviert zu bekommen?

Rolf Schulmeister: Zwischen den zweistündigen Lehrveranstaltungen haben die Studierenden große Zeitlücken, die sie nicht immer sinnvoll nutzen können. Wir merkten, dass die Studierenden dann die Mitarbeit an der Lehrveranstaltung immer weiter verschoben. Und dann mussten sie drei Tage vor den Prüfungen alles fürchterlich schnell lernen, sie haben sogenanntes „Bulimie-Lernen“ betrieben. Das hielten wir für eine nicht-nachhaltige Form des Lernens und kamen auf die Idee des Blockens.

Anna Michalski: Das klingt vernünftig. Sie haben in einem Projekt mit dem Titel ZEITLast aber noch einiges mehr erforscht. Was ist dabei rausgekommen?

Rolf Schulmeister: Im Mittel lernen Studierende 23 Stunden pro Woche. Das Entscheidende war aber, dass es eine riesige individuelle Streuung gab: Studierende, die acht Stunden pro Woche lernen, und welche, die 60 Stunden pro Woche lernen. Und es kam heraus, dass die Noten, die sie erzielten, mit der investierten Zeit gar nichts zu tun hatten. Die Workload bestimmt nicht den Lernerfolg.

Anna Michalski: Was ist es dann? 

Rolf Schulmeister: Es ist die Konzentration: Wie ungestört lernt man? Für einen bedeutet eine Stunde Lernen so viel wie für einen anderen fünf Stunden. Es hängt davon ab, dass man keine Unterbrechungen hat – durch Musik, Fernsehen, Facebook und ähnliche Dinge. Dann hat man eine gute Lernphase. Diese Zeit zählt ein Vielfaches.

Anna Michalski: Damit sind wir wieder bei den Blockveranstaltungen.

Rolf Schulmeister: Sie sind deswegen so erfolgreich, weil sie den Studierenden nicht mehr die Möglichkeit geben, zu verschieben. Sie bekommen eine Aufgabe, müssen permanent mitarbeiten und erhalten rasch eine Rückmeldung. Wenn man etwas nur hört, hat man es noch nicht begriffen. Das Anwenden und die Rückmeldung sind für über 40 Prozent der Studierenden der Erfolgsfaktor.

Anna Michalski: Frau Metzger, basieren diese Lernmethoden auf wissenschaftlichen Erkenntnissen oder gilt auch in der Hochschuldidaktik, dass man zunächst etwas ausprobiert und wenn es funktioniert, wird es übernommen?

Christiane Metzger: Wir gehen schon auf einer lerntheoretischen Basis davon aus, dass es für Studierende vorteilhaft ist, wenn sie nicht ständig dieses Themenhopping haben, sich alle 90 Minuten mit etwas anderem beschäftigen müssen, sondern sich auf einen Gegenstand über mehrere Woche konzentrieren können.

Anna Michalski: Das ist wahrscheinlich vor allem für berufsbegleitende Studierende wichtig. Welche Tipps würden Sie diesen geben?

Christiane Metzger: Es ist wichtig, eigene Anknüpfungspunkte zu finden, was einen interessiert, womit man im Berufsalltag zu tun hat. Das ist auch die Herausforderung der Lehrenden: Daran anzuknüpfen und das in Einklang zu bringen.

Anna Michalski: Johann Haag, hat die FH St. Pölten Blockunterricht schon ausprobiert?

Johann Haag: In den Studiengängen IT Security und Information Security bieten wir den Unterricht mittlerweile flächendeckend als Blockunterricht an. Wir untersuchen laufend die Lernergebnisse und fragen die Studierenden, wie es ihnen dabei geht, um herauszufinden, wo man noch daran feilen kann, dass es runder und besser wird. Mittlerweile kann sich keiner mehr den Unterricht nach dem alten System vorstellen.

Anna Michalski: Was motiviert Studierende?

Johann Haag: Das wichtigste ist, bei den Studierenden Neugierde zu erwecken und das in den Blockphasen entsprechend aufzubauen. Wichtig ist, dass die Erkenntnisse aus den Übungen im Unterricht wieder aufbereitet werden. Dann sehen Studierende den Sinn. Das ideale Ziel ist, dass Studierende lernen, ohne es zu merken.

Anna Michalski: Frau Metzger, was macht für Sie gute Lehrende aus?

Christiane Metzger: Es ist nicht die erste Aufgabe, der Entertainer oder die Entertainerin zu sein. Es darf aber auch nicht darin ausarten, dass man sagt, macht mal irgendwas – ohne Betreuung und ohne Anleitung. Man muss die Ziele der Lernenden und ihre Lerntypen kennen. Wichtig ist die Balance zwischen Autonomie und Freiräumen, Betreuung und Anleitung ohne orientierungslos zu sein.

Anna Michalski: Johann Haag, warum möchte die FH St. Pölten Neues in der Lehre ausprobieren?

Johann Haag: Es gibt das Sprichwort „Stillstand ist Rückschritt“. Das gilt vor allem auch für die Lehre. Man muss Studierende immer neu begeistern und daher ist es wichtig in der Lehre fortschrittlich zu sein.

Anna Michalski: Herr Schulmeister: Kann jeder lehren?

Rolf Schulmeister: Davon gehe ich aus, so wie wir annehmen, dass jeder lernen kann, kann auch jeder prinzipiell lehren. Aber es sollten sich viele dabei doch einer Ausbildung stellen.

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