„Das nächste große Ding“

Christoph Musik

Vortrag von Christoph Musik zum Thema Content-Handelmessen an der Technischen Universität Berlin

Auf der Suche nach dem nächsten großen Hit in TV, Musik oder dem Buchmarkt haben Content-Handelsmessen vor allem Bedeutung als Orte des Netzwerkens auf face-to-face Basis.

Ein wissenschaftlicher Vortrag von Christoph Musik auf dem Workshop „Bridges Over Troubled Waters – Zur Konstitution von Netzwerken in Innovationsprozessen“ an der Technischen Universität Berlin präsentierte erste Erkenntnisse aus dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Forschungprojekt „Trading Cultures. Eine Ethnographie von Handelsmessen für TV, Musik und Bücher.“

Netzwerken im Mittelpunkt

Ein zentraler Punkt dabei ist, dass in den genannten Medienindustrien das Netzwerken der MarktakteurInnen zum zentralen Anliegen auf den jährlich stattfindenden Messen wie MIPCOM oder Midem in Cannes geworden ist. Dabei geht es darum, dauerhafte soziale Beziehungen zu anderen relevanten MarktteilnehmerInnen aufzubauen, zu bestätigen und zu erneuern, um seine Marktposition zu bekräftigen oder zu verbessern. Die besondere Dimension der jährlich stattfindenden Content-Handelsmessen ergibt sich insbesondere über die Möglichkeit, die aus der ganzen Welt zusammenkommenden MedienakteurInnen dort zumindest einmal im Jahr persönlich face-to-face treffen zu können. Diese persönlichen Treffen, Gespräche und Erlebnisse werden als die grundlegende Basis für den Erfolg in der Branche, sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene, angesehen.

Messen als zentrale Orte

Dieser Zusammenhang ergibt sich vor allem dadurch, dass personalisierte Beziehungen äußerst wichtig sind, um vertrauensvolle und zeitnahe Informationen über Entwicklungen, Neuerungen oder Trends zu erhalten, aber auch aktiv an deren Weiterverbreitung und Evaluation in den jeweiligen Netzwerken beteiligt sein zu können. In diesem Sinne sind Messen zentrale Orte, an welchen (mögliche zukünftige) Innovationen intensiv und interaktiv zwischen den verschiedenen MarktteilnehmerInnen und den Netzwerken, in welche sie eingebunden sind, ausverhandelt und diskutiert werden. Auf den Messen lassen sich eine Vielzahl von informellen und formell organisierten Gelegenheiten finden, bei welchen die Prozesse des Netzwerkens und Innovierens im Zentrum stehen. Auf informeller Ebene sind dies neben Ganggesprächen auch die zahlreichen traditionsreichen und ritualisierten Empfänge und Partys, auf formeller Ebene werden Events wie „Speed Meetings“ im Networking Village oder Start-up Competitions in der Innovation Factory abgehalten.

Über das Projekt Trading Cultures

Das von FH-Prof. Dr. Andreas Gebesmaier geleitete Forschungsprojekt Trading Cultures setzt sich mit der Rolle und Bedeutung von Content-Handelsmessen in Medienindustrien auseinander. Es basiert vor allem auf ethnographischer Feldforschung. Bisher wurden Daten bei Aufenthalten bei der TV-Content Messe MIPCOM in Cannes, dem European Film Market (EFM) in Berlin, der Musikmesse Midem in Berlin und der Kinderbuchmesse in Bologna sowie aus 16 Interviews mit österreichischen MesseteilnehmerInnen gesammelt. Derzeit befindet sich das Forschungsteam auf der Frankfurter Buchmesse auf. Die Forschung auf dem Showcase Festival Eurosonic Noorderslag in Groningen im Jänner schließt die empirische Erhebung ab.

 

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