Denkanstoß zum Thema „Hass im Netz“

Die Gastvortragende Claudia Schäfer (links vorne) zusammen mit der Lehrveranstaltungs-Leiterin Astrid Ebner-Zarl (rechts vorne) und den Studierenden

Bachelor-Studierende der Media- und Kommunikationsberatung lernen im Rahmen der Sozialwissenschaften die Initiative #GegenHassimNetz kennen

In der Lehrveranstaltung „Sozialwissenschaft I: (Medien-)Soziologie“ unter der Leitung von Astrid Ebner-Zarl wurde der erste Termin im neuen Jahr mit einem besonderen Programmpunkt eröffnet: Claudia Schäfer von der im September 2017 neu gegründeten Beratungsstelle #GegenHassimNetz hielt am 16. Jänner einen Gastvortrag für die Studierenden des ersten Semesters im Bachelorstudium Media- und Kommunikationsberatung.

Die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Hass im Netz ist eines der diesjährigen Schwerpunktthemen des Lehrveranstaltungs-Teils (Medien-)Soziologie bei Astrid Ebner-Zarl. Im Gastvortrag gab Claudia Schäfer spannende Einblicke in die Beratungs-, Forschungs-, Trainings- und Vernetzungsaktivitäten der Beratungsstelle #GegenHassimNetz bzw. der übergeordneten Einrichtung ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit.

Ort des Hasses hat sich auf das Internet ausgedehnt

ZARA, die Beratungsstelle für Opfer und Zeuginnen und Zeugen von Rassismus, ist bereits seit dem Jahr 2000 im Bereich der Antirassismus-Arbeit tätig. Online-Hass war dabei von Anfang an ein hochrelevantes Thema und hat auch früh als eigene Kategorie in den jährlich herausgegebenen Rassismus-Report Eingang gefunden.

Anhand von statistischen Daten zeigte Claudia Schäfer eindrucksvoll, wie sich der Ort des Hasses in den letzten Jahren mehr und mehr auf das Internet verlagert bzw. dorthin erweitert hat: Waren 2010 noch 9 Prozent der von ZARA registrierten Rassismus-Fälle dem Internet zuzuordnen, so waren es 2016 bereits 31 Prozent. Im September 2017 wurde der Zuständigkeitsbereich von ZARA in der Auseinandersetzung mit Hass im Netz auf alle Diskriminierungsgründe (z. B. auch Gender, sexuelle Orientierung, Behinderung) ausgeweitet: Die Beratungsstelle #GegenHassimNetz wurde gegründet.

#GegenHassimNetz bietet Hilfe für alle

Sowohl Opfer als auch Zeuginnen und Zeugen jeglicher Form von Hass und Gewalt im Internet können sich an die Beratungsstelle #GegenHassimNetz wenden. Betroffene erhalten dort eine Ersteinschätzung von Expertinnen und Experten zu ihrem Fall, werden über Handlungsmöglichkeiten informiert und bei eventuellen rechtlichen Maßnahmen unterstützt. Als „trusted flagger“ tritt die Beratungsstelle auch direkt mit Betreiberinnen und Betreibern von Online-Plattformen in Kontakt und beantragt die Löschung von Einträgen. Unter anderem am Beispiel von konkreten Fällen und Postings veranschaulichte Claudia Schäfer, welche Möglichkeiten wie auch Probleme derzeit bei der Verfolgung von Cyberhass bestehen.

„Veränderung beginnt bei der Bewusstseinsmachung“

Viel Raum gab es auch für die Fragen der Studierenden, die sich aktiv und mit viel Interesse beteiligten. Der Vortrag von Claudia Schäfer stieß allseits auf positive Resonanz, was sich auch an den Rückmeldungen von Studierenden ablesen lässt. „Wie viele unterschiedliche Gesichter Rassismus oder Diskriminierung haben können, hat der Vortrag auf eindrucksvolle Art gezeigt“, sagt etwa Johannes Jany. „Die letzten Jahre haben neue, zusätzliche Herausforderungen für die Gesellschaft mit sich gebracht, aber ein wesentlicher Punkt hat sich nicht geändert: Veränderung beginnt bei der Bewusstseinsmachung.“

Barbara Hackl resümiert: „Besonders aufschlussreich fand ich den Einblick in das umfangreiche Tätigkeits- und Wirkungsfeld von ZARA, den uns Claudia Schäfer in ihrem Vortrag lieferte. Die steigende Anzahl an Hass-Postings im Internet zeigt deutlich, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für Zivilcourage und Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus zu stärken. Das sind Themen, die uns alle betreffen.“

Sie haben Hass im Netz wahrgenommen?

Im Sinne des eigenen Engagements für andere kann auch jeder und jede wahrgenommene Fälle von Online-Hass bei der Beratungsstelle melden, damit sie registriert und weiterverfolgt werden können. Wichtig dabei ist die Angabe der genauen URL.

Mehr zu ZARA und zur Beratungsstelle #GegenHassimNetz:

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