Mit Design Thinking Industrie-4.0-fit

Mit Concept Paper und Empathy Map auf dem Weg zur Projektidee

Von DesignerInnen inspiriert einen kreativen Weg finden, um Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen. Ein Workshop zeigte, wie das geht

Am 15. Februar 2018 fand ein Workshop zum Thema „Design Thinking“ statt, bei dem rund 60 SchülerInnen der HAK und HTL St. Pölten sowie der HTL Waidhofen mit Studierenden des Bachelor Studiengangs Smart Engineering gemeinsam an der Lösung der unterschiedlichsten Problemfelder arbeiteten. Kreativ. Innovativ. Anders. Anders deshalb, weil sie sich einer Methode bedienten, die nicht nur die Problemlösung in den Blick nimmt, sondern einen Schritt zurückgeht und zunächst die Ausgangslage, das zugrundeliegende Bedürfnis nämlich, in den Fokus rückt.

Teresa Sposato, Buchautorin, selbstständige Designerin und Unternehmensberaterin für die Entwicklung und Realisierung von diversen Designprojekten sowie Lehrbeauftragte für Grafikdesign an der FH St. Pölten und anderen Fachhochschulen in Österreich, führte und begleitete die TeilnehmerInnen durch den Workshop.

Nach den einleitenden Worten von Franz Fidler, Studiengangsleiter des dualen Bachelorstudiengangs Smart Engineering, und einer kurzen Einführung in den Ansatz des „Design Thinking“ arbeiteten die TeilnehmerInnen des Workshops intensiv an der Findung von Projektideen in den Themenfeldern Industrie 4.0 und Nachhaltigkeit 4.0.

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Design Thinking als ganzheitlichen Ansatz begreifen

Design Thinking ist eine Methode, die sich der Denk- und Arbeitsweise von DesignerInnen bedient, um die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen mit dem technisch Machbaren zu verbinden und etwas hervorzubringen, das wirklich dem entspricht, was sich die NutzerInnen erhoffen und erwarten. Sie stehen im Mittelpunkt der Überlegungen, in sie gilt es, sich einzufühlen. Das ist die Stärke des Design Thinking.

Nach Teresa Sposato handelt es sich bei Design Thinking um „einen offenen, intuitiven und kreativen Ansatz“, bei dem ein Problem nicht als solches akzeptiert und gelöst, sondern selbst zunächst kritisch hinterfragt wird. 

Beim geplanten Bau einer Brücke etwa mache man sich nicht sofort Gedanken über die konkrete Umsetzung, sondern müsse sich zunächst die Frage stellen: „Wieso brauche ich diese Brücke? Was ist das wirkliche Bedürfnis dahinter?“ Die abgeänderte Fragestellung würde plötzlich ganz andere Lösungsstrategien eröffnen.

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Ein wesentlicher Aspekt beim Design Thinking sei nicht nur die Orientierung an den Bedürfnissen der NutzerInnen, auch eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge sei entscheidend, betonte Sposato in ihrer Einführungsrede zum Workshop. Erst das Zulassen unterschiedlicher Meinungen und Ideen mache bessere Lösungen möglich. Diversität und NutzerInnenzentrierung also als Schlüssel für das Finden von erfolgreichen Ideen und innovativen Lösungen.

Und: Fehler als Chance begreifen. So kann man laut Sposato in der Phase, in der es darum geht, Ideen mittels Prototypen greifbar zu machen, Fehler als Potenzial zur Verbesserung nutzen und den Prototypen im positiven Sinn weiterentwickeln.

Von der Herausforderung kreativ zur Projektidee

Die TeilnehmerInnen des Workshops tauchten – ganz dem Diversitätsgedanken folgend – in Arbeitsgruppen zu vier Personen in eine konkrete Fragestellung ein. Diese wurde von den TeamleaderInnen, den Smart Engineering-Studierenden, in die Gruppe eingebracht, um von den Teammitgliedern mit den unterschiedlichsten Backgrounds und Erfahrungen schrittweise bearbeitet zu werden.

Industrie 4.0 mit Nachhaltigkeitsanspruch – Smarte Ideen erarbeiten

Mit den Digitalisierungstendenzen in der Produktion und dem gleichzeitigen Anspruch der Nachhaltigkeit geht eine Fülle an zukünftigen Herausforderungen einher. Die eingebrachten Themen waren dementsprechend vielfältig und reichten von Arbeitsplatzoptimierung über Location Tracking bis hin zu web-basierter Vertragsverwaltung. Da die Studierenden im dualen Studiengang Smart Engineering gleichzeitig auch MitarbeiterInnen in Unternehmen sind, handelte es sich bei den Fragestellungen allesamt um Aufgaben aus dem beruflichen Alltag der Studentinnen und Studenten.

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Zunächst ging es darum, mit dem Concept Paper ein Verständnis für die Ist-Situation und die potentiellen NutzerInnen zu gewinnen. Dann galt es, eine NutzerIn zu definieren und Empathie für diese zu entwickeln, d. h. deren Emotionen und Erwartungen zu erkennen. Aus diesen Erkenntnissen und Überlegungen sollten dann Fragestellungen formuliert und im Visual Brainstorming möglichst viele – auch unausgereifte – Ideen gesammelt werden.

Mit der Video-Prototypentwicklung wurden dann die Projektideen rasch umgesetzt; die TeilnehmerInnen waren nun auch handwerklich kreativ tätig und griffen zu Schere, Papier und Klebstoff. Die Testphase sowie eine Feedbackrunde halfen zum Abschluss dabei, Fehler zu erkennen und für die Weiterentwicklung zu nutzen.

Design Thinking für die Zukunft nutzen

Die Erkenntnis, die sowohl die SchülerInnen der am Workshop teilnehmenden Schulen als auch die Smart Engineering-Studierenden von diesem gemeinsamen Tag mitnehmen konnten, ist folgende: Mit der Methode des Design Thinking haben sie ein nützliches Werkzeug zur Hand, um zukünftigen Herausforderungen effektiver, weil offener und kreativer, begegnen zu können.

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