„Digital Healthcare soll Assistenz im Alltag sein.“

Jakob Doppler

Interview mit Medientechniker Jakob Doppler zu neuen Technologien, die Menschen in Zukunft das Leben erleichtern werden.

Sohlen mit Sensoren, die die Rehabilitation erleichtern, Online-Kartenspiele für SeniorInnen oder Roboter zur Hilfe im Haushalt. Im Forschungsschwerpunkt Digital Healthcare untersucht und entwickelt die FH St. Pölten moderne Medientechnik an der Schnittstelle zu Gesundheits- und Sozialwissenschaften.

Assistenzsysteme für Aktivität bis ins hohe Alter

Zu den Aktivitäten gehört der Aufbau des Forschungszentrums CARMA (Center for Media Assisted Healthcare & Living) bis zum Jahr 2016. CARMA widmet sich den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und entwickelt unter anderem Assistenzsysteme, die Selbständigkeit und Aktivität bis ins hohe Alter ermöglichen. Bei Konzepten für Prävention, Therapie und Rehabilitation, speziell auch bei Jugendlichen, untersucht das Projekt, wie diese durch den Einsatz digitaler Technologien optimiert werden können.

Jakob Doppler über Technologie im Gesundheitsbereich

Im Folgenden ein Interview mit Jakob Doppler, Projektleiter von CARMA und Researcher am IC\M/T – Institut für Creative\Media/Technologies (Auszug aus der Sendung Campus Talk mit Anna Michalski, vom 24.6.2014, Campus & City Radio 94.4):

Anna Michalski: Wo sehe ich Technologie im Gesundheitsbereich schon heute?
Jakob Doppler: Auf vielen Ebenen; bei der E-Card und elektronischen Gesundheitsakte, bei EKG und Blutzuckermessung. Die Frage ist, wie man Technologie in Zukunft kontinuierlich im Gesundheitswesen einbinden kann. Zentral ist, wie Technologie das Leben der Menschen unterstützt, ohne es negativ zu beeinflussen. Wir sehen Technologisierung in vielen Bereichen von Auto, Kleidung, Einkauf und Wohnen bis hin zur Gesundheit. Mit unseren Aktivitäten wollen wir die Schnittstellen zur Technologie vereinfachen und den Menschen zeigen, was möglich ist, ohne dass sie in die totale Überwachung gedrängt werden.

Anna Michalski: In welchen Projekten wird das untersucht?
Jakob Doppler: Ein Projekt ist zum Beispiel SoniGAIT. Da wollen wir Schuhsohlen mit Sensoren ausstatten, um Patientinnen und Patienten im klinischen Umfeld zu helfen, sich in der Rehabilitation wieder einen natürlichen Gang anzutrainieren. Im Projekt BRELOMATE geht es darum, Seniorinnen und Senioren, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, mit Medientechnik zu unterstützen, am sozialen Leben teilzuhaben, zum Beispiel von daheim aus an einem Spielenachmittag teilzunehmen, der an einem Stammtisch stattfindet, indem sie online am Tablett das Schnapsen austragen zu können.

Anna Michalski: Wirst Du in Deiner Forschung selbst zum Versuchskaninchen und testest diese Technik?
Jakob Doppler: Ausprobieren ist immer gut, aber spannend wird es erst mit realen Personen und Bedürfnissen. Bei einem Feldtest mit Seniorinnen und Senioren mit Tablets und Second Screen-Szenarien hat den Personen das Schnapsen online großen Spaß gemacht. Man sieht, dass auch ältere Menschen ein Bedürfnis nach Kommunikation und Teilhabe in der digitalen Welt haben. Die Komplexität der Technologien – man muss das Tablet anstecken und aufladen, ein USB-Stecker hat zwei Ansteckrichtungen, es gibt eine komplexe Menüführung – ist jedoch ein technologisches Hindernis am Weg zur Bedürfnisbefriedigung, zum Beispiel einfach nur Unterhaltung in Form von Schnapsen. Unsere Aufgabe ist es, diese Technologie zu vereinfachen.

Anna Michalski: Was wird in den nächsten Jahren technisch möglich sein? Hab ich dann zum Beispiel einen Sensor, der mir sagt, dass ich zu viel gegessen habe und genau 23 Minuten Radfahren muss, um das abzubauen?
Jakob Doppler: Ich würde mir wünschen, dass die Zukunft nicht von der Angst vor neuen Technologien und dem gläsernen Menschen getrieben ist. Wichtig sind klare rechtliche Rahmenbedingungen, was man darf und was nicht. Das ist wichtig in der Technologieakzeptanz. Ich wünsche mir nicht, dass wir in zehn, zwanzig Jahren alle einen Chip tragen und die Daten fernauslesbar sind. Digital Healthcare soll Assistenz im Alltag sein. Wie schnell sich Technologie ändern kann, sieht man an den letzten Jahren: Wer hätte sich vor zwanzig Jahren vorstellen können, dass wir alle mit einem mit einem Sensor ausgestatteten Computer in der Hosentasche spazieren gehen, der auf Spracheingabe reagiert oder dass assistive Roboter unseren Rasen mähen. Neue Assistenzsysteme werden also kommen, warum nicht auch Roboter, die älteren Menschen im Haushalt helfen.

Sendung zum Nachhören

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