DIVÖRSITY – FH St. Pölten feierte die Vielfalt

Film-Screening und Talk im Rahmen der Divörsity-Tage an der FH St. Pölten

Reden wir über Diversität. Film-Screening und Talk thematisierten kulturelle Vielfalt, die Suche nach der eigenen Identität und die Macht des Gefühls

Österreich feiert die Diversität. Und die FH St. Pölten feierte mit! Von 16. bis 19. Oktober 2018 finden die österreichischen Tage der Diversität „DIVÖRSITY“ statt. Bei der bundesweiten Aktion zum Thema Vielfalt stehen die Diversity-Aktivitäten von Unternehmen und Organisationen im Zentrum.

Auch die FH St. Pölten griff wie viele andere österreichische Unternehmen und Institutionen diese Aktion auf und holte für den 16. Oktober Inès Khannoussi, Absolventin des Studiengangs Medientechnik, zurück an die FH. Mit im Gepäck hatte sie ihren auf internationalen und nationalen Festivals gefeierten Kurzfilm "Meanwhile in Tunisia", der im Loop in der Lounge für alle Interessierten gezeigt wurde.

An diesem Tag war Inès Khannoussi außerdem im Campus Talk im Campus & City Radio (CR 94.4) zu Gast und stand anschließend auch für Fragen von interessierten FH-MitarbeiterInnen und Studierenden zur Verfügung. Offen sprach sie über ihren Film, ihre Erfahrungen nach dem Studium an der FH St. Pölten und natürlich über kulturelle Vielfalt.

"Every day should be #diversityday!", postete Inès Khannoussi auf ihrer Facebook-Seite. Und diesem Statement kann sich Ulrike Wieländer, Gender-und-Diversity-Beauftragte der FH St. Pölten, nur anschließen. "Inès Khannoussi ist nicht nur eine international erfolgreiche Absolventin unseres Hauses, sie zeigt in ihrem Film das Thema der kulturellen Vielfalt in seinen zahlreichen Facetten und steht auch als Mensch und ehemalige Studentin für Diversität unter unseren Studierenden. Wir freuen uns, dass sie unserer Einladung gefolgt ist."

In "Meanwhile in Tunisia" der Vielfalt auf der Spur

Inès Khannoussi ist in Österreich geboren und hat tunesische Wurzeln. In ihrem Film "Meanwhile in Tunisia" nimmt sie die ZuseherInnen mit auf eine Reise in ihre zweite, jedoch fremde Heimat in der Hoffnung, die verborgenen Seiten dieses Landes und dieser Kultur freizulegen. Mittels vieler persönlicher Gespräche und zahlreicher Ortswechsel gelingt es ihr, berührende Einblicke in diese für uns und auch für sie fremde Welt zu gewähren.

 

"Ich habe nach einem Zugehörigkeitsgefühl gesucht", antwortet die Regisseurin auf die Frage nach der Motivation, diesen Film zu machen. "Es ging mir aber hauptsächlich um den Zwiespalt, den ich und auch Freunde von mir immer wieder fühlen. Wenn man innerhalb zweier Kulturen aufwächst, fühlt man sich zuhause, aber gleichzeitig auch verloren."

Sie erzählt von ihrer Sehnsucht, nach Tunesien zu fahren und mit den Menschen dort zu reden und ihre persönlichen Geschichten zu erfahren, um so auch die Kultur ihrer Vorfahren kennen zu lernen. "Wie wäre ich heute, für welche Werte würde ich einstehen, wäre ich in Tunesien geboren und aufgewachsen?" 

Diversität als Bereicherung erleben

Viele würden ihre Identität nur darüber definieren, wo sie geboren und groß geworden sind. Aber was bedeutet es konkret, ÖsterreicherIn oder TunesierIn zu sein? Die Antwort finde man letztendlich nur in sich selbst, denn es gehe um das sehr persönliche Gefühl der Vertrautheit und Verbundenheit. Aber es gehe auch darum, "die Freiheit zu haben, die andere Mentalität und die Lebensweise nicht leben zu müssen und sie trotzdem zu verstehen und nachzuvollziehen", so Inès Khannoussi.

Von klein auf immer schon inmitten mehrerer Kulturen im 15ten Wiener Bezirk aufgewachsen und mit Kindern unterschiedlichster Herkunft zur Schule gegangen, hat Inès Khannoussi vonseiten ihrer Mitmenschen schon früh Vorverurteilungen und die Angst vor dem Anderssein der anderen beobachten können. Und auch den Wunsch von außen, sich diese Angst bestätigen zu lassen. Anders als viele Erwachsene in ihrem Umfeld habe sie – und auch ihre MitschülerInnen – diese Durchmischung der Kulturen als normal, bereichernd und spannend empfunden. Nicht Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten sollten im Vordergrund stehen, ist sie sich sicher. "Das macht auch offener und neugieriger für Unbekanntes."

Ideen verfolgen und eigenem Gefühl vertrauen

Die Reise in ihre fremde Heimat sei für sie zugleich auch eine innere, sehr persönliche Reise gewesen, auf der sie nicht nur ihre Selbstzweifel überwinden, sondern sich auch ihren Gefühlen stellen musste. Eine sehr emotionale Erfahrung, die sie auch schnell an ihre Grenzen gebracht habe.

"Jede Möglichkeit ist eine Erfahrung, die man nützen kann", ermuntert sie Studierende, "einfach zu machen" und "ganz viel auszuprobieren". Es gebe einen Grund dafür, dass manche Ideen hartnäckig immer wiederkehren; diesem Drang müsse man nachgeben, dem Gefühl folgen und sich auch in die Ferne ziehen lassen.

Film-Screening und Talk mit der Regisseurin waren eine Aktion im Rahmen der österreichischen Divörsity-Tage und wurden von der Gender-und-Diversity-Beauftragten und dem Department Medien & Digitale Technologien, dem Alumni & Career Center sowie dem International Office der FH St. Pölten umgesetzt.

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