Erlebnis als Erlösung

FH-Dozent Thomas Duschlbauer referierte jüngst an der Chemnitzer Konferenz zur Eventforschung zu höchst aktuellen Entwicklungen.

FH-Dozent Thomas Duschlbauer referierte jüngst an der Chemnitzer Konferenz zur Eventforschung zu höchst aktuellen Entwicklungen.

Seit sieben Jahren ist die „Wissenschaftliche Konferenz Eventforschung“ in Deutschland eine feste Institution. Univ.-Prof. Dr. Cornelia Zanger initiierte diese Plattform 2009, um Eventinteressierten einen umfassenden Überblick zu bieten. Ende Oktober fand die Konferenz im neuen Stadion des Chemnitzer FC statt. Im Zentrum stand das „Erlebnis“, wobei viele Perspektiven kompakt an einem Tag gebündelt wurden: die Sicht der Marke und der HerstellerInnen, die Sicht der KonsumentInnen und TeilnehmerInnen, die Sicht der ForscherInnen, der Agenturen und der Medien. Hinzu kamen Beiträge aus benachbarten Disziplinen wie den Sozialwissenschaften und der Psychologie.

Brot und Spiele

Eingeladen wurde auch Prof. (FH) Dr. Thomas Duschlbauer, Dozent am Department Medien und Wirtschaft, der das Eventgeschehen und insbesondere das Inszenatorische in einen viel größeren Zusammenhang stellte und beispielsweise anlässlich des Wahlkampfes in den USA darauf verwies, dass sich das Spektakel so sehr in die Gesellschaft eingeschrieben hat, dass Events nicht mehr bloß als ein Instrument der Kommunikation zu sehen sind.

Das Inszenatorische ist längst eine fundamentale Bedingung unseres Alltags, und durch die Präsenz der Medien wird es zu einem wirklichen Ereignis und Spektakel. Dieses war allerdings schon immer mit Fragen rund um die Ökonomie und die Daseinsbedingungen der Menschen gekoppelt und stand daher – wie etwa im antiken Rom – auch im Fokus der Politik. „Wenn sich durch die neuen medialen Bedingungen bzw. durch die disruptiven Technologien der Sichtbarmachung inszenierter Erlebnisse heute allerdings die Machtverhältnisse und somit die Regeln der ‚Spiele‘ verändern, wie sieht es dann mit dem ‚Brot‘ aus? Welchen Interessen dient das Spektakel und welcher spektakulären Techniken können sich heute die BürgerInnen bedienen, um diese Interessen transparent zu machen, sie zu kommentieren, bewusst zu überzeichnen oder zu dekonstruieren“, fragte Thomas Duschlbauer in seinem Abschlussvortrag anlässlich neuer Trends in der Eventbranche wie etwa virtual oder augmented Reality und Gamification.  

Inszenierung als Markenkern

Eine mögliche Erklärung der gegenwärtigen Situation bietet vielleicht der Philosoph Ludwig Feuerbach. Für ihn war beispielsweise das Christlich-Religiöse nicht zwingend als eine Verehrung des Göttlichen zu sehen, sondern als eine Hingabe an die bloße Inszenierung von Glaubenskundgebungen. So sollten wir heute auch in der profanen Welt des Marketings daran zweifeln, dass wir uns einem Produkt, einer Marke oder einer politischen Bewegung tatsächlich zugetan fühlen. Vielmehr ist es eventuell lediglich die Inszenierung der damit als Verheißung und Erlösung angepriesenen Glücksmomente, wie sie in Slogans wie „Make America great again!“ zum Ausdruck kommen.

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