Erster Filmabend: Sustainable Development-Lounge

Werner Boote im Publikumsgespräch

Erfolgreicher Start für die Filmreihe „Sustainable Development“: Aufgrund des großen Andrangs wurde in den größten Saal des Kinos gewechselt.

Im Zuge des Kollegium-Jahresthemas „Nachhaltige Entwicklung“ zeigen das Cinema Paradiso und die Fachhochschule St. Pölten zum Thema passende Dokumentationsfilme mit anschließendem Publikumsaustausch.

Der erste Film der Reihe „Sustainable Development“-Lounge des Kollegiums der FH St. Pölten wurde am 15. Mai erfolgreich im Beisein des Regisseurs im Cinema Paradiso St. Pölten gezeigt. Aufgrund des großen Andranges wurde kurzfristig in den größten Saal des Kinos gewechselt. Monika Vyslouzil begrüßte zum Jahresthema und Rosa von Suess moderierte das Filmgespräch im Anschluss. In diesem gab Regisseur Werner Boote dem interessierten Publikum ironische und ernste Antworten. 

Green Lie Publikum

Das interessierte Publikum füllte den größten Saal des Kinos | Copyright: Laura Breban

Aus dem Filmgespräch

Idee zum Film 

Die Ursprungsidee zum Film „The Green Lie“ war, Konzerne in einem positiven Licht darzustellen. Boote ging unbedarft an sein Filmprojekt heran und begann Konzerne zu recherchieren, die seiner Ansicht nach in der öffentlichen Meinung ein gutes Image haben. Schon nach kurzem wurde ihm klar, dass sich das Projekt anders entwickeln würde. 

Das Unwort Nachhaltigkeit – „Was kann man kaufen?“

Nachhaltigkeit ist durch die unhinterfragte und auch missbräuchliche Verwendung ein stark inflationär verwendeter Begriff. Boote ging es ursprünglich darum, zu zeigen, wie die Entwicklung von Nachhaltigkeit in großen Konzernen vonstatten geht. Inzwischen würde er von „ökologisch und sozial gerecht“ sprechen und das Wort „Nachhaltigkeit“ am liebsten zum Unwort des Jahres erklären.

Gütesiegel können nützlich sein, denn sie stellen einen Indikator dar. Wenn auch einen unzufriedenstellenden, „less toxic“ sei dennoch besser als „ganz toxic“, so Boote. Wichtig ist, das eigene Konsumdenken zu hinterfragen, die eigene Verantwortung und Rechte wahrzunehmen. Es bestehe eine Verantwortung, die jeder Mensch für die Umwelt und Mitmenschen hat. Die Verantwortung für Umweltverschmutzung und Verletzung der Menschenrechte solle man aber dorthin geben, wo sie hingehören, nämlich zu profitgetriebenen Konzernen.

Für Konzerne müsse es gesetzliche Regelungen geben, Umweltschutz und Menschenrechte einzuhalten und das müsse global gemacht werden, auch wenn dieser Schritt vielen sehr weit entfernt aussehen würde. Dazu müsse es zu einer Diskussion kommen, die Druck erzeugt und dadurch ermöglicht, das auf Profit ausgerichtete System zu ändern.

Filmkonzept und Buch zum Film

Das dazugehörige Buch von Kathrin Hartman sei während des Filmens auf Anraten von Boote entstanden und wurde erst im Anschluss fertiggestellt. Drehkonzept gab es in diesem Sinne keines, außer, dass Werner Boote die Fragen stellte und Kathrin Hartmann sich das „Kontern“ überlegt habe. Seine Filmteambesprechungen gleichen allerdings Strategiebesprechungen, und um die Szenen ins passende Bild zu bekommen, agiere sein Filmteam wie ein Ballett. Da könne es schon sein, dass einer seiner Kameramänner über den Balkon einsteigen müsse, um von dort rechtzeitig zur passenden Aufnahme eines Interviews zu gelangen. 

Green Lie Buch

Drehgenehmigungen und InterviewpartnerInnen

InterviewpartnerInnen zu gewinnen oder Drehgenehmigungen an Orten, die nicht ganz ungefährlich sind, zu erhalten, kann sehr unterschiedlich aussehen. Beim Tagebau Garzweiler (Anm.: Braunkohle Tagebau von RWE in Deutschland) wurde für Boote überraschend die Drehgenehmigung erteilt, mit der Auflage, dass die Windräder ins Bild zu rücken seien. Tesla wollte im Abspann genannt werden. Mit Noam Chomsky konnte sofort ein Gesprächspartner gewonnen werden, der Dreh musste lediglich um den Terminkalender von Chomsky geschichtet werden.

Von der Palmölkonferenz in Indonesien wurde keine offizielle Einladung ausgestellt, die für die erforderliche Einreisegenehmigung nötig gewesen wäre. Kurzerhand bot Boote der Filmakademie in Jakarta einen Workshop und kam daher über Umwege zur Einreisegenehmigung. So kam es, dass Bootes Filmteam von eine Gruppe Studierender in Indonesien begleitet wurden. Trotz vieler Meetings mit Palmöl im Vorfeld, kam es bis zu Konferenzbeginn zu keiner Konferenzeinladung. Letztendlich fuhren sie hin und „waren dann halt einfach da“.

Kritische oder gefährliche Situationen während der Dreharbeiten gab es weder für das Filmteam noch für Einheimische. Im Gegenteil, ihm wurde berichtet, dass die internationale Aufmerksamkeit durch den Film das Sicherheitsgefühl von manchen Aktivisten stärkt. 

Kollegium Jahresthema

Beginnend 2018 widmet sich das Kollegium dem Jahresthema „Nachhaltige Entwicklung“. Die gezeigten Dokumentationen stehen im Zusammenhang mit den Sustainable Development Goals der UNO und dienen als Anlass die einzelnen Ziele im anschließenden Publikumsgespräch zu zeigen. 

The Green Lie bezieht sich vorrangig auf folgende SDGs:

SDG Icons Green Lie

Save the date

Der nächste Film der „Sustainable Development“-Lounge findet wie folgt statt:

Filmvorführung „Eldorado“ mit anschließender Podiumsdiskussion
19. Juni 2018, 19:30 Uhr
Cinema Paradiso, in Kooperation mit der FH St. Pölten

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