Freude am Studieren soll im Vordergrund stehen

Studiengangsleiter Helmut Ritschl im Interview

Im Herbst startet der neue Studiengang Digital Healthcare. Studiengangsleiter Helmut Ritschl im Interview

Ab dem Wintersemester 2014/2015 bietet die FH St. Pölten erstmals den berufsbegleitenden Masterstudiengang Digital Healthcare an. Die Ausbildung verbindet Medien-, Informations- und Kommunikationstechnologien mit dem technisch-integrierten Gesundheitswesen insbesondere in den Bewegungswissenschaften.

Mit 1. April beginnt der neue Studiengangsleiter Helmut Ritschl seine Arbeit an der FH St. Pölten. Im Gespräch mit Anna Michalski vom campus & cityradio CR94.4 erklärt er, worum es im Studiengang Digital Healthcare geht.

Anna Michalski: Was kann man sich unter Digital Healthcare vorstellen?

Helmut Ritschl: Im medizinischen Kontext verwenden wir im Gesundheitswesen immer mehr Informations- und Kommunikationstechnologie. Es geht um das Bereitstellen von Information, Verknüpfung von Daten und die Kommunikation zwischen (A) Ärztinnen und Ärzten sowie (B) Personen aus den Gesundheitsberufen mit Patientinnen und Patienten. Die bekanntesten Beispiele sind das Messen von Blutdruck und Blutzucker oder Schlafmonitoring – und das gestützt durch Smartphones und Tablets. Es ist möglich, diese Daten zu vernetzen, sodass (A) Ärztinnen und Ärzte sowie (B) Personen aus den Gesundheitsberufen rasch und effizient entsprechende therapeutische und diagnostische Maßnahmen setzen können.

Anna Michalski: Wo kann ich das als Patientin oder Patient wahrnehmen?

Helmut Ritschl: Prinzipiell sind alle PatientInnen und Patienten unterschiedlichen Alters betroffen. Im geriatrischen Bereich zum Beispiel im Ambient Assited Living, bei der Technik alte Patientinnen und Patienten im Alltag unterstützt. Zum Beispiel durch Sensoren und Detektoren, die in der Wohnung verteilt sind und Alarm auslösen, wenn man hinfällt, oder Detektoren, die dokumentieren, inwieweit der Patient oder die Patientin noch mobil ist.

Anna Michalski: Stichwort ältere Menschen und neue Technologien: Könnte sich hier eine Bedienungsscheu dazugesellen, die man in der Konzeption des Studiengangs mitdenken muss?

Helmut Ritschl: Die Barrieren in der Verwendung solcher Technik sind ein Forschungsthema. Es ist per se aber nicht so, dass ältere Personen andere Hemmschwellen haben als Jugendliche. Sie haben eine andere Kultur bzw. eine andere Lebensweise. Auf diese Bedürfnisse müssen wir uns einstellen. Dass ältere Menschen mit neuer Kommunikationstechnik nichts am Hut haben, ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil: Sie sind sehr neugierig und wissbegierig und freudig bei der Sache, weil ihnen die Technik im Alltag hilft.

Anna Michalski: In meiner Umgebung sehe ich immer öfter Pulszähler auf dem Handy oder Tablet. Werden uns die Geräte helfen, gesünder zu leben?

Helmut Ritschl: Nein, aber sie helfen uns, den Alltag und unser Bewusstsein für Gesundheit neu zu gestalten. Es geht auch nicht drum, dass man besser überwacht wird. Persönliche Daten werden nicht weitergegeben. Es geht vielmehr drum, wie man seinen Blutdruck senken, sein Gewicht reduzieren, seine Kondition steigern kann. Hier unterstützen neue Informations- und Kommunikationstechnologien, indem Daten verständlich aufbereitet werden und therapeutische Ziele dadurch leichter erreicht werden können.

Anna Michalski: Digital Healthcare ist ein Masterstudiengang, d.h. Interessierte müssen ein gewisses Knowhow mitbringen. Wer ist die Zielgruppe dieser Ausbildung?

Helmut Ritschl: Zum einen sind das Technikerinnen und Techniker mit ihrer Kenntnis im Programmieren, in der Anwendung von Sensorik bzw. Messtechnik; zum anderen Expertinnen und Experten sämtlicher Gesundheitsberufe, vor allem der Physiotherapie, Ergotherapie und der Gesundheits- und Krankenpflege. Das Interessante an diesem Masterstudium sind die Offenheit und der Austausch zwischen diesen Berufsgruppen. D.h. Studierende der Technik lernen zum Beispiel Problemstellungen aus dem Gesundheitswesen kennen, die beim Programmieren spannend umzusetzen sind. Das geht nur, wenn man interdisziplinär denkt und offen ist.

Anna Michalski: Es ist also von Vorteil für Physiotherapeutinnen und -therapeuten, wenn sie sich mit Medientechnik befassen, und für Technikerinnen und Techniker, wenn sie etwas über Anatomie lernen?

Helmut Ritschl: Ja. Dadurch können sie über den Tellerrand hinausschauen und zum Beispiel neue Anwendungen für Sensoren, Detektoren oder Bildanalysen entwickeln. Das Konzept im Studiengang ist, miteinander und voneinander zu lernen. Das läuft ab dem ersten Semester interdisziplinär in Kleingruppen und in Projekten.

Anna Michalski: Was sind typische Berufsbilder für Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs?

Helmut Ritschl: Zum Beispiel technische Beratung von Gesundheitseinrichtungen, die Entwicklung von neuen Applikationen, die Produkteinführung und die Schulung von Kundinnen und Kunden, die laufende Kundenbetreuung; im klinischen Alltag, in Medizintechnikfirmen, in Krankenanstalten, bei den Sozialversicherungen oder in der Forschung. Es wartet ein breites Spektrum an Berufsmöglichkeiten.

Anna Michalski: Der Studiengang ist berufsbegleitend. Zu Ihrer Expertise zählt E-Learning, also Lehrmethoden auf Basis von Medientechnik. Was heißt das für die Studierenden?

Helmut Ritschl: Ich habe selbst berufsbegleitend studiert und kenne das Lehren und Lernen mit Medien. Das Ziel ist Lernen und Lehren zu unterstützen: Die Studierenden, ihre Persönlichkeit und ihre Lernvorlieben stehen im Zentrum. Im didaktischen Konzept zum Studiengang überlegen wir uns, wie wir die Studierenden am besten abholen können. Dabei steht eher die Handlungskompetenz als das Abfragen von starrem Wissen im Vordergrund. Die Studierenden sollen sich wohlfühlen und Freude am Studieren haben.

Helmut Ritschl hat Radiologietechnologie, Medienpädagogik, Wissensmanagement und Gesundheits- und Pflegewissenschaften studiert. Er arbeitete als Radiologietechnologe am Krankenhaus Wr. Neustadt, unterrichtete an der radiologisch-technischen Akademie Wr. Neustadt und war zuletzt Lektor, Modulbetreuer und Projektleiter an der FH Wr. Neustadt im Bereich Nuklearmedizin und Strahlentherapie.

Infoabend

Am 10. April findet an der FH St. Pölten ein INFO.ABEND zum neuen Studiengang statt:

Digital Healthcare & Digitale Medientechnologien: INFO.ABEND

10.04.2014, 18.00 - 19.30 Uhr, FH St. Pölten, kleiner Festsaal
Matthias Corvinus-Straße 15, A-3100 St. Pölten

Radiosendung

Hier können Sie die Radiosendung Campus Talk nachhören:

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