Freundlichkeit als Schlüssel zum Erfolg

Helmut Kammerzelt, Prof. Lalit Johri, Anita Bruckschlögl, Josef Bruckschlögl und Christian Kieslinger bei der Buchpräsentation von „Kindness in Leadership“ (v.l.n.r).

Im Interview mit der FH St. Pölten beschreibt Prof. Lalit Johri die Bedeutung von Freundlichkeit in der Geschäftswelt

Professor Lalit Johri von der Oxford University präsentierte an der FH St. Pölten sein Buch “Kindness in Leadership”. Gemeinsam mit Gay Haskins und Michael Thomas geht er darin der Frage nach, welche Bedeutung freundliches Verhalten für den Erfolg eines Unternehmens hat.

FH St. Pölten: Kindness in Leadership, also Freundlichkeit in Führungspositionen, ist in der Geschäftswelt oder in Führungskräfteprogrammen selten die Rede. Woher kommt das?

Prof. Lalit Johri: Freundlichkeit ist, in erster Linie, ein menschlicher Wesenszug und macht einen Teil unseres Gewissens aus. Freundlichkeit ist Teil unseres täglichen Lebens. Durch die Art und Weise, wie sich die industrielle Revolution entwickelt hat, hat sich der Fokus jedoch von den Menschen auf den Profit verlagert. In diesem Übergang, weg vom Menschen und hin zum Profit, dürften einige grundlegende Elemente verloren gegangen sein, die ein gutes Führungsverhalten ausmachen.

FH St. Pölten: Für ihr Buch „Kindness in Leadership“ haben Sie umfangreiche Forschungsarbeiten durchgeführt. Was waren Ihre Erkenntnisse?

Prof. Lalit Johri: Wir haben 2017 begonnen an dem Buch zu arbeiten und haben uns dafür ca. 200 verschiedene Unternehmen angesehen. Nur bei zweien davon wurde das Wort „Freundlichkeit“ ausdrücklich erwähnt. Das hat uns fasziniert: Warum findet Freundlichkeit in Unternehmensvorlagen, Richtlinien, Wertvorstellungen und Mission Statements keinen Eingang? Als wir uns genauer damit befassten, stellten wir jedoch fest, dass Freundlichkeit, wenn auch nicht in den offiziellen Dokumenten erwähnt, durchaus von den Führungskräften praktiziert wurde.

FH St. Pölten: Was bedeutet Freundlichkeit auf Führungsebene?

Prof. Lalit Johri: Unsere Forschung konnte neun Erscheinungsformen von Freundlichkeit im Verhalten identifizieren, die von Respekt bis zu gutem Zuhören reichen. Wir haben auch bestimmte Hindernisse bei der Integration von Freundlichkeit auf Führungsebene festgestellt. Freundlichkeit wird bei einer Führungskraft zum Beispiel häufig als Schwäche anstatt als Stärke wahrgenommen. Aus diesem Grund ist es noch wichtiger, Freundlichkeit in Hinblick auf die Leistung des Unternehmens zu betrachten.

FH St. Pölten: Welchen primären Vorteil hat es Freundlichkeit auf Führungsebene zu leben?

Prof. Lalit Johri:  Wir haben herausgefunden, dass freundliche Handlungen einen Kreislauf anstoßen. Wenn man sich respektvoll verhält, was als freundlich gilt, entsteht beim Gegenüber Vertrauen. Vertrauen fördert Zusammenarbeit, und die Zusammenarbeit wiederum fördert offene, integrative Entscheidungsprozesse. Diese Art der Entscheidungsfindung beruht auf einer Vielzahl von Beteiligten, die einander vertrauen. Das führt zu einer besseren Leistung der Organisationen.

FH St. Pölten: Welchen Ratschlag können Sie angehenden Führungskräften mit auf den Weg geben?

Prof. Lalit Johri: Die Menschen sind das Zentrum des Erfolgs eines Unternehmens. Konzentriert man sich auf die Menschen und schafft eine Kultur der Freundlichkeit, die zu Vertrauen führt, wird man Erfolg haben. Geld ist nicht der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens, Technologie ist nicht der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmens: Nein, es sind die Menschen.

About

Professor Lalit Johri ist Senior Fellow an der Saïd Business School im Bereich International Business und Direktor des Oxford Advanced Management and Leadership Programms. Zu seinen Fachgebieten gehören Strategie und Führung in internationalen Unternehmen, Allianzen im Bereich öffentlich-privater Partnerschaften sowie politische und institutionelle Reformen in Schwellenländern.

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