Gerüstet für die digitalisierte Arbeitswelt?

v.l.n.r.: Gerhard Brandhofer (Pädagogische Hochschule Niederösterreich), Johann Haag (Mitglied des Hochschulmanagements und Leiter des Departments Informatik und Security, FH St. Pölten), Sonja Lengauer (Industriellenvereinigung), Julia Bock-Schappelwein (Arbeitsmarktexpertin beim Wifo), Hannes Raffaseder (Prokurist und Leiter Forschung und Wissenstransfer, FH St. Pölten), Moderator Michael Köttritsch (Die Presse)

Expertinnen und Experten diskutierten im Rahmen der Veranstaltungsreihe wissen.vorsprung über Digitalisierung in der Bildung

„Bildung 4.0 – gerüstet für die digitalisierte Arbeitswelt?“: Unter diesem Titel organisierte die Fachhochschule St. Pölten vergangene Woche eine namhaft besetzte Podiumsdiskussion im Impact Hub Vienna. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Hannes Raffaseder, Leiter Forschung und Wissenstransfer der FH St. Pölten, der auf die hohe Dynamik der Digitalisierung hinwies: Die heutigen Anforderungen ließen sich im Dialog mit der Wirtschaft zwar erheben, in der Bildung müsse man aber Jahre vorausdenken – in der digitalen Welt eine lange Zeit. Zudem betonte er, dass Digitalisierung weit mehr als Technik sei, sondern auch Lifestyle und Organisation der Arbeitswelt umfasse.

Basiskompetenzen unerlässlich

In der anschließenden Diskussion definierten die TeilnehmerInnen die Basiskompetenzen Lesen und Kommunikation als notwendige Grundlagen – laut Wifo-Arbeitsmarktexpertin Julia Bock-Schappelwein die Voraussetzung, um digitale Kompetenzen erwerben zu können. Sonja Lengauer, stellvertretende Bereichsleiterin Bildung und Gesellschaft bei der Industriellenvereinigung, betonte, dass digitale Inhalte die Aneignung dieser Basiskompetenzen unterstützen könnten.

Den Begriff des „Coding“ warfen sowohl Gerhard Brandhofer von der Pädagogischen Hochschule NÖ als auch Johann Haag, Leiter des Departments Informatik und Security an der FH St. Pölten, ein. Beim „Coding“ gehe es für die Experten aber nicht nur um konkrete Programmiersprachen, sondern vielmehr um das dadurch vermittelte strukturierte logische Denken – denn Fachkompetenz beinhalte mehr als reines Fachwissen: Entscheidend sei, das Wissen in neuen Situationen anwenden und Probleme lösen zu können. Wichtig dafür seien laut Haag auch entsprechende Räume, wie etwa außerhalb der Öffnungszeiten zugängliche Labore wie an der FH St. Pölten.

Digital Naives?

Junge Menschen werden heute mit neuen Technologien und Sozialen Medien groß. Aber sind SchülerInnen und Studierende als Digital Natives ihren Lehrenden überlegen oder müssen sie eher als „Digital Naives“ bezeichnet werden? Dazu bemerkte Brandhofer, dass zwar viel oberflächliches Wissen vorhanden sei, das Hintergrundwissen aber oftmals fehle – sowohl bezüglich der Technik, noch was Zusammenhänge, etwa die Konsequenzen eines Facebook-Postings, angehe.

Einigkeit herrschte darüber, dass beim Thema Digitalisierung das Lernen nicht mit Abschluss der Schule oder Hochschule beendet ist. Lengauer verwies bezüglich Weiterbildung auf eine MitarbeiterInnenbefragung der IV, wonach nicht so sehr spezifische Studiengänge gefragt sind, sondern die Bereitschaft, benötigte Kenntnisse als Add-on nachzulernen. Für Bock-Schappelwein vom Wifo ist hier wichtig, alle Teile der Belegschaft, insbesondere auch ältere ArbeitnehmerInnen, zu integrieren.

 

Jetzt teilen: