Gesundheitsförderung nach/vor utopischer Phase

Teilnehmer*innen des Jahresmeetings des D/A/CH-Netzwerks für Gesundheitsförderung in Krems

Christoph Redelsteiner beim D/A/CH-Netzwerk für Gesundheitsförderung

Expert*innen und Studierende der Gesundheitsförderung trafen sich beim Jahresmeeting des D/A/CH-Netzwerks für Gesundheitsförderung in Krems. Das Netzwerk verbindet Fachkräfte aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol und dem Fürstentum Liechtenstein. Die transnationale Perspektive soll Wissenschaft, Praxis und Politik der Gesundheitsförderung unterstützen.

Das Jahresmeeting 2020 wurde im Jänner verbunden mit einer Lehrveranstaltung an der IMC FH Krems abgehalten. Gastgeber Priv. Doz. Mag. Dr. Wolfgang Dür hatte neben seinen 30 Studierenden des Studiengangs "Angewandte Gesundheitswissenschaften" Expert*innen aus unterschiedlichen Professionen der Gesundheitsförderung eingeladen. Prof. Dr. Eberhard Goepel (Hochschule Magdeburg, Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien) und Prof. Felix Wettstein (Hochschule für Soziale Arbeit der Nordwestschweiz, Nationalrat im Schweizer Parlament) gaben einen Rückblick über die Aktivtäten des Netzwerkes und eine Einschätzung über den Stand der Gesundheitsförderungsaktivitäten und skizzierten Grundlagen einer strategischen Ausrichtung.

Ottawa Charta: Gesundheit für alle

Grundlage ist die Ottawa Charta von 1986 die Gesundheitsförderung als gesellschaftliche Utopie und als politische Handlungsstrategie etabliert und auch im Rahmen des WHO-Programms "Gesundheit für alle 2000" abgebildet ist. Ziel ist eine soziale Bewegung, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Menschen bei allen politischen und alltäglichen Entscheidungen höchste Priorität einräumt.

Expert*innen und Studierende diskutierten in Workshops den Status und Erfordernisse zu den Bereichen Theorie, Strategie, Forschung, Lehre, Praxis, Ethik und Politik der Gesundheitsförderung.

"Gesundheitsförderung ist auch Haltung"

Christoph Redelsteiner, Leiter des Master Studiengangs Soziale Arbeit, betonte in seinem Beitrag über "Bedingungen und Möglichkeiten der praktischen Umsetzung von Gesundheitsförderung", dass Gesundheitsförderung neben einer Methode auch eine Haltung sei. Neben Konzeptionen zur Änderung des Verhaltens von Mitarbeiter*innen braucht es auch Bereitschaft von Führungskräften, Verhältnisse, Arbeitsbedingungen zu verändern und gesunder zu gestalten.

Redelsteiner: Sozial- und Gesundheitseinrichungen besonders gefordert

"Das gilt insbesondere auch für Sozial- und Gesundheitseinrichtungen, deren hohe externe Reputation und humanitäre, auch religiöse Grundsätze und Leitbilder und hohe ethische Standards auch nach innen für die Mitarbeiter*innen gelten müssen", so Redelsteiner. "Starre Hierarchien, Unklarheiten und Konflikte zwischen den Berufsgruppen, lange Entscheidungswege, Überbürokratisierungen, Schichtdienst in Wechselwirkung mit Personalmangel bedürfen gezielter Interventionen." Neue Formen der professionellen Kooperation, stärkere Autonomie in manchen Arbeitsbereichen und gemeinsame Aus- und Weiterbildungen. Teamarbeit wäre ebenso wichtig wie das Eingestehen, dass Sozial- und Gesundheitseinrichtungen keine fehlerfreien Institutionen mit maschinellen Logiken sein können. Stattdessen handelt es sich dabei um Organisationen, die oft riskante und meist komplexe Aufgaben mit Klient*innen und Patient*innen durchführen.

Auch andere Maßnahmen reduzieren Risiken und helfen den Mitarbeiter*innen, die mit Menschen arbeiten, ihren eigenen Arbeitsplatz menschlich erscheinen zu lassen. Dazu gehören Ausbildung, Fortbildung, Supervision, eine menschliche Arbeitsumgebung, Unterstützung durch betriebliche Sozialarbeit, Teamtrainings und eine Auslastung, die nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist.

Science Slams regten zum Nachdenken an

Höhepunkt der Veranstaltung waren die durchwegs gelungene Science Slams der Studierenden, die die Workshops durch szenische Darstellungen kurz, humorvoll und zum Nachdenken anregend zusammenfassten.

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