Guardians of the earth

v.l.n.r.: Elfriede-Anna More, Wolfgang Gruber, Monika Vyslouzil, Silvia Udwary, Lorenz Probst, Rosa von Suess

Dritter Filmabend der "Sustainable Development"-Lounge

„Guardians of the earth“ von Filip Antoni Malinowski ist der dritte Film, der im Rahmen der „Sustainable Development“-Filmlounge des Kollegiums der FH St. Pölten in Kooperation mit dem Cinema Paradiso gezeigt und in Bezug zu den Sustainable Development Goals (SDGs) gesetzt wurde. Die Herstellung dieser Verbindung ist offenkundig, denn die Dokumentation zeigt wie bei einer großangelegten UNO-Klimakonferenz agiert wird, nämlich explizit jener, wo das Pariser Klimaschutzabkommen von 196 Mitgliedsstaaten im Dezember 2015 beschlossen wurde, wenige Monate nachdem die SDGs beschlossen wurden.

Die Dokumentation bietet somit ein positives Ende zu Bemühungen um den Klimaschutz. Der Regisseur nimmt die Zuschauer*innen auf eine Reise mit, bei der die Medienberichterstattung der Konferenz ausschließlich über seine Kamera erfolgt. Malinowski, der seit 1989 in Wien lebt und in Wien studiert hat, führt die Zuschauer*innen durch die langen Gänge, durch die Sicherheitszonen, die zahlreichen Verhandlungen, wodurch sich erahnen lässt, wie so eine Konferenz abläuft. 

Geburtsstunde der SDGs, jährliche Klimakonferenzen und Pariser Klimaabkommen

Elfriede-Ana More, Leiterin der Abteilung für Internationale Umweltangelegenheiten im BMNT sowie eine der Chefverhandlerinnen bei den jährlichen UNO-Klimakonferenzen, hat den Film nun zum zweiten Mal gesehen. Sie findet immer noch bewegend, wie dargestellt wird, dass es gelungen ist, das Abkommen zu unterzeichnen.

Die Konferenz Rio+20 war gedacht als Jubiläumsveranstaltung zur Klimakonferenz von Rio 1992, aber Rio+20 war im Endeffekt die Geburtsstunde der SDGs. Bei Rio+20 gelang es noch nicht die SDGs zu verabschieden, aber es war klar, dass sie kommen werden.

Eines davon, nämlich SDG 13 (Klimaschutz) ist Thema von Malinowskis Dokumentation. Dieser suchte den Kontakt zum Bundesministerium und landete so bei Frau More. Sein Vorhaben war, einen Film zum Thema Klima und Klimaschutz zu drehen, mit dem Wissen, dass es jährlich eine Konferenz gibt und damit jährlich ein mediales Echo, welches jährlich auch wieder verebbt. Ihm ging es darum, in seinem Film darzustellen, was auf so einer Konferenz getan wird und warum es wie und nicht schneller getan wird. Sein Anspruch war eine gute, künstlerisch anspruchsvolle Dokumentation zu drehen.

Simulierte UN-Konferenzen in Lehrveranstaltungen

Lorenz Probst (BOKU) bietet gemeinsam mit Wolfgang Gruber (Universität Wien) seit einigen Jahren die Lehrveranstaltung „Negotiating change: simulating an international conference for sustainable development (Vorlesung und Seminar)“ an, in welcher Konferenzen simuliert werden, die nachhaltige Entwicklung thematisieren.

Es ist eine Lehrveranstaltung, die ebenso kompliziert wie frustrierend ist, aber einen Aha-Effekt liefert. Denn die Lehrveranstaltung ist stark mit Emotionen besetzt, sei es Erleichterung, Stolz und sonstige persönliche Befindlichkeiten, die sich einstellen, wenn Studierende in eine Rolle schlüpfen und ein Land, eine NGO oder sonstige Stakeholder repräsentieren.

Die Lehrveranstaltung verfolgt mehrere Ziele, wovon Probst die Verhandlung an sich als ein Vehikel sieht. Gewollt wird, dass die Studierenden sich eingehend mit einem Problem wie Umweltmigration oder Klimawandel auseinandersetzen, nämlich wie der Status quo ist und wie die Studierenden in ihrer Rolle den Status gerne in der Zukunft hätten. Der beste Lerneffekt wird erzielt, wenn eine Sicht vertreten wird, die nicht die eigene Sichtweise darstellt. Es fällt den Studierenden erstaunlich leicht in diese Rollen zu kippen, da muss man manchmal bremsen und nach der Konferenz gelegentlich helfen, aus der Rolle zu finden. 

Geschichtswissen und Prozesse der Anpassung

Wolfgang Gruber unterstreicht, dass es hilfreich und nützlich ist generell, aber im Speziellen in diesem Kontext, über die geschichtlichen Verläufe Bescheid zu wissen, da in Konferenzen wie diesen die historische Verantwortung sehr wohl ein Teil davon ist. In diesem Zusammenhang verweist er darauf, dass personelle Veränderungen an der Führungsspitze wie beispielsweise jene in den USA zeigen, wie rasch Prozesse der Anpassung stattfinden.

Rolle der Medien bei Klimakonferenzen und beim Pariser Klimaschutzabkommen

Frau More als regelmäßige Teilnehmerin und Verantwortliche bei solchen Konferenzen gibt einen detaillierteren Einblick zu den inneren Abläufen und Strukturen: Bei Klimakonferenzen gibt es immer ein österreichisches Verhandlungsteam. Der Delegationsleiter auf Expert*innenebene ist Helmut Hojesky. Das Kernteam umfasst 10 bis 15 Personen, die sich die einzelnen Themen aufteilen. Frau More vertritt die österreichischen Interessen und übernimmt die Vorkoordinierung im Rahmen der Europäischen Union.

Für Expert*innen ist die Rolle der Medien durchaus schwierig, einerseits ist es wichtig, dass berichtet wird, andererseits nicht nur zwei Wochen lang pro Jahr oder wenn sich Katastrophen ereignen.

Zwar berichten Fachjournalist*innen darüber hinaus, aber der jährliche mediale Fokus ist zum Zeitpunkt der Konferenz. Hier wird mittels „Expectation Management“ versucht, Erwartungen zu managen. Da im Journalismus „only bad news are good news“ gilt, wird versucht eine (negative) Geschichte zu erzählen. Dem versucht man entgegenzusteuern, indem die Ziele deutlich kommuniziert werden. 

Betroffenheit – Wie geht die Wissenschaft damit um?

Es gibt einen Konsens darüber, dass der Klimawandel Fakt ist, das wurde im kürzlich veröffentlichten IPCC wieder verdeutlicht. Emotionen sind wichtig, denn diese gehen nahe und motivieren zum Handeln. Solange keine persönliche Betroffenheit entsteht, bleibt das (Umwelt-)Handeln aus. Eine Trennung von Emotionen gibt es wohl nicht und diese befeuern letztendlich was die Verhandler*innen befeuert.

Sustainable Development Goal 13: Klimaschutz – Was ist die Antwort zur Umsetzung?

Global

Selbst wenn mehr und rascher etwas geschehen solle, so ist die globale Antwort auf SDG 13, das Pariser Klimaübereinkommen mit allen Umsetzungsmaßnahmen, an denen auf globaler, nationaler und EU-Ebene seither gearbeitet wird. Frau More empfiehlt in diesem Zusammenhang, die 30-seitige Zusammenfassung des IPPC-Reports (Erscheinungsdatum 08.10.2018).

Österreich

Die österreichische Bundesregierung hat vor dem Sommer die Mission 2030 beschlossen. Dabei handelt es sich um die Klimaschutzstrategie Österreichs. Der Aktionsplan dazu wird derzeit erstellt. Bei der SDG-Umsetzung zählt Österreich zwar nicht als Front-Runner und, auf andere Länder blickend, könnte jedenfalls mehr getan werden, wie das Treffen der europäischen Nachhaltigkeitskoordinatoren Anfang Oktober in Wien gezeigt hat. Die Nachhaltigkeitsziele in einzelne Maßnahmen umzusetzen, ist schwierig. Hier stehen die Regierung und Verwaltung in der Pflicht, aber es trifft auch den Einzelnen/die Einzelne im eigenen Verhalten.

An den Arbeitsmaßnahmen wird derzeit gearbeitet. Das war einer der Kompromisse, die Maßnahmen noch nicht in die Strategie zu schreiben. The Beauty of the Targets ist, dass es globale Ziele sind, die aber national gelten. Das war ein klarer Konsens. Das heißt, die Ziele sind global, müssen aber auch zu Hause umgesetzt werden, sie gelten für jede*n. 

Beim Pariser Klimaschutzabkommen handelt es sich um einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag, der von allen Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde. Die SDGs haben weltweit eine Dynamik ausgelöst, sodass sie gelten. Sie sind politisch mittlerweile so verankert, dass sie zwar rechtlich nicht verbindlich sind, aber politisch. Die Frage, nicht teilzunehmen und nicht zu ratifizieren, kam bei der Klimakonferenz in Paris gar nicht erst auf.

Sustainable Development – Das eigene Land als Entwicklungsland

Probst ergänzt, dass mit den SDGs der Blick auf das eigene Land als Entwicklungsland ermöglicht wird. Um etwas zu ändern, ist jedes Land in der Pflicht sich zu entwickeln und das bezieht sich nicht nur auf ein Wirtschaftswachstum.

Podiumsdiskussionsteilnehmer*innen

Mag. Elfriede-Anna More

Elfriede-Anna More ist Leiterin der Abteilung für Internationale Umweltangelegenheiten im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT). Sie ist seit Jahren in den internationalen Nachhaltigkeitsdiskurs involviert und nahm auch für Österreich an mehrerer UN Konferenzen zu nachhaltiger Entwicklung teil, u. a. Rio+20.

Neben den internationalen Organisationen und Abkommen im Umweltbereich befasst sich die Abteilung von Elfriede-Anna More auch mit bilateralen Beziehungen zu Ländern außerhalb Europas und arbeitet eng mit der ADA und dem BMEIA zu entwicklungs- und umweltpolitischen Fragen zusammen.

Mag. Dr. Lorenz Probst

Lorenz Probst ist stellvertretender Leiter des Centre for Development Research an der BOKU. Seine Leidenschaft ist das Gestalten, Begleiten und Analysieren von Lernprozessen im Bereich nachhaltiger Entwicklung. Diese Leidenschaft bringt Lorenz Probst in Forschungs-, Lehr- und Kooperationsprojekten in Afrika, Südostasien, Lateinamerika und Europa ein. Wissenschaftlich setzt er sich momentan mit transformativem Lernen und kommunikativem Handeln in Nachhaltigkeitstransitionen auseinander.

Mag. Wolfgang Gruber

Wolfgang Gruber ist Historiker, der Umweltgeschichte im Rahmen von Internationaler Entwicklung und Global Studies an der Universität Wien und BOKU lehrt. An der FH St. Pölten ist er in der Abteilung SKILL Fachverantwortlicher für Game Based Learning. Seit seinem Umzug 2013 in das Waldviertel ist Wolfang Gruber experimentell in der Landwirtschaft tätig, mit der Eigenbezeichnung „Freibauer“.

Freiberuflich ist er außerdem als Didaktiktrainer an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und Österreich tätig (LMU München, Uni Wien, Uni Innsbruck, Uni Graz, mdw, Uni Wien, FH Technikum, FH Campus Wien, FH Tirol, etc.). 

Nächste Termine

Öffentliche, interdisziplinäre Ringvorlesung WS 2018/19 Termine siehe: "Nachhaltige Entwicklung und die Sustainable Development Goals"

Weiterführende Links

Nachhaltige Entwicklung – Bundeskanzleramt - Agenda 2030/SDGs

2.png3.png4.png

1.png

Logo Cinema Paradiso 

Bildungslandkarte

Jetzt teilen: