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Interviews von der DMEXCO: Nicola Dietrich

Studierende der Media- und Kommunikationsberatung führten auf der DMEXCO 2018 Interviews mit ExpertInnen aus der Digitalbranche

Im Rahmen der diesjährigen Auslandsexkursion besuchten Studierende im 3. Semester des Bachelorstudiums Media- und Kommunikationsberatung die DMEXCO in Köln und haben vor Ort spannende Persönlichkeiten der Digitalbranche interviewt.

Dies ist eine Kooperation von Barbara Klinser-Kammerzelt (FH-Lektorin Digital Marketing) und Harald Rametsteiner (Lehrgangsleiter Digital Marketing).

Die Studentinnen Barbara Hackl und Jennifer Heckenast haben Nicola Dietrich, Head of Content Strategy bei styria digital one, interviewt.

„Kommunikation muss auch auf inhaltlicher Ebene individueller werden.“

Nicola Dietrich ist Head of Content Strategy bei styria digital one, einer der führenden digitalen Vermarktungsgemeinschaften Österreichs. Im Interview mit Jennifer Heckenast und Barbara Hackl spricht sie über den Stellenwert strategischer Beratung, über den derzeit herrschenden Arbeitskräftemangel in der Werbebranche und über mögliche Entwicklungen im Digitalen Marketing in den nächsten Jahren.

Die Rolle der KundInnenberatung

Jennifer Heckenast/Barbara Hackl: Frau Dietrich, styria digital one setzt seit 2015 verstärkt auf die Bereiche Content-Marketing und Distribution. Welchen Stellenwert hat in diesem Zusammenhang die KundInnenberatung und wie hat sich diese verändert?

Nicola Dietrich: In der Vergangenheit haben Werbekunden mit uns vor allem Display Advertising auf bekannten Medienmarken verbunden. Wir haben mittels Targeting, der Anwendung von Daten oder einer Ausweitung auf weitere Medien höhere Reichweiten und somit effektivere Kampagnen realisiert. In der Beratung galt es also meistens, die richtigen Werbeformate und Frequenzen für Werbekunden zu ermitteln.

Seit der Fokus innerhalb der Branche mehr auf Content liegt, geht es um strategischere Betrachtungen, denn wir betrachten hier den gesamten Sales Funnel und setzen nicht nur unsere Medien sondern auch andere digitale Kanäle, genauso wie Content selbst, entsprechend der Herausforderungen des Werbekunden ein. Einzelne Medienmarken spielen dabei eine zentralere Rolle als noch vor kurzem, denn das Trägermedium einer Contentkampagne ist essentiell für deren Erfolg. So setzen beispielsweise Branchen, die mit Kultur und Wirtschaft zu tun haben, ganz bewusst wieder auf die Contentkooperationen mit dem Portal „Die Presse“.

Am stärksten gebuchtes Werbeformat

Jennifer Heckenast/Barbara Hackl: Auf den Portalen der styria digital one springt dem User/der Userin besonders oft das Werbeformat „Sitebar“ ins Auge. Wird dieses Werbemittel tatsächlich am stärksten gebucht? Wenn ja, welche Vorteile bietet dieses Format den WerberInnen?

Nicola Dietrich: In Österreich ist die Sitebar tatsächlich ein stark gebuchtes Werbeformat und bei sd one, wenn man sich das Verhältnis Buchungsaufkommen zum Gesamtumsatz ansieht, auf jeden Fall am stärksten gebucht. Bei Display Advertising macht die Sitebar und ihr mobiles Pendant Halfpage Ad bis zu 50 Prozent unseres Umsatzes aus.

Es ist ein großes Werbemittel, in dem man viele Botschaften und Inhalte unterbringen kann, ohne dass man mehrere Plätze verbraucht. Ein weiterer Vorteil der Sitebar ist, dass sie eine hohe Visibility hat. Wenn man sie „sticky“ macht, umso mehr.  Der Lesefluss der UserInnen wird nicht gestört, da sie außerhalb des Contents liegt. Allerdings haben User schon gelernt, dass rechts neben dem Content eben Werbung ist, deshalb raten wir hier auch verstärkt die mobile Form als Understitial einzusetzen.

Auf jeden Fall ist es ein ideales Werbemittel für Branding von Produkten, die noch niemand kennt und besonders beliebt bei Werbern.

Enormer Arbeitskräftemangel in der Werbe- und Kreativbranche

Jennifer Heckenast/Barbara HacklDer aktuelle WIFO Werbeklimaindex spricht von einem enormen Arbeitskräftemangel in der Werbe- und Kreativbranche. Welche Ursachen liegen diesem Phänomen Ihrer Einschätzung nach zugrunde und welche Möglichkeiten sehen Sie als IAB-Trainerin, um da gegenzusteuern?

Nicola Dietrich: Das Problem ist, dass die Aufgabenfelder in der Werbebranche bzw. in der Digitalen Kommunikation immer breiter werden und man immer Menschen mit Expertenwissen braucht. Generalisten kann man nicht immer einsetzen, man braucht in jedem Bereich jemanden mit Fachwissen, z. B. Know-how zu Storytelling oder Marketing Automation. Diese Fachkräfte bekommen wir derzeit nicht nach.

Der IAB hat die Vision durch seine Fortbildungsangebote bei den Leuten, die bereits in der Werbebranche arbeiten und vom Offline- in den Onlinebereich wechseln möchten, fundiertes Wissen aufzubauen, damit sich die Branche gut weiterentwickeln kann. In diesen Schulungen ist es nicht nur wichtig zu vermitteln, was Page- oder Ad Impressions sind, sondern dass Digitales Marketing zwar eine schnelle, aber auch eine spannende und unterhaltsame Branche ist.

Die Zukunft des Digital Marketing

Jennifer Heckenast/Barbara HacklWelche Entwicklungen im Digitalen Marketing kommen in den nächsten fünf Jahren Ihrer Meinung nach auf uns zu?

Nicola Dietrich: Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, weil es hier viele verschiedene Betrachtungsweisen gibt. International gesehen wird sich auf technologischer Ebene sicherlich noch einiges weiterentwickeln, beispielsweise Automatisierung, Künstliche Intelligenz, Virtual Reality usw. Diese technischen Erneuerungen werden kommen, müssen sich erst mal etablieren und dann muss man prüfen, ob und wie man sie am besten einsetzt. Man darf jedoch nicht vergessen, dass jede Technologie auch immer eine/n Bediener/in braucht, deshalb tun sich kleine Märkte wie Österreich immer schwerer, sie rasch anzunehmen und anzuwenden.

Weitere interessante Entwicklungen werden die Themen Personalisierung und Individualisierung mit sich bringen. Es geht nicht mehr nur um direkte Kommunikation mit dem Konsumenten/der Konsumentin, sondern sie muss auch inhaltlich individueller sein. Zielgruppendenken funktioniert nicht mehr überall.

Wenn große internationale Marken, die bislang nur mit länderübergreifenden Kampagneninhalte geworben haben, nicht damit beginnen, sich mit lokalen Gegebenheiten auseinanderzusetzen, um granulare Botschaften für jede/n einzelne/n zu machen, können sie möglicherweise an Relevanz verlieren.

Es wird auf jeden Fall eine spannende und aufregende Reise, vor allem wenn man veränderungsbereit und zukunftsorientiert ist.

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