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Internationales Großprojekt Breitspurbahn

ÖBB-Infrastruktur AG Vorstandsdirektor Franz Bauer berichtet bei Kaminabend des Master Europäische Bahnsysteme über das Projekt zur Neuen Seidenstraße

Internationales Großprojekt Breitspurbahn
ÖBB Infrastruktur AG Vorstandsdirektor Bauer beim kaminabend Europäische Bahnsysteme
Copyright: FH St. Pölten / Otfried Knoll

Im Rahmen des trinationalen Master Lehrganges Europäische Bahnsysteme ist der Höhepunkt jeder Präsenzwoche der Kaminabend. Zu diesem bei den Studierenden sehr beliebten Format lädt Departmentleiter Otfried Knoll Persönlichkeiten mit großer Projekt- und/oder Lebenserfahrung ein. Die informelle Atmosphäre und das Diskutieren auf Augenhöhe mit Menschen, zu denen man sonst nicht so einfach Zugang bekäme, führen stets zu angeregten Diskussionen.

Ein gemeinsames Abendessen bei (elektronischem) Kaminfeuer bietet im Anschluss weitere Vertiefungsmöglichkeiten beim Netzwerken. Am 5. November 2019 war Franz Bauer, Vorstandsdirektor der ÖBB Infrastruktur AG, zu Gast beim Kaminabend an der FH St. Pölten. Mit seiner Erfahrung als Projektleiter des Semmering-Basistunnels und der Schnellfahrstrecke St. Pölten – Wien sowie als Eigentümervertreter im Projekt Breitspurbahn war für einen spannenden Themenbogen gesorgt.

Neue Seidenstraße

Die Breitspurbahn ist ein Teil des Projektes Neue Seidenstraße, das die Wirtschaftsräume China und Europa via Russland, Ukraine und Slowakei näher zusammenführen soll. Gegenüber dem Schiffstransport mit 35 Tagen Fahrzeit sind die Züge zur Zeit nur 15 Tage unterwegs. Das chinesische und das europäische Eisenbahnnetz ist normalspurig mit 1.435 mm Spurweite, Russland und die Ukraine haben allerdings 1.520 Millimeter Spurweite.

Derzeit führt die Breitspur bis Košice in der Slowakei. Von dort aus soll eine rund 400 Kilometer lange, eingleisige Güterbahnstrecke durch die Slowakei bis in den Raum Bruck an der Leitha/Flughafen Wien mit einem Kostenvolumen von rund 8,5 Mrd. Euro gebaut werden.

Hierzu gibt es seit 2008 eine von den vier Ländern Russland, Ukraine, Slowakei und Österreich getragene  Planungsgesellschaft, in der die ÖBB vertreten sind. Da Wien als Schnittpunkt mehrerer transeuropäischer Korridore besonders aus Russland als logischer Endpunkt der Breitspur gesehen wird, soll im Raum Wien ein Güterterminal mit angeschlossenen Logistikeinrichtungen entstehen.

Seitens der EU wird dieses Projekt jedoch wegen nicht gegebener Interoperabilität nicht gefördert werden, weshalb derzeit die Frage ist, ob bzw. wie die Slowakei für den Hauptanteil dieser Neubaustrecke die Finanzierung schaffen kann.

Der österreichische Streckenanteil ist mit rund 30 Kilometer vergleichsweise gering, das aufzustellende Finanzierungsvolumen bestimmt sich allerdings hauptsächlich durch den Terminalstandort und Folgeausbauten im österreichischen Netz. Alternativstandorte für das Terminal in Košice und den Endpunkt der Breitspurbahn in Bratislava stehen laut VD Bauer derzeit nicht zur Diskussion.

Breitspurbahn beste Lösung?

Die immer wieder und auch von den Studierenden gestellte Frage, ob eine Flotte aus umspurbaren Güterwagen mit verstellbaren Radsätzen nicht zweckmäßiger als der Neubau einer reinen Güterbahnstrecke wäre, beantwortete Vorstandsdirektor Bauer damit, dass die freizügige Verwendbarkeit der Güterwagen auch im Vor- und Nachlauf gegeben sein müsse, weshalb eine definierte Flottengröße nicht möglich sei.

Die zahlreichen Fragen der Studierenden drehten sich in weiterer Folge um die Themen Zugsicherungssystem, Fahrplanstabilität auf der eingeleisigen Strecke, Stromsystem und welche Eisenbahn-Verkehrsunternehmen Interesse haben würden, als Carrier zu fungieren.

Das von der Mensa zubereitete Buffet fand im Anschluss regen Anklang und die engagierte Diskussion setzte sich mit Departmentleiter Otfried Knoll bis in die späten Abendstunden fort.

Master Europäische Bahnsysteme

Im trinationalen Master Lehrgang Europäische Bahnsysteme studieren Damen und Herren aus den D-A-CH-Staaten in einem besonders berufsfreundlichen Programm. Dabei findet die Präsenzlehre an den Hochschulstandorten St. Pölten, Erfurt und Winterthur jeweils einmal pro Semester für eine ganze Woche statt. Zwischen den Präsenzen finden Fernlehre und Projektarbeit statt.

Im vierten Semester organisieren die Studierenden eigenständig eine einwöchige Exkursion zu Bahn- und Industrieunternehmen in ein oder mehrere nicht-deutschsprachige Länder. Zum viersemestrigen Masterprogramm sind Studierende mit einem artverwandten Bachelorstudium und mindestens zweijähriger qualifizierter Berufserfahrung zugelassen.  Gegenwärtig ist der vierte Jahrgang dieses internationalen Weiterbildungsprogrammes an der FH St. Pölten zu Gast.

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FH-Prof. Dipl.-Ing. Knoll Otfried, EURAIL-Ing.

FH-Prof. Dipl.-Ing. Otfried Knoll, EURAIL-Ing.

Departmentleiter Studiengangsleiter Bahntechnologie und Management von Bahnsystemen (MA) Studiengangsleiter Bahntechnologie und Mobilität (BA) Lehrgangsleiter PT Domain Excellence Programm Standortkoordinator Lehrgang Europäische Bahnsysteme (MA) Department Bahntechnologie und Mobilität