Lange Nacht der Forschung mit Prof. Dr. Leitzmann und Prof. Dr. Watzl an der FH St. Pölten

Vorträge von Prof. Dr. Leitzmann und Prof. Dr. Watzl

Am Freitag, 4. April 2014 fand österreichweit die Lange Nacht der Forschung statt. Anlässlich dieses Events durfte der Studiengang Diätologie der Fachhochschule St. Pölten zwei international renommierte Ernährungsexperten im Haus begrüßen.

Prof. Dr. Claus Leitzmann, ehemaliger Direktor des Instituts für Ernährungswissenschaft der Universität Gießen und Prof. Dr. Bernhard Watzl, kommissarischer Leiter des Instituts Physiologie und Biochemie der Ernährung des Max Rubner-Instituts in Karlsruhe konnten als Vortragende gewonnen werden. Ihre Vorträge „Vollwert-Ernährung, eine zeitgemäße und nachhaltige Kostform“ (Leitzmann) und „Gemüse und Obst in der Prävention chronischer Krankheiten“ (Watzl) konnten nicht nur von Fachpersonen gehört werden, sondern waren auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Ganzheitliches Konzept: Vollwert-Ernährung

Leitzmann erklärte in seinem Vortrag, dass Vollwert-Ernährung mehr abdecken soll als nur die gesundheitlichen Aspekte. Die zusätzliche Umwelt-, Wirtschafts- und Sozialverträglichkeit machen diese Ernährungsform zu einem ganzheitlichen Konzept.

Dabei sollen frische, überwiegend pflanzliche, möglichst gering verarbeitete Lebensmittel die Basis bilden. Vor allem Gemüse, Obst, Nüsse, Kräuter, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Saaten und Samen sollen konsumiert werden. Wenn Fleischverzehr gewünscht wird, sollte auf Biofleisch zurückgegriffen werden. Hierbei empfiehlt Leitzmann den klassischen „Sonntagsbraten“, in etwa 100 g hochwertiges Fleisch einmal pro Woche. Um die Zufuhr von Omega-3 Fettsäuren nicht vorwiegend durch Fischkonsum decken zu müssen, wurden als Alternative pflanzliche Öle, wie das Raps- und Leinöl empfohlen. Dem Verzehr von Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft sowie regionalen und saisonalen Erzeugnissen soll der Vorzug gegeben werden. Die Vollwert-Ernährung ist dadurch identisch mit einer nachhaltigen Ernährung.

Zum Abschluss wurde durch Leitzmann noch aufgezeigt, dass es derweilen noch große Unterschiede zwischen der Ernährungsweise von Frauen und derer von Männern gibt. In einer Befragung „Was haben Frauen/Männer am liebsten auf dem Teller“ des Ernährungspsychologen Prof. Jörg Diehl aus Gießen konnte gezeigt werden, dass Frauen angeben, die pflanzlichen und gesünderen Lebensmittelvarianten und Gerichte zu bevorzugen, während Männer Lebensmittel und Gerichte zu präferieren angaben, die fleischlastig und ballaststoffarm sind.

Obst und Gemüse senkt Krankheitsrisiko

Prof. Dr. Bernhard Watzl konkretisierte die Empfehlung, die Bestandteil in der Vollwert-Ernährung ist, aber auch von anderen nationalen und internationalen Institutionen, wie etwa der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehr stark hervorgehoben wird: Obst und Gemüse soll in deutlich höheren Mengen aufgenommen werden, als es derzeit in der Praxis üblich ist. Ausschlaggebend hierfür war die Frage, was es für das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu erkranken bedeutet, wenn eine Portion Gemüse und Obst pro Tag mehr gegessen wird. Durch Studien konnte gezeigt werden, dass durch jede Portion Gemüse und Obst mehr, das Risiko an Herzkreislauferkrankungen zu erkranken um 4 % verringert wird. Somit würde sich durch die Empfehlung täglich 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst zu konsumieren, das Herzkreislauferkrankungsrisiko um 20 % reduzieren.

In Bezug auf andere Erkrankungen wie etwa bei Schlaganfall und Krebserkrankungen konnte aufgezeigt werden, dass der empfohlene Konsum von 5-mal am Tag Gemüse und Obst, das Erkrankungsrisiko mindert. Auch für das menschliche Immunsystem ist ein hoher Verzehr von Gemüse und Obst von Vorteil. Watzl betont abschließend, dass nicht gesagt werden kann, welche Inhaltstoffe in Gemüse und Obst für die protektiven Effekte verantwortlich sind. Tatsache ist, dass es nicht eine einzelne Substanz gib, die protektiv wirkt, sondern dass es die Komplexität an Inhaltsstoffe dieser Lebensmittel ausmacht, dass sie sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Im Anschluss an die beiden Vorträge wurde der Nestlé Health Science Award 2014 an junge ForscherInnen im Bereich Ernährung und Ernährungstherapie überreicht.

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