Nachhaltige Mobilität

Die Bahn trägt direkt und indirekt zur Erreichung der meisten UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung bei – und muss trotzdem noch vieles beweisen.

Die Bahn ist umweltfreundlich. Dieser Aussage würde heutzutage wohl kaum jemand widersprechen. Hirut Grossberger und Frank Michelberger vom Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung beziehen ökologische, ökonomische und wirtschaftliche Faktoren in ihre Forschung ein. Denn nur so lassen sich nachhaltige Entscheidungen für die Mobilität der Zukunft treffen.

Frage der Wirtschaftlichkeit

Nach der Definition der United Nations muss Nachhaltigkeit ökologische, soziale und ökonomische Aspekte miteinbeziehen. Zu zeigen, dass die Bahn ein ökologisches Transportmittel ist, stellt laut Institutsleiter Frank Michelberger, wenig Probleme dar. Zudem bringt leistbare Mobilität weitreichende soziale Vorteile mit sich. „Bei der Entscheidung, ob der Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlegt wird, zählt aber in erster Linie die Wirtschaftlichkeit. Hier muss der Beweis erbracht werden, dass die Bahn beim Wettbewerb mit der Straße mithalten kann“, sagt Michelberger. Nur über die sinnvolle Berechnung der indirekten Kosten lässt sich eine Entscheidung im Sinne der Nachhaltigkeit treffen – und zeigen, dass sich vermeintlich teurere Investitionen langfristig rechnen.

Ganzheitliche Entscheidungsgrundlage

Das Einbeziehen ökonomischer Aspekte und indirekter Kosten in die Forschung ist laut Hirut Grossberger, Dozentin und Researcherin im Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung, ein wichtiges Fundament für die öffentliche Debatte. „Wenn die Öffentlichkeit nichts davon weiß, kann sie auch keine nachhaltigen Entscheidungen einfordern“, so Grossberger. Gerade hier kann die Digitalisierung von großem Nutzen sein: Digitale Tools helfen, Schäden einfach zu erfassen und sicher und zuverlässig zu dokumentieren. Daraus kann die Performance und Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur verbessert werden. „Mit den Methoden Life Cycle Assessement, Life Cycle Cost und Life Cycle Performance analysieren wir ein System von Anfang bis Ende und können so, eine ganzheitliche Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellen.“

Modell zum Vergleich der Ökobilanz

Aktuell arbeiten Grossberger und Michelberger an einem Projekt, das vom Land Niederösterreich gefördert wird und in dem ein neuer Forschungsschwerpunkt im Institut zu den Themen Digitalisierung und Automatisierung aufgebaut wird. In einer der Aktivitäten in diesem Schwerpunkt soll geklärt werden soll, ob und wo ein Hybridfahrzeug mit einer Kombination aus Stromabnehmer und Akku auf den noch nicht elektrifizierten Strecken, dies sind in Österreich ungefähr 29 %, Dieselloks ersetzen kann. „Die Entscheidung hängt von zahlreichen Faktoren, wie Aufbau des Akku, Konfiguration des Fahrzeugs und Strommix ab“, betont Michelberger.

Spielerischer Ansatz Unbestritten ist für die beiden Forscher, dass nachhaltige Mobilität nicht nur auf die Bahn zu reduzieren ist. Auch das Fortbewegungsmittel Fahrrad und das klassische zu Fuß gehen müssen in eine umfassende Betrachtung mit einbezogen werden. So entstand in Zusammenarbeit mit den Departments Medien & Digitale Technologien und Gesundheit eine App, die Schülern über einen spielerischen Ansatz ein Bewusstsein für nachhaltige Mobilität näherbringt. „Es braucht beides: Die Personen müssen zur Mobilität gebracht werden, aber auch die Mobilität zu den Personen“, sagt Grossberger.

Hirut Grossberger forscht am Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung

Frank Michelberger leitet das Carl Ritter von Ghega Institut für integrierte Mobilitätsforschung

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