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Otfried Knoll als Experte beim imh-Forum Verkehr

Zukunftsdiskussion über Österreichische Eisenbahnverkehrsordnung bei der Konferenz "Schieneninfrastruktur und Bahnwesen" am 12. Februar 2019.

Otfried Knoll als Experte beim imh-Forum Verkehr

Departmentleiter Otfried Knoll vom Department Bahntechnologie und Mobilität der FH St. Pölten war beim imh-Forum Verkehr 2019 als Experte eingeladen, über die Zukunft einer österreichweiten Eisenbahnverkehrsordnung zu diskutieren.

Gegenwärtig wird die Umsetzung des so genannten "4. Eisenbahnpakets der EU" vorbereitet. Es handelt sich dabei um eine sehr umfangreiche Änderung der einschlägigen Gesetzeslandschaft. Hintergrund ist die Öffnung der Schienennetze für mehr Wettbewerb, wozu weitere rechtliche Anpassungen in den Mitgliedsstaaten erforderlich sind. Im Zuge dessen soll – quasi als Pendant zur Straßenverkehrsordnung - eine einheitliche österreichische Eisenbahn-Fahrordnung entstehen.

Das Thema wird von den über 60 konzessionierten Eisenbahnunternehmen in Österreich sehr kontroversiell diskutiert. Das Verkehrsministerium sieht die Übernahme von möglichst vielen einheitlichen Bestimmungen in den Verordnungsrang vor, um das Genehmigungsprozedere von Fahrdienstvorschriften künftig zu vereinfachen. Die Privatbahnen befürchten hingegen eine Nivellierung nach oben und den Verlust von Gestaltungsfreiheiten, die sie für einen wirtschaftlichen Betrieb benötigen.

Als langjähriger Betriebsleiter eines Eisenbahnunternehmens, das vernetzte und nicht vernetzte Eisenbahnen und Straßenbahnen betreibt, sowie als Sachverständiger und Konsulent für das Eisenbahnwesen hat Otfried Knoll für zahlreiche, teils gänzlich verschiedene Eisenbahnunternehmen Fahrordnungen erstellt und bis zur Genehmigung verhandelt. Er wurde daher als Experte zu diesem Diskussionsprozess eingeladen.

Europaweite Interoperabilität

Otfried Knoll stellte fest, dass im Sinne einer tatsächlich europaweiten Interoperabilität nicht nur eine nationale, sondern vielmehr eine Europäische Fahrordnung anzustreben wäre. Dazu würde insbesondere auch eine einheitliche Betriebssprache gehören. Ohne diese macht eine Öffnung der Netze für den Wettbewerb nur bedingt Sinn. Jedenfalls wären aber nicht vernetzte Bahnen (z. B. Schmalspurbahnen, aber auch Bahnen ohne strategische Wettbewerbsbedeutung) von derartigen Überlegungen auszunehmen. Schwierig wird es dort, wo ein Unternehmen vernetzte und nicht vernetzte Bahnen betreibt, Personale wechselseitig einsetzt und in die Infrastruktur der Zugsteuerung viel eigenes Geld und Know-How investiert hat.

Rechtssicherheit für Eisenbahnunternehmen

Wenn es, wie vom BM VIT intendiert, tatsächlich vorrangig darum geht, Rechtssicherheit unter Berücksichtigung bestehender Besonderheiten zu schaffen, wenn also keine neuen Regelungen, sondern bestehende Lösungen in eine neue Systematisierung überführt werden sollen und wenn die einheitliche Fahrordnung auf bestehende Infrastrukturen keinen Einfluss haben darf, also keine Investitionen in neue Infrastrukturen erzwingen soll, erscheint aus der Sicht von Otfried Knoll eine Konsensfindung mit den Eisenbahnunternehmen machbar.

„Es wäre in diesem Zusammenhang anzudenken, die Privatbahnförderung dahingehend abzuändern, dass für das Herstellen der TSI-Konformität ein eigener Fördertatbestand geschaffen wird“ sagt Knoll. „Gleichzeitig sollten jene Bahnen per Verordnung ausgenommen werden, deren Netze ohne strategische Bedeutung sind, also Bahnen, die nur im Personenverkehr und nur im Stadt/Umlandverkehr tätig sind“. Es müsse also vorrangig eine Definition dieser Strecken erfolgen, womit sich die Diskussion zweifellos entspannen würde.

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FH-Prof. Dipl.-Ing. Knoll Otfried, EURAIL-Ing.

FH-Prof. Dipl.-Ing. Otfried Knoll, EURAIL-Ing.

Departmentleiter Studiengangsleiter Bahntechnologie und Management von Bahnsystemen (MA) Studiengangsleiter Bahntechnologie und Mobilität (BA) Lehrgangsleiter PT Domain Excellence Programm Standortkoordinator Lehrgang Europäische Bahnsysteme (MA) Department Bahntechnologie und Mobilität