Praxisforum – Wie Ideen zum Erfolg führen

Gründerservice-Einrichtungen informieren beim Praxisforum "Erfolgreiche Unternehmensgründung"

Von der Idee bis zum erfolgreichen Unternehmen ist es ein langer Weg. ExpertInnen aus der Wirtschaft, Projektteams und Start-ups gaben Praxis-Tipps

Gründen will gelernt sein! Deshalb lud die FH St. Pölten am 7. Dezember 2017 Studierende zum Praxisforum „Erfolgreiche Unternehmensgründung“. Studentinnen und Studenten der Studiengänge Digitale Medientechnologien und Medienmanagement hatten die Möglichkeit, sich umfassend über Chancen, Hürden und Herausforderungen rund um das Thema Unternehmensgründung zu informieren und auszutauschen. Informationen und Tipps gab es von Gründerservice-Einrichtungen und bereits erfolgreichen JungunternehmerInnen und Projektteams.

Erfolgreich mit ihren eigenen Ideen sein – das ist das Ziel vieler Studentinnen und Studenten. Und es ist auch das Ziel dieser Veranstaltung, so Franz Fidler, Studiengangsleiter des Studiengangs Digitale Medientechnologien, bei seiner Eröffnungsrede. Auch Franz Gunacker, Vize-Bürgermeister der Stadt St. Pölten, sowie Veranstaltungsorganisator Peiman Zamani begrüßten das Veranstaltungsformat, denn es gewähre Einblicke in die Praxis in zweierlei Hinsicht: Zum einen bekomme man das für den Erfolg nötige Rüstzeug von Expertinnen und Experten vermittelt und zum anderen würden erfolgreiche Start-ups und Projekte wertvolle Praxis-Tipps geben. Aus erster Hand versteht sich.

Erfolgreiche Projekte zum Angreifen 

Praxiswissen in geballter Form stand dann auch tatsächlich auf der Bühne, denn das St. Pöltner Start-up „Bärnstein“ sowie die drei Projekte aus dem creative pre-incubator der FH St. Pölten „Wiener Spielwut“, „QuickSpeech“ und „Sportomat“ boten ein breites Spektrum an Insider-Tipps, angefangen bei den Bereichen Kulinarik, Kultur über Bildung bis hin zu Bewegung und Sport. 

Das Erfolgsrezept von „Bärnstein“

Das St. Pöltner Getränke-Start-up „Bärnstein“ sprach über seine Motivation, etwas Neues auf dem Getränkesektor zu wagen; vor rund zweieinhalb Jahren sei die Idee entstanden, ein Getränk zu entwickeln, das sich deutlich von den bisher auf dem Markt befindlichen abhebt. Das Konzept dahinter? Energie für den Tag liefern, ohne ein Energy Drink zu sein, eine „Kombi aus fernem Abenteuer und der heimischen Vertrautheit“ ohne Chemie. Man setze ganz klar auf Regionalität, Bioqualität und Fair-Trade-Produkte aus der Ferne.

Die ersten in Niederösterreich abgefüllten 1.000 Flaschen waren bald ausverkauft, die Entscheidung, weiterzumachen, sei deshalb nicht schwergefallen. Zahlreiche Auszeichnungen gaben dem Jungunternehmen Recht: Unter anderem ist „Bärnstein“ seit kurzem unter den Top-100-Jungunternehmern. Auch die neue Cocktailschiene ist vielversprechend, ist doch der Bärnstein-Cocktail „Colourful Life“ als zweitbester Cocktail der Welt aus dem Monin Cup 2016 in Paris hervorgegangen. Konkrete Tipps hat Bärnstein auch für zukünftige Start-ups: klein anfangen, ein Fundament bauen, auf regionale Partnerschaften setzen und los geht's.

Von bestehenden Projekten lernen

Wiener Spielwut“, ein Team aus sechs Personen, steht noch am Beginn seiner Erfolgsgeschichte, die Website sei gerade am Entstehen, die Vereinsgründung stehe 2018 an. Das junge Team will in der Wiener Kulturszene Fuß fassen und ein Netzwerk bieten, in dem Kulturinteressierte und -schaffende aktiv mitmachen und sich entfalten können, und das ganz ohne großen Kostenaufwand, Know-how und Kontakte zur Szene – eine Marktlücke, so das referierende Projektmitglied. Geboten werden neben eigens produzierten Theaterstücken auch Lesungen, Ausstellungen und Events als Allround-Paket, das heißt, „Wiener Spielwut“ kümmert sich um alles: um Aufführung, Organisation, Event-Charakter, Marketing und Aftershow-Party. So wolle man sich von der Konkurrenz abheben, im Rahmen des creative pre-incubator habe man schon viel Wertvolles gelernt. Jetzt geht es an die Umsetzung.

Was heißt Fassadenverkleidung auf Englisch? Mit dieser Frage eröffnete „Quick Speech“ seine Präsentation und veranschaulichte so die Problematik vieler Menschen, die beruflich tagtäglich mit Fachvokabular zu tun haben und vor dem Problem stehen, sich dieses effizient und nachhaltig in einer Fremdsprache anzueignen. Diverse Kurse und Apps seien bisher oft nicht branchenspezifisch genug in ihrem Angebot, „QuickSpeech“ will hier die optimale Lösung bieten: 150 Fach-Vokabeln werden individuell mit dem interessierten Unternehmen erarbeitet, danach erweitern die MitarbeiterInnen mittels Smart Phone in kleinen Portionen auf spielerische Art und in teils anonymisierter Konkurrenz zu ihren KollegInnen ihre Fremdsprachkompetenz. Mit minimalem Aufwand zum maßgeschneiderten Wortschatz verpackt in einer mobilen Lernapplikation, so lautet das Konzept von „QuickSpeech“. Und auch dieses scheint aufzugehen, war das Projekt doch schon bei einigen Wettbewerben sehr erfolgreich. Ein konkreter Tipp für das Publikum? Eigene Ideen zielstrebig verfolgen und das Österreich-Gen in uns ignorieren, das uns 1.000 Gründe nennt, warum es nicht funktionieren sollte.

Lust auf Sport und kein Sportgerät in Sicht? Das Projekt „Sportomat“ setzt genau hier an. Mittels mobiler Leihstation für Sportgeräte soll Bewegung und Sport in Zukunft überall und rund um die Uhr möglich sein. Mithilfe eines Baukastensystems können sich KonsumentInnen ihren individuellen Sportomaten zusammenstellen. Direkt am Point of Interest, in Parks etwa, werden diese vom eigenen Unternehmen oder anderen Institutionen platziert. Interessierte können sich mit einer App über die verfügbaren Standorte informieren, den Sportomaten ausleihen, nutzen und, wenn gewünscht, sogar kaufen. Sportartikelverleih einmal anders. Das Konzept steht, in den kommenden Monaten wolle man die Marktforschung nun vertiefen, den Business-Plan entwickeln und einen ersten Prototyp erstellen.

Gesetz der „zwei Füße“ für Open Space-Runden

Hineingehen, hinsetzen, lauschen, selbst Fragen stellen – so lautete die Devise für die an die Präsentationen anschließenden Open-Space-Runden. Expertinnen und Experten aus der Wirtschaft sowie VertreterInnen mehrerer Gründerservice-Einrichtungen gaben in interaktiven Gesprächsrunden Interessierten Tipps zum Thema Firmengründung. Fragen zu rechtlichen Voraussetzungen, Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten und zur Standortwahl wurden genauso behandelt wie steuerliche Aspekte, die richtige Investorensuche, Networking und Überlegungen zum Marketing. Vor Ort waren folgende Einrichtungen vertreten: accent, WKO NÖ, Sparkasse Niederösterreich, tecnet equity, ECA Schreiner & Stiefler Steuerberatungsgruppe, primeCROWD, ecopoint, aws (austria wirtschaftsservice) und FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft).

Die anwesenden Studierenden konnten frei wählen, bei welcher Gründerservice-Einrichtung sie sich informieren wollen und wo sie am ehesten Antworten auf ihre Fragen finden würden. Selbstverantwortlich nutzten sie die zur Verfügung stehenden zwei Stunden, um die einzelnen Stationen zu besuchen, Kontakte zu knüpfen und zu diskutieren.

Sogenannte Pacemaker, Studierende in Zweier-Teams, stellten in kurzen Abschlusspräsentationen die Zuständigkeiten der einzelnen Unternehmen vor, reflektierten die besprochenen Themen und präsentierten die in den Stationen aufgetretenen Fragestellungen, Tipps und Förderprogramme. So konnten die wichtigsten Ergebnisse der Open Space-Runden für alle in knapper Form festgehalten werden.

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit nach dem creative pre-incubator

Zum Abschluss der Veranstaltung erzählte das sehr junge Start-up „insight.trips“, wie es ihm seit seiner Zeit im creative pre-incubator ergangen ist und welche Hürden auf dem Weg zum Erfolg zu bewältigen waren. Das Projekt-Team versucht, Reiseführer neu zu definieren, indem es auf die darin enthaltenen irrelevanten Informationen verzichtet und für jeden den perfekten Reiseführer erstellt. Wie das geht? Interessierte können sich nach dem Baukastenprinzip individuell ihren Reiseführer zusammenstellen und die darin enthaltenen Themen frei wählen. BloggerInnen garantieren echte Insidertipps, eine Partnerfirma sorgt für den Druck und die Lieferung vor die Haustür, sodass man die ausgewählten Reiseinformationen bequem und optisch ansprechend auch in Händen halten kann. Mühsame Internetrecherche und unübersichtliche Informationen auf dem Smart Phone sollen so Geschichte sein. Wir drücken diesem vielversprechenden Konzept die Daumen.

Viele Absolventinnen und Absolventen der FH St. Pölten, aber auch Studierende haben erfolgreich ihren Schritt in die Selbstständigkeit geschafft. Mit dem Praxisforum unterstützt die FH jene, die das noch vorhaben, um ihnen diesen wichtigen Schritt zu erleichtern. 

Auch der creative pre-incubator ist zu diesem Zweck ins Leben gerufen worden; seit 2014 ist er ein fester und erfolgreicher Bestandteil der Nachwuchsförderung der FH St. Pölten.

 

Danke an die Sponsoren:

 

Jetzt teilen: