Radikaler Islam: Staat und Zivilgesellschaft gefordert

Martina Eigelsreiter

In einer offenen Lehrveranstaltung thematisierte Martina Eigelsreiter Fragen des Umgangs mit radikalisierten Jugendlichen in der Sozialen Arbeit.

In den vergangenen Wochen wurde das Thema des radikalen Islam aktueller denn je. Auch SozialarbeiterInnen sind zunehmend mit diesem Phänomen konfrontiert. Am 20. Jänner 2015 diskutierte Mag.a Martina Eigelsreiter vom Büro für Diversität der Stadt St. Pölten mit Studierenden des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit über salafistische Strömungen im deutschsprachigen Raum, Faktoren für Radikalisierung sowie die Radikalisierung von Jugendlichen und das Phänomen des "Pop‐Djihadismus", den Einsatz sozialer Medien. Auch die Angst vor IslamistInnen und Wirtschaftsflüchtlingen sowie Beratungsmöglichkeiten und Prävention kamen zur Sprache.

Radikaler Islam in der Minderheit - Vorbild Indonesien

"Salafismus ist eine politische Idee, die religiös begründet wird - so etwas ist zwar nicht neu, eignet sich aber hervorragend, um den antimuslimischen Rassismus voranzutreiben", so Eigelsreiter. IS-Terror sei natürlich eine Gefahr, aber die große Mehrheit der MuslimInnen stünden dem radikalen Islam distanziert gegenüber. Während die IS-Miliz lediglich 30.000 Kämpfer im Mittleren Osten umfasse, gingen die 120 Millionen Menschen in Indonesien - zumeist MuslimInnen - einen Weg der Reform und der Demokratisierung. Indonesien ist das Land mit der größten islamischen Gemeinde der Erde.

"Staat und Zivilgesellschaft gefordert"

Die Gewalt der Terrormiliz des „Islamischen Staates“ rufen Entsetzen, aber bei manchen Jugendlichen auch Sympathien für den sogenannten „Heiligen Krieg“ hervor. "Der Staat Österreich und seine Zivilgesellschaft sind gefordert, denn es ist ein gesamtgesellschaftliches – und definitiv kein migrantisches Problem, das auch nur gesamtgesellschaftlich gelöst werden kann", so Eigelsreiter.

Neu sei die Entwicklung von Jugendlichen, die offenbar zur djihadistischen Ideologie und nicht unbedingt zur Religion des Islam konvertieren, nicht. Neu sei allerdings, dass sich immer mehr ganz junge Menschen für den „Heiligen Krieg“ begeistern.

Diesen jungen Menschen sei ein Bedürfnis, eine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse, aber auch einen Sinn in einer vermeintlich sinnlosen Welt zu finden. "Hier gilt es, jene psychischen Bedürfnisse dieser jungen Menschen anzusprechen, die sie dazu gebracht haben, da zu landen, wo sie gelandet sind, die Bindung zu unserer Gesellschaft zu stärken sowie Zugehörigkeit zu vermitteln." Es werde eine große Aufgabe sein, den richtigen Umgang mit betroffenen Jugendlichen zu finden, so Eigelsreiter abschließend.

"Thema Radikalisierung wichtig für Ausbildung von SozialarbeiterInnen"

Am Department Soziales der FH St. Pölten bildet die Frage derzeit einen Arbeitsschwerpunkt. "Für die Ausbildung von zukünftigen Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen ist das Thema Radikalisierung, speziell auch im Jugendbereich zunehmend wichtig. Wir werden uns diesem Thema zukünftig vermehrt widmen und planen ein Projekt dazu", so FH-Prof. DSA Mag. Gertraud Pantucek, Leiterin des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit.

Mag.a Martina Eigelsreiter leitet das Büro für Diversität der Stadt St. Pölten. Das Büro für Diversität ist eine eigene Verwaltungsstelle für "Vielfaltmanagement" und bündelt derzeit die Aufgabenbereiche Frauen, Menschen anderer Herkunftsländer, Menschen mit Behinderung und den Bereich Weltanschauung & Weltreligionen.

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