Rechte von Menschen mit Behinderung in Albanien

Rechte von Menschen mit Behinderung in Albanien

ExpertInnen berichteten an der FH St. Pölten vom Überwinden der Grenzen im Alltag für Menschen mit Behinderung in Albanien.

Die UN-Behindertenrechtskonvention regelt die Menschenrechte von Menschen mit Behinderung. Albanien habe die Konvention 2013 ratifiziert und bereits Gesetze und Verordnungen zu ihrer Umsetzung erlassen, berichtete Bardhylka Kospiri, stellvertretende Sozialministerin Albaniens auf Einladung des Bachelor Studiengangs Soziale Arbeit der FH St. Pölten und der Caritas St. Pölten. Derzeit seien weitere Projekte in Planung und Umsetzung.

Kospiri hob die Bedeutung der Konvention hervor: „Es kann jederzeit sein, dass jemand eine Behinderung bekommt, der vorher keine hatte. Es ist daher sehr wichtig, dass es diese Konvention gibt. Sie ist eine Orientierung für die Politik in allen Bereichen. Arbeit, Bildung, Gesundheit und alle anderen Teile des menschlichen Lebens müssen miteinbezogen werden.“

Herausforderungen für die lokale Politik

„Eine besondere Bedeutung kommt im Zusammenhang mit der Dezentralisierung nun den Gemeinden zu“, so Kospiri, „Das ist ein Bereich, der bisher vernachlässigt wurde. Vor Ort können die Behörden feststellen, welcher Bedarf besteht, und sie können auf diesen Bedarf reagieren.“

Die Debatte drehte sich in der Folge um die Rolle dieser lokalen Politik. Zu Gast war auch Fran Frrokaj, Bürgermeister der Stadt Lezha, mit rund 15.000 EinwohnerInnen. Er berichtete vom Bau lokaler Zentren für Menschen mit Behinderung in seiner Gemeinde, auch mit Unterstützung der Caritas Albanien. Die Existenz mehrerer solcher Zentren sei ein Vorteil. „Man sollte die Zentren nicht zusammenlegen. Wirtschaftlich betrachtet wäre das vernünftig, mein Wunsch ist aber, dass die Personen in diesen Zentren möglichst nahe an ihren Familien leben können“, so Frrokaj. Er wünsche sich von der albanischen Politik, dass sie Regelungen schaffe, die die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen stärker respektieren.

Fehlende staatliche Unterstützung

Ein Problem sei, dass die albanische Regierung die Arbeit von NGOs zu wenig unterstütze, so Albert Nikola, Direktor der Caritas Albanien: „Die Caritas unterstützt mit ihren Projekten 100.000 Personen und erhält keinen Euro vom Staat.“ Wichtig sind vor diesem Hintergrund Gelder aus dem Ausland, auch aus Österreich.

Doch auch hier zeigen sich Schwierigkeiten. „Die Herausforderung vor dem Hintergrund der UN-Konvention ist die Einbindung der Menschen als ExpertInnen in eigener Sache“, berichtete Marlies Neumüller von der Caritas St. Pölten. „Das gilt sowohl für die Dienstleistung in Österreich als auch für die Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern.“

Internationale Kooperation in der Sozialen Arbeit

Internationale Soziale Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung im Bachelor Studiengang Soziale Arbeit der FH St. Pölten. Studiengangsleiterin Christine Haselbacher hob die Rolle des internationalen Austauschs hervor: „Diese Kommunikation ist wichtig, denn sie erweitert den Blick auf die Soziale Arbeit in anderen Ländern. Was mich besonders freut, ist, dass dieses Projekt keine Eintagsfliege ist.“

Bereits 2014 organisierte der Bachelor Studiengang in Kooperation mit der Caritas St. Pölten eine Ausstellung von Arbeiten und Studierenden zu dem Thema. Haselbacher dankte Andrea Pilgerstorfer, der Internationale Koordinatorin am Department Soziales, und Lukas Steinwendtner, Lehrbeauftragter an der FH St. Pölten und Verantwortlicher für internationale Zusammenarbeit der Caritas St. Pölten, für ihre Initiative.

Menschen ermöglichen aktiv zu sein

Diese Veranstaltung wird vielen Menschen mit Behinderung zugutekommen und ihren Alltag ein Stück verbessern helfen, so Friedrich Schuhböck, Direktor der Caritas St. Pölten. „Ich bin sicher, dass die Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Albanien und Österreich dadurch gefördert werden und dass wieder mehr Menschen aktiv sein können – ohne Barrieren. Damit das gelingen kann, müssen viele Menschen zusammenarbeiten, um die Vorbedingungen zu schaffen.“

 

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