Schmalspurbahn – Geschichte mit Zukunft

Moderne Schmalspurbahnsysteme – Anforderungen & Chancen

Keynote und Vortrag von Otfried Knoll bei Tagung zum 125-jährigen Jubiläum der Murtalbahn

Schmalspurbahnen sind in vielen Teilen Europas und der Welt ein wichtiger Faktor im Bahnsystem: Gebaut für die Erschließung von Regionen, zum Gütertransport in schwierigem Gelände, aber auch in vielfältigen touristischen Bereichen spielen sie eine Rolle, die nicht zu unterschätzen ist.

Die technologische Entwicklung lässt gerade in der aktuellen Klimadebatte vielfältige Möglichkeiten zu, Schmalspurbahnen als Innovationstreiber zu verstehen und zu etablieren. Beispiele sind die Wasserstoffmobilität, aber auch das hochpreisige Tourismussegment. 

Die Steiermarkbahn, ein Unternehmen des Landes Steiermark, hat das 125-jährige Jubiläum der Murtalbahn zum Anlass genommen, am 11. Oktober 2019 hochkarätige Vertreter von Schmalspurbahnbetreibern, aus dem Hochschul-Bildungssektor, der Industrie und der Politik einzuladen, um über Best-Case-Lösungen aus Österreich und der ganzen Welt zu berichten. Es wurden aber auch Anforderungen und Chancen für künftige Entwicklungen bei derartigen Systemen formuliert und diskutiert.

Keynote Otfried Knoll: Anforderungen und Chancen für moderne Schmalspurbahnsysteme

Otfried Knoll, Leiter des Departments Bahntechnologie und Mobilität, war als Keynotesprecher und Vortragender gebeten worden, über ebendiese Anforderungen und Chancen in Murau zu referieren.

Seine Kernbotschaft lässt sich so zusammenfassen: Lokalbahnen und insbesondere Schmalspurbahnen wurden als zweckbestimmter Teil eines Gesamtsystems gebaut, zumeist unter Beteiligung der Region, die sich damit einen modernen Anschluss an die großen Wirtschaftsräume erwartete. Solche Bahnen waren und sind aber von der Attraktivität des gesamten Schienensystems abhängig.

„Schmalspurbahnen sind deshalb nur als zeitgemäße Einrichtungen existenzberechtigt“, sagt Knoll. „Weil sie auch ihrerseits das Gesamtverkehrssystem beeinflussen, müssen sie noch mehr und noch stärker individuelle Bedürfnisse erfüllen können. Das geht aber nicht mit niedrigeren Standards, sondern nur mit glaubwürdig hoher Kundenorientierung.“

Da Basisfunktionen wie Pünktlichkeit und Sicherheit ohnehin vorausgesetzt werden, muss Innovation auch Begeisterungsfaktoren hervorbringen – Komfortmerkmale, die es woanders nicht gibt („Das ist ja besser als erwartet!“). 

„Den Betreibern muss auch „auf Ebene der Reglements Freiheit für Kreativität gelassen werden, die sich am Ziel eines Shift to Local Rail orientiert“, verweist Otfried Knoll auf zahlreiche umgesetzte Projekte und Erfahrungen. „Dazu gehören Mut, Fachkenntnis, aber vor allem ein Feeling für regionale Zusammenhänge und Bedürfnisse der Kunden. Bahnen, die auf diese Weise marktnah geführt werden, werden auch alle Diskussionen überdauern“, ist Knoll überzeugt.

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