SoniControl bei Ars Electronica in Linz

Ungewolltes Audiotracking durch Smartphones – wie das funktioniert, führte das Projekt SoniControl bei der Ars Electronica vor.

Mobiltelefone und Tablets können durch sogenanntes Audiotracking mittels Ultraschall unbemerkt das Verhalten ihrer BenutzerInnen verfolgen – etwa das Betrachten bestimmter Fernsehwerbungen oder den Aufenthalt an bestimmten Räumen und Plätzen. Im Projekt SoniControl entwickelt Matthias Zeppelzauer an der Fachhochschule St. Pölten eine Methode, wie dieses unbemerkte (und meist ungewollte) Ausspionieren enttarnt und blockiert werden kann. Gemeinsam mit Florian Taurer und Kevin Pirner präsentierte er beim diesjährigen Ars-Electronica-Festival (von 7. bis 11. September), wie das geht.

UserInnen-Verhalten beim Fernsehen?

Die permanente Vernetzung mobiler Endgeräte kann die Privatsphäre der BenutzerInnen gefährden und zu neuen Formen der Überwachung führen. Zum Beispiel kann ein Fernseher während eines Werbespots unhörbare akustische Signale („akustische Cookies“) aussenden. Mobile Endgeräte in der Umgebung nehmen diese Signale auf, dekodieren sie und senden über das Internet Informationen an die SenderInnen des Signals zurück. So kann etwa festgestellt werden, dass der Fernseher und das Mobilgerät derselben Person gehören und welche Werbung gerade gesehen wird. Das ermöglicht das Erfassen von UserInnen-Verhalten, ähnlich wie es mit Cookies im Webbereich seit Langem betrieben wird, jedoch über mehrere Geräte hinweg und ohne das Wissen der NutzerInnen.

„Akustisches Tracking ist besonders attraktiv für Content Provider, weil Userinnen und User davon nichts mitbekommen und über mehrere Geräte hinweg verfolgt werden können. Mit dem Projekt SoniControl wollen wir Bewusstsein für akustisches Tracking schaffen und die Privatsphäre durch Erkennen und Filtern von akustischen Cookies gezielt schützen“, sagt Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher in der Forschungsgruppe Media Computing am Institut für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten.

Markieren mit Störgeräuschen

Im Projekt SoniControl entwickelt Zeppelzauer mit den Kollegen Peter Kopciak, Kevin Pirner, Florian Taurer und Alexis Ringot eine mobile Anwendung, die akustische Cookies aufspürt, NutzerInnen darauf aufmerksam macht und auf Wunsch das Tracking blockiert.

„Wir nutzen Signalverarbeitungsmethoden zum Erkennen akustischer Cookies. Zur Maskierung werden Störsignale über den Lautsprecher des Mobilgeräts gesendet. So könnten akustische Cookies effektiv und mit hoher Verlässlichkeit neutralisiert werden, bevor Betriebssystem oder mobile Applikationen darauf zugreifen können“, erklärt Zeppelzauer. BenutzerInnen können Cookies auch selektiv blockieren ohne die Funktionsweise des Smartphones zu beeinträchtigen.

Erkennen von akustischen „Cookies“

Die für Menschen unhörbare Maskierung der Cookies erfolgt mittels Ultraschall. „Es gibt derzeit keine Technologie am Markt, die akustische Cookies erkennen und blockieren kann. Die in diesem Projekt entwickelte Applikation repräsentiert den ersten Ansatz, Menschen die Kontrolle über diese Art des Trackings und über die Nutzung dieses neuen Informationskanals zu geben. Wir möchten ein stärkeres Bewusstsein für diese Technologie bei den Nutzerinnen und Nutzern schaffen und damit den Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser neuen Technologie“, sagt Zeppelzauer.

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FH-Prof. Dipl.-Ing. Mag. Dr. Matthias Zeppelzauer

FH-Prof. Dipl.-Ing. Mag. Dr. Matthias Zeppelzauer

Senior Researcher Forschungsgruppe Media Computing
Institut für Creative\Media/Technologies
Department Medien und Digitale Technologien