Soziale Arbeit: Pro und Contra Berufsgesetz

Soziale Arbeit: Fit für die Zukunft?

Erster Social Work Science Day an der FH St. Pölten

Die Soziale Arbeit steht vor einer Reihe von Herausforderungen. Heute diskutierten ExpertInnen aus Praxis, Wissenschaft und Politik beim ersten Social Work Science Day der FH St. Pölten über Wege des Umgangs der Sozialen Arbeit mit veränderten Rahmenbedingungen sowie über Vor- und Nachteile eines Berufsgesetzes.

Auf dem Programm der Fachtagung stand unter anderem eine Enquete zur aktuellen Situation des Berufsrechtes der SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen. Die Diskussion untersucht angesichts laufender Arbeiten zum Erstellen eines Berufsgesetzes für die Soziale Arbeit, ob und wie ein berufsrechtliches Reglementieren der Sozialen Arbeit sinnvoll ist.

Aspekte zum Berufsgesetz für Soziale Arbeit

Kevin Brown, FH-Dozent am Department Soziales der FH St. Pölten, präsentierte Auswirkungen eines Berufsgesetzes für Soziale Arbeit in Schottland sowie Grundprinzipien für ein solches in Österreich. „Ein derartiges Gesetz führt zu einem klareren Verständnis über Aufgaben und Arbeitsstellen und klareren Richtlinien für ArbeitgeberInnen, aber auch zu umfangreichen Investitionen in Bildung und Umschulung der aktuellen MitarbeiterInnen in der Sozialen Arbeit, etwa PsychologInnen oder LehrerInnen“, sagt Brown.

Für Karl Krajic von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt in Wien ist die Monopolisierung von bestimmten konkreten beruflichen Handlungen durch bestimmte Leistungserbringer eher ein Auslaufmodell, eine Form der Regulierung, die den Realitäten und der Dynamik einer Gesellschaft von Organisationen nicht angemessen ist. Rechtliche Normierung des Zugangs zu Tätigkeiten stellen Krajic zufolge eher traditionelle Professionalisierungsstrategien dar. Diese eigneten sich immer weniger als Vehikel für kollektive Aufstiegsprozesse von Berufen und seien auch als Instrumente der Qualitätssicherung und -entwicklung nur wenig erfolgversprechend.

Christine Haselbacher, FH-Dozentin am Department Soziales der FH St. Pölten, stellte in Ihrem Vortrag die Frage, für wen ein Berufsgesetz mehr Macht bedeutet. „Wann immer Ihnen in ihrem Leben Reglements begegnet sind, oder solche neu eingeführt wurden, sie garantieren meist beides: streng festgelegte Befugnisse und große Einschränkungen. Zudem sichern sie Zugänge und Angebote für sich den Regeln Unterwerfende und exkludieren andere. Sie können behäbig machen und starr. Vor diesem Hintergrund bedarf es vor Beschlussfassung und Einführung eines Berufsgesetzes einer sehr genauen Erwägung und Prüfung, nicht nur der aktuellen Bedürfnisse, sondern auch der Auswirkungen von Neuregelungen“, so Haselbacher.

Erich Fenninger vom Verband der Sozialwirtschaft Österreich präsentierte das Umfeld der Sozialen Arbeit im Spannungsfeld von Budgets und Förderungen. Barbara Bittner, Studiengangsleiterin für Soziale Arbeit der FH Campus Wien bot einen Überblick über bestehende Ausbildungen und Berufsfelder in der Sozialen Arbeit und stellte die Wiener Initiative für ein Berufsgesetz vor.

Forschung und Lehre

„Soziale Arbeit muss sich wie jedes Fachgebiet und jede Wissenschaft laufend neuen Herausforderungen und Rahmenbedingungen stellen und darauf reagieren. Die Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis ist uns ein großes Anliegen. Mit dem Social Work Science Day geht die FH St. Pölten hier einen weiteren Schritt und bietet ein Diskussionsforum zwischen Wissenschaft, Studierenden und Praxis”, sagt Peter Pantuček-Eisenbacher, Leiter des Departments Soziales an der FH St. Pölten.

Dem Berufsrecht für die Soziale Arbeit widmeten sich im Rahmen der Tagung auch zwei Workshops mit weiteren zehn ReferentInnen aus Sozialwirtschaft, Praxis und Lehre. Darüber hinaus bot das Programm eine Postersession der zahlreichen mit der Lehre verbundenen Forschungsprojekte und Fachworkshops zu aktuellen Fragestellungen aus der Sozialarbeitswissenschaft. Themen in den Workshops waren unter anderem Altern, Soziale Arbeit und pflegende Angehörige, Partizipation, Inklusion in Unternehmen, 50 Jahre Gastarbeit in St. Pölten, sozialarbeiterische Dilemmasituationen und die Rolle des (kleinen) Glückspiels in der Region St. Pölten.

Buch „30 Tage Sozialarbeit. Berichte aus der Praxis“

Bei der Veranstaltung wurde auch das neu erschienene Buch „30 Tage Sozialarbeit. Berichte aus der Praxis“ vorgestellt, herausgegeben von Peter Pantuček-Eisenbacher und Monika Vyslouzil, der Leiterin des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung und des FH-Kollegiums der FH St. Pölten. In ihm berichten 30 SozialarbeiterInnen von ihrer alltäglichen Arbeit in den verschiedensten Praxisfeldern und geben Interessierten einen Einblick in die Vielfalt der Praxis.

Der Social Work Science Day wurde vom Department Soziales der FH St. Pölten organisiert. Die Veranstaltung fand heuer das erste Mal statt und soll in Zukunft jährlich abgehalten werden.

 

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