Finance im Fokus: SSES Kongress in St. Gallen

Monika Kovarova-Simecek (links) und Tatjana Aubram (rechts) referierten beim SSES-Kongress an der Universität St. Gallen.

FH St. Pölten präsentiert Forschungsergebnisse zu Financial Literacy und Wirtschafts-Informationsverhalten beim SSES Kongress (Universität St. Gallen)

Wo informieren wir uns, wenn wir finanzielle Entscheidungen treffen müssen? Wie steht es um das Interesse für Finanznachrichten und welche Faktoren begünstigen die Rezeption von Financial News? Welche Rolle spielt dabei unsere Financial Literacy?

Diese Fragen stehen im Fokus der Forschung von Monika Kovarova-Simecek, Studiengangsleiterin Wirtschafts- und Finanzkommunikation und Tatjana Aubram, Assistentin für Lehre und Forschung am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten. Am 15. Juni 2018 präsentierten sie ihre Erkenntnisse beim Kongress der Swiss Society of Economics and Statistics (SSES) an der Universität in St. Gallen.

ForscherInnen diskutieren zu Financial Literacy & Financial Education

Unter dem Themenschwerpunkt „Household Finance“ wurden in St. Gallen die aktuellen Forschungsarbeiten zu Financial Literacy sowie Financial Education diskutiert. Die jeweiligen Felder waren durch ihre renommiertesten Forscher und Forscherinnen wie  Annamaria Lusardi (George Washington University School of Business), Luigi Pistaferri  (Stanford University) oder Paolo Sodini (Stockholm School of Economics) vertreten.

„Es ist natürlich sehr erfreulich, dass unsere Financial Literacy Forschung auf positive Resonanz der Community stößt und auch sehr viel Anerkennung in der Diskussion fand“, sagt Monika Kovarova-Simecek, die auch die Forschungsgruppe Financial Communications am Department Medien und Wirtschaft initiierte.  

Finanznachrichten müssen persönlich relevant sein

Ein Fokus der Forschung ist das Informationsverhalten in Finanzkontexten. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Interesse an Finanznachrichten tendenziell niedrig ist. Dabei wäre es im Hinblick auf z. B. Pensionsvorsorge essentiell, sich mit Finanzthemen auseinanderzusetzen und Verständnis für wesentliche finanzwirtschaftliche Zusammenhänge zu entwickeln“, so Monika Kovarova-Simecek. Dafür braucht es allerdings nicht nur Informationsquellen – an diesen mangelt es nicht, sondern auch das Gefühl, dass diese Informationen persönlich relevant sind. Nicht zuletzt brauch es aber auch die Fähigkeit, Finanzinformationen selektieren, verstehen und im Kontext eigener Bedürfnisse interpretieren zu können.

Mehr Interesse an Finanznachrichten durch mehr Zeit und mehr Geld

Ein höheres Interesse an Finanznachrichten konnte bei Männern und bei jüngeren Personen attestiert werden. Dies hängt mit dem faktischen, aber auch mit dem selbstgeschätzten Finanzwissen zusammen, wobei Männer im Vergleich zu Frauen ihr Wissen tendenziell überschätzen. Kombiniert mit der erhöhten Risikoaffinität der männlichen Probanden, ist nicht nur das Informations-, sondern auch das Investitionsverhalten der Männer und Frauen unterschiedlich.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie das Interesse in Finanznachrichten gesteigert werden kann. Die Empirie zeigt, dass ein Mehr an Geld für Investitionen und Mehr an Zeit, um sich mit Finanzthemen zu beschäftigen, einen positiven Effekt haben könnten. Wenn jemand bereits Aktien oder Fonds besitzt, ist das Interesse in Finanznachrichten signifikant höher. Die Studie thematisiert auch die Rolle des sozialen Umfeldes als Informationsquelle, wenn es ums Geld geht. Hier zeigt sich, dass speziell Personen mit einer niedrigen Financial Literacy primär Familie und Freunde konsultieren, formale Quellen wie Fachzeitschriften jedoch vernachlässigen.

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