Studieren mal anders: Auslandssemester auf Bali

Daniela Hader studiert Smart Engineering auf Bali

Der Vulkan Agung sorgte jüngst für Wirbel. Wie es unserer Studentin in Bali geht und wie sie ihr Auslandssemester dort erlebt, lesen Sie hier

Daniela Hader studiert in der Tat anders. Während ihre StudienkollegInnen sich auf dem Weg zur FH St. Pölten in warme Mäntel hüllen, steckt sie ihre Zehen in den Sand und schlägt ihre Lernunterlagen auf. Daniela Hader ist Studentin im Bachelor Studiengang Smart Engineering of Production Technologies and Processes und verbringt derzeit die letzten Wochen ihres Auslandssemesters auf Bali, glücklicherweise weit entfernt von Agung, dem Vulkan, der jüngst international für Schlagzeilen gesorgt hat.

Bali statt St. Pölten

Daniela Hader befindet sich im dritten Semester des Bachelor Studiengangs Smart Engineering und pendelt für ihre Lehrveranstaltungen nicht an die FH St. Pölten wie in den vorangegangenen Semestern, sondern an den ehemaligen Hauptcampus der Udayana Universitas in Balis Hauptstadt Denpasar. Zu diesem Zweck hat sie sich einen Roller gemietet, denn auf öffentliche Verkehrsmittel könne man sich kaum verlassen.

Während ihres Auslandsaufenthaltes ist sie in einem Apartmentkomplex untergebracht, der rund um die Uhr von Security überwacht wird; dort wohnt sie in einem einfachen Zimmer mit Bad, auch eine Küche und einen Pool gibt es. Die Hygienestandards seien allerdings nicht mit jenen in Europa vergleichbar.

Studienalltag auf Bali

Wie kann man sich nun einen typischen Tag in ihrem Studentinnenleben auf Bali vorstellen? Nach dem Frühstück heißt es „mit dem Roller durch Denpasars chaotischen Verkehr in die Universität cruisen.“ Ein wenig Chaos setzt sich dann auch auf der Uni fort, denn Professoren seien nicht immer abgestimmt, dies falle unter „balinesische Mentalität“, hat man Daniela aufgeklärt. „Zwischen den Vorlesungen gibt es Kaffee und Snacks und danach wird noch an Präsentationen und Hausarbeiten gearbeitet. Anschließend geht es mit Studienkollegen in die Mensa mit typischen indonesischen Gerichten“, erzählt sie. Ein Mittagessen mit einem Getränk kostet umgerechnet rund einen Euro.

Ihre Kurse in Maschinenbau und Elektrotechnik (etwa „Renewable Energy“ oder „Mechanics and Electroplating“) werden allesamt in englischer Sprache abgehalten, was ihrem Hauptziel, ihre Englischkenntnisse zu verbessern, stark entgegenkomme. Sie fühle sich nun deutlich sicherer bei Gesprächen.

Und nach dem Lernen? „Nach der Uni geht es meist nach Hause zum Abkühlen in den Pool und anschließend an den Strand zum Surfen oder zum Yoga. Abends entspannt man dann mit den StudienkollegInnen am Strand und lauscht dem Klang der talentierten MusikerInnen.“ 

Die Studentin hat auch abseits des Studienalltags zahlreiche wertvolle Erfahrungen gesammelt und viel erlebt – sei es eine Vulkanbesteigung in Java auf den Ijen oder den Batur in Bali, das Hinabsteigen von den Klippen auf Nusa Penida, der Besuch eines Bodypainting-Festivals, einer Modenschau oder der donnerstags stattfindenden Skate-Contests. Und natürlich das Meer. Was wäre Bali ohne seine Wellen, die zum Surfen einladen, und seine traumhaften Strände und Sonnenuntergänge sowie die einzigartigen Menschen, die man dort kennen lernt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, so Daniela Hader, doch sie wolle nicht zu viel verraten. Vielleicht macht sich ja bald jemand anderer auf, um Bali für sich zu entdecken.

Warum auf Bali studieren?

Die Naturschönheiten auf Bali waren allerdings nicht ausschlaggebend für Daniela Haders Entscheidung, gerade dort ihr Auslandssemester zu absolvieren. Vielmehr gehe es ihr um Asiens Entwicklungen auf dem technischen Sektor; Indonesien setze ganz stark auf den Ausbau erneuerbarer Energien, was Daniela im Hinblick auf ihr Studium an der FH St. Pölten besonders interessiert. Auch der kulturelle Aspekt, das gleichzeitige Bestehen mehrerer Religionen nebeneinander sowie der Facettenreichtum der zahlreichen Inseln mit ihrem jeweils eigenen Charme hätten ihre Entscheidung mitbegründet.

Bei ihrer Ankunft überrascht haben sie die Einheimischen mit ihrer herzlichen Willkommens-Kultur und ihrem starken Interesse an allem, was Österreich betrifft – so hatte sie während ihrer Zeit in Bali auch die Gelegenheit, vor lokalen Studentinnen und Studenten Präsentationen über ihre Heimat zu halten. Jede und jeder werde akzeptiert, Religionszugehörigkeit spiele keinerlei Rolle; so ist sie  bereits nach einem kurzen Gespräch zu einer hinduistischen Zeremonie eingeladen worden. Gastfreundlichkeit wird großgeschrieben. Anfängliche zaghafte Befürchtungen, dass etwas schiefgehen könne, seien sofort verflogen. „Man kommt an, lebt sich ein und ab dann vergeht die Zeit wie im Flug.“

Wertvolle Erfahrungen für die Zukunft

Daniela Hader würde diesen Schritt jederzeit wieder wagen. Zum einen helfe ein Auslandssemester oder generell das Leben im Ausland dabei, sich kulturell, sprachlich oder persönlich weiterzuentwickeln. Man lerne viel über sich selbst, werde selbstständiger und selbstbewusster. Ein Trip zum berühmten Kelingking Beach, einem wunderschönen Strand, den man erst nach einem nicht gerade ungefährlichen Abstieg erreicht, hat sie eines gelehrt: „Es ist vielleicht nicht immer einfach, an sein Ziel zu kommen, die Anstrengung ist es aber definitiv wert.“

Was gilt es, vor einem Auslandssemester zu bedenken?

Auch hier hat Daniela Hader Tipps. Wichtig ist es, gut zu überlegen, wohin man möchte und wieso, und genug über das Land zu wissen, in das man reist. Den finanziellen Aspekt sollte man ebenfalls immer mitbedenken. Auch ist es unbedingt notwendig, sich das Studienprogramm der Universitäten genau durchzusehen und mit den eigenen Professorinnen und Professoren abzustimmen. Erfahrungsberichte sind zudem eine gute Möglichkeit, um nicht vor Ort enttäuscht zu sein.

Wird das Programm bestätigt, so kann man sich an die Bewerbung machen. Erhält man eine Zusage, geht man daran, die notwendigen Dokumente zu beantragen, wie zum Beispiel das „Learning Agreement“. Erst nach der Bestätigung von allen Seiten macht man sich an das Buchen der Flüge und der Unterkunft sowie an die Beantragung des Visums. Und dann kann man sich langsam auf ein Abenteuer freuen.

Dass man in der Ferne auch auf Unerwartetes gefasst sein muss, weiß Daniela Hader nur zu gut. Denn: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Vulkan das erste Mal nach 60 Jahren ausbricht, genau zu der Zeit, in der man dort ist? Doch sie sei zu keinem Zeitpunkt in ernsthafter Gefahr gewesen; außerdem hätten internationale Medien, wie sie sagt, die Vulkantätigkeit auf Bali stark aufgebauscht. Auf ihre Rückkehr Ende 2017 freut sie sich trotzdem schon.

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