„The Green Lie“ entlarvt Ökolügen

Werner Boote inmitten eines verbrannten Feldes beim Filmdreh

Wir kaufen umweltbewusst, grün und nachhaltig – nur leere Worte? Das zumindest behauptet der neue Film von Erfolgsregisseur und FH-Lektor Werner Boote

 „Ich glaube, dieses Wort ist nicht mehr zu retten“, sagt Werner Boote zum Begriff der Nachhaltigkeit. Ursprünglich aus der Forstwirtschaft sei damit die Idee gemeint, den Wald nur bis zu dem Punkt abzuholzen, dass er auch nachwachsen kann. „Diese Grundidee ist schon längst pervertiert.“

Was Werner Boote – Regisseur, Drehbuchautor und Vortragender im Lehrgang Film, TV & Media an der FH St. Pölten – damit genau meint, ist in seinem neuen Film „The Green Lie“, der Anfang März in Österreich Premiere feiert, zu sehen. Unsere Vorstellung vom nachhaltigen und sozial gerechten Einkauf wird auf jeden Fall völlig auf den Kopf gestellt.

Auch das Kollegium der FH St. Pölten nimmt sich diesem wichtigen Thema der Nachhaltigkeit an und plant mehrere Aktivitäten dazu, unter anderem wird es eine Sondervorführung des neuen Films von Werner Boote geben. 

Erfolgreicher Filmemacher und Vortragsredner

Zu Beginn Kabelhalter, heute als „Popstar der heimischen Dokumentarfilmer“ (Der Standard) gefeiert, erarbeitete sich Werner Boote über Jahre alle notwendigen Zutaten zum Filmemachen. Er studierte Theaterwissenschaft, Publizistik und Soziologie an der Universität Wien sowie an der Filmakademie.

Nach langjährigen Regieassistenzen begann Boote 1993 eigene Filme zu machen und war von Beginn an sehr erfolgreich bei internationalen Festivals unterwegs. 2009 startete sein bis dato wohl bekanntester Kinofilm „Plastic Planet“ in den österreichischen Kinos und wurde in der Folge in über 80 Ländern gezeigt. Der Film zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aller Zeiten. Nach weiteren aufrüttelnden Kinodokumentationen kommt jetzt im März 2018 sein neuer Film „The Green Lie – Die grüne Lüge“ ins Kino.

HG_99b9d5.jpg

Neben seiner Tätigkeit als Filmemacher ist Werner Boote erfolgreicher Vortragsredner. Er wird international seit über zehn Jahren für Vorträge, Workshops, Podiumsdiskussionen und Talkshows gebucht und löst mit seinen Inputs zu gesellschaftsrelevanten Themen immer wieder Diskussionen und Umdenkprozesse aus.

Den Ökolügen der Industrie auf der Spur

Wir kaufen nachhaltig produzierte Lebensmittel aus fairer Produktion und laden sie in unsere umweltschonenden Elektroautos. So leisten wir unseren Beitrag zur Rettung der Welt. Große Konzerne sagen uns mit ihren Werbespots und -slogans, wie grün und sozial gerecht ihre Produkte sind und welche wir in unsere Einkaufswägen packen müssen, um mit unserer Kaufentscheidung die Idee der Nachhaltigkeit zu unterstützen.

Doch: Das sei eine populäre und gefährliche Lüge. Wir KonsumentInnen würden den Lügen der Konzerne und ihren Marketingstrategien aufsitzen; sorglos und im Glauben, nachhaltig und umweltfreundlich einzukaufen, würden wir das positive Image vieler Unternehmen nicht hinterfragen und munter weiterkonsumieren. Gemeinsam mit der Greenwashing-Expertin Kathrin Hartmann zeigt Werner Boote („Plastic Planet“, „Alles unter Kontrolle“) in seinem neuen Dokumentarfilm, wie wir uns dagegen wehren können.

Web_Supermarkt.jpg

Die Welt zu retten, liege gar nicht in unserer Macht. „Wir können nicht als Konsumenten hergehen und nachforschen, ob ein Produkt gut oder verwerflich ist. Wie soll ich als Konsument wissen, ob ein angeblich faires Produkt in den Regalen tatsächlich unter fairen Umständen entstanden ist?“ Diese Machtlosigkeit habe ihn dazu veranlasst, sich auf die Suche zu machen und herauszufinden, wo die wahre Macht liegt und welche Möglichkeiten wir als BürgerInnen eigentlich haben, erzählt Werner Boote im Interview (vom Februar 2018 mit Karin Schiefer von der Austrian Film Commission). 

Unfaires und umweltzerstörerische Produzieren gehört verboten

Viele Menschen weltweit seien bereits jetzt davon überzeugt, dass sich grundlegend etwas an unserem Wirtschaftssystem ändern muss; die Konzernmacht gehöre gebrochen, damit sich etwas ändern könne.

Die Frage nach dem eigenen bewussten Kaufverhalten alleine bringe nicht die Lösung. Vielmehr müssten wir uns die Frage stellen: „Warum darf es überhaupt sein, dass unfaire und umweltzerstörerische Produkte hergestellt und uns verkauft werden?“, ist Werner Boote überzeugt. Der Film „The Green Lie“ rüttelt auf und führt uns die zerstörerischen Mechanismen der Konzerne, die sicherstellen, die grüne Lüge aufrechtzuerhalten, anschaulich vor Augen.

Das „grüne Mäntelchen“ (Zitat Hartmann) wird gelüftet.

Trailer

 

„Nachhaltige Entwicklung“ als neues Jahresthema

Das Kollegium der FH St. Pölten, bestehend aus Studiengangsleiterinnen und -leitern, Vertreterinnen und Vertretern des Lehr- und Forschungspersonals sowie StudierendenvertreterInnen sowie der Kollegiumsleitung und deren Stellvertretung, widmet sich jährlich einem Thema, zu dem es gezielt auf unterschiedlichen Ebenen Aktivitäten setzt und so seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt.

„The Green Lie“ deckt mehrere Ziele der Sustainable Development Goals ab, an die sich das heurige Kollegium-Jahresthema „Nachhaltige Entwicklung“ anlehnt. Eine Sondervorführung mit Werner Boote ist im Mai im Cinema Paradiso geplant. Diese Vorführung wird als Auftaktveranstaltung für die Sustainable-Development-Filmlounge gesehen, die die FH St. Pölten und das Cinema Paradiso 2018/19 gemeinsam veranstalten.

Veranstaltungs-Tipps

  • 14.03.2018 | 16:00 Uhr – kostenloses Nachmittags-Screening für Lehrpersonal im Cinema Paradiso
    Anmeldung dafür (mit Angabe von Institution und Fachgebiet) unter schule@cinema-paradiso.at
  • 18.04.2018 |10:00 Uhr – Schulvorstellung mit anschließendem Filmgespräch mit Regisseur Werner Boote
    Anmeldung unter schule@cinema-paradiso.at, T: 02742 343 21
  • 15.05.2018 | 19:30 Uhr – Screening und Filmgespräch mit Werner Boote im Anschluss
    Zur Anmeldung

Links

Jetzt teilen: