Unterhaltungsproduktion zwischen Kreativität und Kommerz

Workshop "Unterhaltungsproduktion als Beruf"

„Let me entertain you“ – mit diesem Motto begrüßte die Konferenz der Fachhochschule St. Pölten am Montag, den 29. April, ihre zahlreichen Gäste.

Die Mischung aus ExpertInnen der Praxis, WissenschafterInnen, die zahlreiche Studien im Gepäck bereit hielten, und den Studierenden der FH St. Pölten machte die Diskussionen spannend und ermöglichte die Betrachtung des Themas aus unterschiedlichen und komplexen Sichtfeldern. Besonders die Podiumsdiskussion, bei der vor allem die PraktikerInnen des Tages ihren Beitrag leisten durften, ermöglichte einen realistischen Einblick in unterschiedliche Karrieren und Lebenswege.

„Ich merkte, dass ich es geschafft habe, als ich zum ersten Mal die Miete pünktlich zahlen konnte“, so lautete der eine oder andere Kommentar auf die Frage, zu welchem Zeitpunkt den bereits etablierten Künstlern klar wurde, dass sie nun erfolgreich waren. Besonders Anne Garber, Filmemacherin, Produzentin und Geschäftsführerin der Regard Film GmbH, wies keck darauf hin, welch gutes Gefühl es war, sich so manche Software endlich auf legalem Wege beschaffen zu können, das eigene Equipment zu kaufen und die Steuern ordentlich zu machen.

Durchhaltevermögen und eine intrinsische Motivation

„Der Erfolg kann auf sich warten lassen, man braucht Ausdauer“, kommentierte Bernhard Fleischmann, erfolgreicher DJ und wichtiger Part der österreichischen Musikszene. Die Praktiker waren sich einig: „Es braucht Zeit, bis man den Durchbruch schafft“ – und nicht einmal das ist garantiert. Durchhaltevermögen und eine intrinsische Motivation, die Einzelunternehmer meist vorantreibt, sind ein „Must-Have“ der Unterhaltungsbranche. Ist der Durchbruch jedoch erst einmal geschafft und hat man sich einen Namen am Markt verdient, so heißt es ebenfalls wieder durchhalten und am Ball bleiben. Ständig auf dem neuesten technologischen Stand zu sein, sich fortzubilden und aktiv zu agieren ist ein Muss der Branche.

„Rosig ist heute nichts, auch die Aussichten auf einen Job nicht“, so Sarah Baker, Dozentin an der Griffith Universität in Brisbane, und verdeutlichte anhand einer spannenden Studie die derzeitige und zukünftige Situation für junge Akademiker am Arbeitsmarkt. Die Unterhaltungsbranche ist beliebt und das wird häufig ausgenutzt. Überstunden, eine geringe Entlohnung und schlechte Aufstiegschancen für frisch gebackene Hochschulabsolventen sind die nicht erfreulichen Ergebnisse ihrer Studie. Deshalb muss an vielen Schrauben gedreht werden, um den jungen Leuten wieder lohnenswerte Perspektiven und Aussichten auf anspruchsvolle Jobs zu geben. Dieser Beitrag sprach vor allem das junge Publikum an, die sich mit ihren Zukunftsperspektiven bereits im Studium auseinandersetzen müssen und nach Möglichkeiten suchen, trotz schlechter Bedingungen ihren Weg zu gehen.

Die zahlreichen Vorträge und Diskussionen zeigten unterschiedliche Sichtweisen und Zugänge zum Thema Unterhaltungsproduktion als Beruf. Praktiker nutzten die Gelegenheit und berichteten vom harten Alltag als Selbstständiger in dieser Branche und gaben tiefe Einblicke in private Hinter- und Beweggründe. Andererseits zeigten unterschiedlichste Studien, wie sich der Unterhaltungsmarkt in den letzten Jahren, ja sogar in den letzten Monaten verändert hat und mit welchen Zukunftsaussichten sich ein junger Absolvent konfrontieren sollte. Besonders für die Studentinnen und Studenten war dieser Workshop von höchster Relevanz, wie Reaktionen von Studierenden des Bachelorstudiums Medienmanagement zeigen: “Die Vorträge der Konferenz waren mehr als gut und haben sowohl Zukunftschancen als auch Strategien und ein Abbild der aktuellen Situation gezeichnet. Die Erkenntnisse der einzelnen Studien kann man nach einigem Nachdenken recht gut in Konzepte einbringen“, so Florian Kornett, Student im 2. Semester Medienmanagement.

Mariella Strasshofer

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