Lehrveranstaltungen für "Ars docendi" 2014 nominiert

Herwig Schneider: VWL-Wissenbazar 2013

Fünf Lehrbeauftragte der Studiengänge Media- und Kommunikationsberatung, Medienmanagement und Media Management sind mit vier Lehrveranstaltungen nominiert.

Staatspreis für exzellente Lehre - Ars docendi

Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung hat 2013/14 erstmalig den "Staatspreis für exzellente Lehre - Ars docendi" auch an Fachhochschulen und Privatuniversitäten ausgeschrieben. Oftmals werden die Leistungen von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen lediglich an deren Publikationen und der Höhe der eingehobenen Drittmittel gemessen, während qualitätsvolle Lehre untergeht. Dem möchte der Staatspreis Ars Docendi entgegenwirken, indem er exzellente Lehre und großes Engagement von Lehrenden entsprechend würdigt.

Der Preis wird in fünf Fachkategorien vergeben und ist mit jeweils 5.000 € dotiert:

  • MINT (Mathematik, Informatik, Naturwssenschaften, Technik/Ingenieurwissenschaften)

  • Medizin und Gesundheitswissenschaften

  • Wirtschaft und Recht

  • GSK (Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften)

  • Kunst, Musik und Gestaltung

Zusätzlich zu den einzelnen Fachkategorien werden folgende Kategorien (nicht an ein Fach gebunden) gewürdigt:

  • besonders innovatives Lehrkonzept am Anfang des Studiums unter Berücksichtigung verschiedener Bildungsbiographien und/oder des kulturellen Hintergrunds

  • besonders innovatives kompetenzorientiertes Prüfungskonzept.

Die Nominierung der Lehrveranstaltungen erfolgt über die Rektorate der Fachhochschulen oder die Studierendenvertretungen.

Vier Nominierungen für den Bereich Medienwirtschaft

An der FH St. Pölten sind vier Lehrveranstaltungen aus dem Bereich Medienwirtschaft für den Ars Docendi nominiert; zwei davon in der Kategorie "Wirtschaft und Recht", zwei weitere als "besonders innnovative Lehrkonzepte".

Monika Kovarova-Simecek: BWL mal anders

Die Nominierung Mag. Monika Kovarova-Simeceks für die Vorlesung "Betriebwirtschaftslehre" im 1. Semester des Bachelorstudiengangs Media- und Kommunikationsberatung stammt direkt aus den Reihen der Studierenden. Die Vorlesung zählt zu den Lehrveranstaltungen, die bei den angehenden PR-, Event-, Media- oder Werbefachleuten erfahrungsgemäß eher trocken und langweilig assoziiert wird, das didaktische Konzept von Monika Kovarova-Simecek schafft es jedoch, die Studierenden auf mehreren Ebenen miteinzubeziehen und die Veranstaltung aufzulockern:

  • "Sie wissen es! Sie wissen bloß noch nicht, dass Sie wissen!" - durch gezielte Fragen werden die Studierenden angeleitet, Inhalte selbst zu generieren und Zusammenhänge zu erkennen.

  • Die Studierenden werden dazu animiert, selbst möglichst viel zu fragen und die vorgestellten Inhalte durchaus kritisch zu sehen.

  • Als Protagonisten von nachgespielten Beispielen aus der Unternehmenspraxis erleben die Studierenden selbst die Ursachen und Folgen von betriebswirtschaftlichen Systemen und Handlunsgmechanismen.

  • Gleichzeitig lernen die Studierenden früh theoretische Ansätze und Quellen kennen und diskutieren.

Aufgrund einer ausgesprochen guten Arbeitsatmosphäre und einer Diskussionskultur werden in der Lehrveranstaltung neben der Vermittlung von Faktenwissen vor allem auch persönlichkeitsbildende Kompetenzen gefördert.

Thomas Duschlbauer und Roland Steiner: Von St. Pölten in die Emilia Romagna

"Welche Anknüpfungspunkte bieten Ferrari & Maserati vor Ort, um Menschen von ihren Produkten zu begeistern? Wie positioniert sich die Region Emilia Romagna im europäischen Wettbewerb um Investoren, Touristinnen und Fachkräfte? Was sind die Spezifika der Außenwerbung in Italien, von Events und politischen Kampagnen?" - Fragen dieser Art stehen im Mittelpunkt der Projekte, welche neun studentische Themengruppen des Bachelorstudiengangs Media- und Kommunikationsberatung im Rahmen der Auslandsexkursion im 3. Semester eigenständig umzusetzen begannen. Stets begleitet wurden sie von einem Dokumentationsteam desselben Jahrgangs, das mittels Video- und Fotokameras die Projektfortschritte ebenso festhielt wie Interviews und andere interkulturelle Interaktionen.

Das Lehrkonzept, das hinter der Auslandsexkursion steht, basiert auf der weitgehend selbstständigen Arbeit der Studierenden: Vom Briefing in St. Pölten über die Durchführung der Forschungsprojekte vor Ort bis hin zur Nachbereitung stehen die beiden Dozenten Mag. Roland Steiner und Dr. Thomas Duschlbauer, MA den Studierenden in einer Mentorenrolle vorrangig bei methodischen Fragen zur Seite, lassen Sie aber möglichst frei agieren. In einem täglichen Jour Fixe während des Ausflugs können sich die Gruppen untereinander austauschen und erhalten wichtiges Feedback von ihren Dozenten. "Durch die hohe Selbstverantwortung mussten die Studierenden während der Exkursion ihre eigenen Komfortzonen verlassen. So konnten Sie neben wichtigem Branchenwissen gleichzeitig auch ihre Persönlichkeit und interkulturelle Kompetenz weiterentwickeln", so Roland Steiner über den Mehrwert der Exkursion.

Die Nominierung für Roland Steiner und Thomas Duschlbauer wurde über das Rektorat der Fachhochschule für die Kategorie "Wirtschaft und Recht" eingereicht.

Wolfgang Römer: "Tun sie irgendetwas"

FH-Prof. Mag. Wolfgang Römer beschreitet in seinen Lehrveranstaltungen ungewöhnliche Wege: Mit dem Satz "Tun Sie irgendetwas - aber enttäuschen Sie mich nicht!" schickt er seine Studierenden zu Beginn auf eine Reise ins Ungewisse. Damit macht Römer es möglich, dass die TeilnehmerInnen seiner Lehrveranstaltung sich nicht nur theoretisch mit dem Denken "out of the box" auseinandersetzen, sondern dieses auch leben und es sich in der Praxis, "am eigenen Leib" zu Eigen machen. Römer möchte seinen Studierenden so neben Wissen über das Management von Innovationsprozessen ein breites Verständnis dafür vermitteln, unter welchen Bedingungen innovatives Denken überhaupt statfinden kann. Er zeigt außerdem eingängig auf, wie sehr bereits junge Menschen in den starren Strukturen des schulischen und akademischen Lehrbetriebs festgefahren sind und wie sehr "Wände im Kopf" unser Tun und Denken prägen.
Um "den Hörsaal zu dekonstruieren", bricht Wolfgang Römer den Frontalunterricht auf, verringert das Hierarchiegefälle und schafft eine gemütliche, entspannte Atmosphäre. Dieses Vorgehen gipfelt in einer abschließenden Exkursion in eine Großstadt wie München oder Berlin, bei denen das "Etwas" ("tun Sie irgendetwas...") möglichst kreativ und überzeugend präsentiert wird.

"Die Lehrveranstaltung bei Prof. Römer war für die Studierenden nicht 'nur' Ausbildung, sie war auch aufrüttelnd und subversive Kunst. Wolfgang Römer schafft es, intellektuell anspruchsvolle und inhaltsreiche akademische Lehre mit einem Kunstprojekt im wahrsten Sinne des Wortes zu verbinden: Was wäre, wenn wir hier und jetzt die Konventionen der Lehre niederreißen?" (Martina Bräuner und Philipp Pötz, Studiengangsvertreter Master Media- und Kommunikationsberatung 2012 in ihrem Antrag zur Einreichung für den Ars docendi)

Herwig Schneider: Der VWL-Wissenbazar

Diese Nominierung durch das Rektorat ist auch eher ungewöhnlich für ihr Fach - es handelt sich um ein Lehrkonzept für die "Einführung in die Volkswirtschaftslehre" im 1. Semester des Bachelors Media- und Kommunikationsberatung.

Herwig Schneider hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Studierenden in seiner Lehrveranstaltung "VWL in und aus der Anwendung" entdecken. Dafür verfolgt er im Unterricht eine Fünf-Wege-Strategie:

  1. Es werden Themen präsentiert und mit angewandten Beispielen angereichert.

  2. Viele volkswirtschaftliche Zusammenhänge werden ohne mathematische Formeln anhand von grafischen Analysen erklärt.

  3. Es werden offizielle Datenbestände (z. B. von der Statistik Austria, der OeNB etc.) zur Flankierung von Aussagen herangezogen.

  4. Die Studierenden erhalten laufend Tipps zu wissenschaftlichen Methoden und grauer Literatur aus dem Wissensfundus und dem Erfahrungsschatz des Lektors.

  5. Die Studierenden werden laufend animiert, sich aktiv durch Wortmeldungen oder vorbereitete Beiträge aktiv am Unterricht zu beteiligen.


Übergreifend ist es dem Dozenten wichtig, die Studierenden wie qualifizierte Mitarbeiter zu führen: mit dem nötigen Respekt, einem angemessenen Maß an Vertrauen, Belohnungen für gute Leistungen und der Grundhaltung einer gemeinsamen Erarbeitung der Lehrveranstaltungsinhalte.

Um sich besonders im vernetzten Denken und der Fähigkeit zur selbstständigen Themenbefassung und Problemlösung zu üben, findet als Semesterhighlight der sogenannte "VWL-Wissensbazar" statt. Dazu werden im Rahmen von bis zu zehn Arbeitsgruppen kreative Beiträge angewandter volkswirtschaftlicher Themen erarbeitet. Die einzelnen Gruppen präsentieren am Veranstaltungstag in Hör- und Festsälen, Seminarräumen und auch in den Gängen der FH St. Pölten parallel. Es entstehen bunte Bazarmomente im Rahmen des gleichzeitigen Austauschs von Informationen von Studierenden für Studierende. Jede Gruppe betreut das gewählte Thema und bestimmt die Kernbotschaften. Die Präsentationsform bleibt jeder Gruppe selbst überlassen und wird nicht benotet. Das Ergebnis sind spannende Ausarbeitungen in Form von Filmbeiträgen, Theaterstücken, Experten-Interviews, komplexen Rate- und Geschicklichkeitsspielen, fiktiven Ministerratssitzungen, Comics u. ä.

Herwig Schneider zu seiner Methode des Wissensbazars: "Da der VWL-Wissensbazar im ersten Studiensemester veranstaltet wird, trägt er in besonderem Maße zur Bildung des festen und an der FH St. Pölten in der Regel außerordentlichen sozialen Gefüges der einzelnen Jahrgänge bei. Dies ist behilflich in der langfristigen Nutzung und Entwicklung kollektiver Intelligenz."

Die Bekanntgabe der Gewinner sowie die Preisverleihung des "Ars docendi" erfolgen voraussichtlich Ende Mai.

Allen nominierten Lehrbeauftragten viel Erfolg!

Jetzt teilen: