Vom ersten Synthesizer zur Medientechnik in der Medizin

Forum Medientechnik 2014

Nachbericht zum 7. Forum Medientechnik

Am 27. und 28. November 2014 fand an der FH St. Pölten das siebente Forum Medientechnik statt. Die internationale Fachkonferenz bot einen Überblick über aktuelle Entwicklungen aus der Welt der Medientechnik: von Synthesizern, die von Weltstars der Popmusik benutzt werden, digitalen Schaufenstern, dem Einsatz von Medientechnik im Gesundheitswesen und modernen Medien als Mittel gegen soziale Isolation älterer Menschen. Gleichzeitig zur Veranstaltung erschien ein Tagungsband.

Alte und neue Synthesizer

Im 19. Jahrhundert waren die physikalischen Grenzen der Akustik im Instrumentenbau erreicht. Gleichzeitig entstand Ende des 19. Jahrhunderts der erste Synthesizer. Keynote-Speaker Martin Kaltenbrunner vom Interface Culture Lab der Kunstuniversität Linz gab unter dem Titel „Begreifbare Musik“ einen Überblick zur Geschichte der Medientechnik und stellte moderne Möglichkeiten zur Gestaltung von digitalen Musikinstrumenten über Mensch-Computer-Interaktion und Tangible User Interfaces (z.B. Touchscreens) vor.

Kaltenbrunner hat den virtuellen Synthesizer Reactable mitentwickelt. Bei diesem können MusikerInnen auf einem halbtransparenten Bildschirm Acrylsteine platzieren, die Rhythmus und Sound im Synthesizer steuern. Bewegen der Steine verändert die Musik. Den Synthesizer haben etwa die isländische Popmusikerin Björk und die britische Rockband Coldplay benutzt. Laut Kaltenbrunner kann nahezu alles in der Medientechnik als interaktives Objekt zum Erzeugen von Musik dienen, zum Beispiel auch Tomaten. Kaltenbrunners Traum ist es, eines Tages mit einer knetbaren Masse, beispielsweise einem Klumpen Ton, Musik erzeugen zu können.

„Das Forum Medientechnik betrachtet die gesamte digitale Produktionskette von der Idee über Konzeption und Produktion bis hin zur Distribution, Verwertung und Archivierung medialer Inhalte. Sie verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und berücksichtigt neue technologische Möglichkeiten und kreative Gestaltung ebenso, wie inhaltliche Ideen und wirtschaftliche Anforderungen“, sagt Konferenzorganisator Markus Seidl, stellvertretender Leiter des Instituts für Creative\Media/Technologies (IC\M/T) der FH St. Pölten.

Medientechnik im Gesundheitswesen

Moderne Medientechnik kann aber nicht nur für Kunst und Unterhaltung eingesetzt werden: Wie digitale Medien im Gesundheitswesen als unterstützende Technologie genutzt werden können, berichtete beim Forum Medientechnik etwa Helmut Ritschl, Leiter des neuen Studiengangs Digital Healthcare an der FH St. Pölten.

Der Vortrag erörterte exemplarisch Problem- und Aufgabenstellungen im Gesundheitswesen, die mittels Medientechnologien unterstützt werden können. Möglich sind etwa Medikamenten-Checks für chronisch Kranke oder Vitalparameterkontrollen – unterstützt durch digitale Technologien – sowie motivierendes, medial gestütztes Feedback mit Rücksicht auf die individuellen physiologischen und sozialen Voraussetzungen.

Medientechnik und Physiotherapie

Zum Thema Medientechnik und Gesundheit hat die FH St. Pölten den Forschungs- und Studienschwerpunkt Media Assisted Healthcare & Living eingerichtet. Eines der Projekte in diesem Bereich ist das Forschungszentrum CARMA (Center for Media Assisted Healthcare & Living).

Beim Forum Medientechnik stellten ForscherInnen des Departments Gesundheit der FH St. Pölten ein CARMA-Projekt aus der Physiotherapie vor: den Einsatz von Sensoren in Schuhsohlen, die über ein Audio-Feedback PatientInnen Informationen zu ihrem Gangverhalten liefern und bei der Rehabilitation unterstützen. Über physiotherapeutisches Training mittels Computerspielen und 3D-Raumerfassung der Körperbewegung berichteten WissenschaftlerInnen der FH Joanneum.

Digitale Schaufenster und Körper als Sound-Controller

Studien zur Entwicklung digitaler Schaufenster, die mit Gesten gesteuert werden, sowie zu Touch-Gesten im Web Browser auf Smartphones präsentierten wissenschaftliche MitarbeiterInnen des IC\M/T. MitarbeiterInnen der Hochschule Ansbach (Deutschland) stellten das interaktive Audiospiel SoundTwist und das Projekt „ElectroBody – der menschlich Körper als Musik-Controller“ vor.

Medientechnik im Alter

Mit BRELOMATE (Breaking Loneliness with Mobile Interaction and Communication Technology for Elderly) stellten WissenschaftlerInnen der FH St. Pölten ein weiteres Projekt aus dem Forschungs- und Studienschwerpunkt Media Assisted Healthcare & Living vor. Es untersucht den Einsatz von Multiscreen als Mittel gegen die soziale Isolation älterer Menschen – zum Beispiel in Form von Online-Schnapsen via Tablet, Fernseher und Videotelefonie.

Unter dem Titel „Ich verzichte lieber auf meinen Kühlschrank als auf mein iPad“ stellten ForscherInnen der Hochschule Neubrandenburg Ergebnisse einer Pilotstudie zum Einsatz von Medientechnik (Care-TV) im Altenhilfebereich vor.

7. Forum Medientechnik

27. und 28.11.2014, FH St. Pölten
http://fmt.fhstp.ac.at/

Tagungsband zum 7. Forum Medientechnik

Markus Seidl / Grischa Schmiedl (Hrsg.):
Forum Medientechnik — Next Generation, New Ideas
Beiträge der Tagung 2014 an der Fachhochschule St. Pölten
vwh Verlag Werner Hülsbusch 2014
Hardcover, Fadenheftung, 300 S., zahlr. Abb.
— Beiträge teilw. deutsch, teilw. englisch —
ISBN 978-3-86488-072-8, 30,33 € (A)
http://www.vwh-verlag.de/vwh/?p=959
http://www.amazon.de/Forum-Medientechnik-Generation-Beitr%C3%A4ge-Fachhochschule/dp/3864880726

Jetzt teilen: