Was kann gesellschaftliche Teilhabe?

Andrea Lehky, Jakob Detering, Michael Heiss, Natalie Plewa, Patrick Lehner, Johannes Pflegerl, Hannes Raffaseder.

Nachbericht zur Podiumsdiskussion wissen.vorsprung

Rund 80 Gäste folgten kürzlich der Einladung der Fachhochschule St. Pölten zur mittlerweile vierten Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe wissen.vorsprung, diesmal zum Thema „Partizipation: Was kann gesellschaftliche Teilhabe?“. Bei der Diskussion im Wiener Hotel Intercontinental beleuchteten namhafte Expertinnen und Experten, wie Unternehmen und Institutionen die Öffentlichkeit in wirtschaftliche, politische oder wissenschaftliche Prozesse einbinden können. Auch die Grenzen und Nachteile von Partizipation, der Umgang mit Erwartungshaltungen und aktuelle Best-Practice-Beispiele waren Thema.

Transparente Kommunikation als Schlüsselkriterium

Eine klare Kommunikation, verbindliche Rückmeldungen gegenüber den partizipierenden Personen sowie Anerkennung und ehrliche Wertschätzung seien wichtige Faktoren in sämtlichen Partizipationsprozessen – so die Expertinnen und Experten unisono. Für Michael Heiss, Open Innovation Experte bei Siemens, ist vor allem eine authentische, „nicht politisch abgerundete“ Sprache das Um und Auf. In die gleiche Kerbe schlug auch Johannes Pflegerl, Leiter des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung an der FH St. Pölten. Gerade in der Wissenschaft müsse man sich verständlich ausdrücken, damit Teilhabe tatsächlich funktioniert. An der FH St. Pölten werden etwa Curricula gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft gestaltet und auch in der Forschung sind die Einbeziehung unterschiedlicher Interessensgruppen und eine Öffnung nach außen zentrale Aspekte.

Natalie Plewa, Koordinatorin der Open Innovation Strategie der Bundesregierung im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, betonte unter anderem die Wichtigkeit von Feedback an die partizipierenden Personen: Man müsse den Beteiligten zeigen, wo ihre Vorschläge aufgenommen werden. Vorschläge aus der Community werden in der Open-Innovation-Initiative der Bundesregierung daher extra ausgewiesen.

Best-Practice-Beispiele

Patrick Lehner, Projektleiter von Open Innovation in Science bei der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Open-Science-Projekt „Reden Sie mit“, bei dem sowohl Expertinnen und Experten als auch Laien aufgerufen wurden, Ideen zur Forschung über psychische Erkrankungen zu entwickeln. Das Ergebnis: Zahlreiche eingereichte Forschungsfragen aus verschiedensten Zielgruppen, damit einhergehend aber auch eine gesteigerte Erwartungshaltung der partizipierenden Personen, die sich möglichst rasch Lösungen erwarteten. Laut Lehner ist es hier wichtig, ein Signal zu setzen und zu vermitteln: „Wir arbeiten daran“.

Über ein erfolgreiches Projekt berichtete auch Jakob Detering, Leiter des Social Impact Awards, des größten Studierendenwettbewerbs für soziales Unternehmertum in Österreich, und selbst erfolgreicher Social Entrepreneur: Er gründete ein Sozialunternehmen, das in Rumänien Sozialmärkte betreibt und über Sach- und Zeitspenden von Bevölkerung und Unternehmen finanziert wird.

Risiken von Partizipation

Für Hannes Raffaseder, Prokurist und Leiter Forschung und Wissenstransfer an der FH St. Pölten, birgt Partizipation nehmen vielen Chancen aber auch Risiken. Er warnte vor einem blinden Glauben an die unfehlbare Weisheit der Masse – denn die Menge an Rückmeldungen sage noch nichts über deren Qualität aus. Eine reine Orientierung an der Crowd sei also kein Garant für höhere Qualität in Forschung und Lehre.

Die Moderation der Veranstaltung übernahm Andrea Lehky, Redakteurin bei der Tageszeitung Die Presse.

Die aktuelle Ausgabe unseres FH-Magazins „future“ widmet sich ebenfalls dem Thema Partizipation: future lesen

Jetzt teilen: