Die Rolle der Ethik in der Digitalisierung

Michael Litschka (FH St. Pölten), Moderator Michael Köttritsch (Die Presse), Sandra Stromberger (Industry meets makers) und Paul Stuefer (e-dialog) diskutierten über Ethik in der Digitalisierung.

wissen.vorsprung: Großes Interesse an der Veranstaltungsreihe der FH St. Pölten

Bei der interaktiven Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe wissen.vorsprung diskutierten Michael Litschka (FH St. Pölten), Sandra Stromberger (Industry Meets Makers) und Paul Stuefer (e-dialog) über Digitalplattformen und Monopolisierung, Algorithmen, Überwachungslogiken und die Rolle der Bildung im Umgang mit der Digitalisierung. Die über 90 Gäste hatten die Möglichkeit, im Plenum zu diskutieren und Fragen einzubringen.

Sie können die Aufzeichnung der Veranstaltung auf unserer Facebookseite nachschauen.

Digitalisierung ganzheitlich denken

Digitalkonzerne und Algorithmen, Überwachung und Privatsphäre, künstliche Intelligenz und Robotik: Digitale Kommunikationsnetzwerke und Technologien bestimmen mehr denn je über unsere Lebens- und Arbeitsweise, über unser Wirtschaften und den politischen Diskurs. Welche Rolle soll ethisches Handeln in einer digital geprägten Gesellschaft spielen?

„Für die FH St. Pölten ist die intensive Auseinandersetzung mit der Digitalisierung ein zentrales Anliegen. Dabei fokussieren wir bewusst nicht nur auf die rein technischen Aspekte, sondern versuchen Digitalisierung ganzheitlich zu betrachten und Wirtschaft, Gesundheit und Soziales in Lehre und Forschung miteinzubeziehen“, so Hannes Raffaseder, Geschäftsführer und Chief Innovation Officer der FH St. Pölten.

Ethikkommission etablieren

Während der Diskussion wurden vor allem die Themenfelder der Monopolisierung des Internetmarktes, Consent Management bei der Nutzung von Digitaldiensten sowie die Möglichkeit einer Prüfung von Algorithmen bei ihrer Entwicklung besprochen.

„Ähnlich der österreichischen Bioethikkommission könnte eine Instanz geschaffen werden, die vor einer Implementierung einen Algorithmus auf seine Auswirkungen überprüft und bewertet“, so Michael Litschka, Dozent am Department Medien und Wirtschaft der FH St. Pölten.

Als Beispiel nennt er den Bewertungsalgorithmus des Arbeitsmarktservice Austria. „Letztlich müssen wir uns als SteuerzahlerInnen die Frage stellen, ob wir die Verwendung unserer Steuergelder zur Unterstützung Arbeitsloser durch einen Algorithmus steuern lassen wollen"“, betont Litschka.

Consent Management kundenfreundlich gestalten

Gerade für den Einzelnen sei es oftmals schwierig festzustellen, welchen Bedingungen man bei der Nutzung eines digitalen Dienstes überhaupt zustimme, so Paul Stuefer, Managing Direcor von e-dialog. „Das Ziel muss es sein, Userinnen und Usern leicht verständlich zu vermitteln, wofür sie ihre Zustimmung erteilen – und wofür nicht.“ So plant und betreut e-dialog unter anderem für Kunden wie Magenta das Consent Management. „Unternehmen und Institutionen werden sich in Zukunft stärker mit verständlichen und kundenfreundlichen AGBs auseinandersetzen müssen“, so Stuefer.

Für Sandra Stromberger, Gründerin und Managerin von Industry Meets Makers, ist vor allem die Lösungsebene der zahlreichen digitalen Konfliktsituationen entscheidend. „Letztlich müssen neue Regeln und die Implementierung von ethischen Grundsätzen in der Digitalisierung auf europäischer Ebene diskutiert und umgesetzt werden. Denn China und die USA haben nicht nur andere Interessen, sondern auch weniger Antrieb am Status quo etwas zu ändern“, betont Stromberger.

Mehr zum Thema?

Die FH St. Pölten veranstaltet am 13.5.2020 das Symposium Medienethik gemeinsam mit Ausbildungsfernsehen c-tv und dem ORF Dialogforum. Der ORF überträgt das Dialogforum live auf ORF III.

Über die Veranstaltungsreihe wissen.vorsprung

Unter dem Titel „wissen.vorsprung“ veranstaltet die Fachhochschule St. Pölten offene und regelmäßig stattfindende Diskussionsrunden, bei denen Themen an der Schnittstelle von Hochschule, Unternehmen und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Wir sprechen mit Expertinnen und Experten sowie Kooperationspartnerinnen und -partnern der Fachhochschule und diskutieren mögliche Wege des Transfers.

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