„Thank God we cannot replicate reality“

Workshop „Regie- und DarstellerInnenführung“ des Lehrgangs Film, TV & Media - Creation and Distribution

Studierende des Masterlehrgangs Film, TV & Media schauten einem der erfolgreichsten europäischen Regisseure über die Schulter: Arsen Anton Ostojic

Die TeilnehmerInnen des Workshops „Regie und DarstellerInnenführung“ nutzten am 17. und 18. November ihre Chance, mit dem erfahrenen Regisseur zu sprechen, von ihm zu lernen und ihm bei der Regie für den Dreh einer konkreten Filmszene über die Schulter zu schauen.

Internationale Regiegröße an der FH St. Pölten

Lehrgangsleiter Lothar Riedl eröffnete den Workshop und zeigte sich erfreut, einen derart aktiven und erfolgreichen europäischen Regisseur für den Weiterbildungslehrgang Film, TV & Media – Creation and Distribution gewonnen zu haben. Die Filme des kroatischen Regisseurs und Drehbuchautors Arsen Anton Ostojic werden international gezeigt und haben bereits zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Er führte diesen Workshop bereits zum zweiten Mal durch, nachdem er im Vorjahr sehr großen Anklang sowohl bei den Studierenden als auch beim Lehrgangsteam gefunden hatte.

Arsen Anton Ostojic ist als Lektor an der Academy of Dramatic Arts in Zagreb tätig, von wo aus er die fünfstündige Reise mit dem Bus nach St. Pölten angetreten hat. Um diese Zeit auszufüllen, würden sich übrigens seine bekanntesten und von Kroatien für den Oscar eingereichten Spielfilme „Halima's Path“ (2012), „No One's Son“ (2008) und „A Wonderful Night in Split“ (2004) anbieten.

Über die Kunst der Regieführung

Im Rahmen des Workshops gab Arsen Anton Ostojic Einblicke in die Praxis des Filmemachens. Zunächst ging es darum, theoretische Grundkenntnisse und -begriffe über das Filmgeschäft zu vermitteln. Was er zur Veranschaulichung brauchte: eine Kamera, einen Bildschirm und zwei leere Kaffeebecher, die Studierende achtlos im Videostudio abgestellt hatten. 

Eindrucksvoll demonstrierte er unterschiedliche Möglichkeiten, die Realität mit einer Kamera einzufangen und diese für die ZuschauerInnen abzubilden. Er sprach in diesem Zusammenhang von „technical imperfections“, für die er sehr dankbar sei. „Thank God we cannot replicate reality.“ Andernfalls drohe das Ende der Kunst.

„Filmmaking is about working with people“

Nicht Vorkenntnisse und Erfahrung allein garantieren den Erfolg eines Filmdrehs. Der Regisseur verwies auf ganz andere Kompetenzen, die wesentlich seien. „Filmmaking is about working with people, you need hundreds of people around you. Sometimes that's the most difficult part of it.“ Nicht jeder Kunstschaffende sei jeden Tag bereit, Kunst hervorzubringen, was die Arbeit der Regieführenden nicht immer leicht mache.

Viele Dinge passierten während eines Drehs auch ungewollt – die zuvor erwähnten Kaffeebecher könnten plötzlich vom Tisch fallen. Und was zeichnet einen guten Regisseur, eine gute Regisseurin in einem solchen Moment aus? „Good directors are able to control these automatic images.“ Mit der Autonomie der Dinge umgehen zu können, das sei essentiell. „Images fight against us“ und trotzdem entstünden oftmals aus dem Ungeplanten die besten Szenen.

Analysen konkreter Filmausschnitte halfen den Workshop-TeilnehmerInnen dabei, zu begreifen, wie wichtig die Arbeit des Regisseurs bzw. der Regisseurin ist, um „interesting shots“ zu bekommen. In den Händen der Regieführenden liege es, wie das Kinopublikum auf einzelne Szenen reagiere.

 

Ein von Arsen Anton Ostojic eigens geschriebenes Filmskript wurde vor den Augen der Workshop-TeilnehmerInnen umgesetzt. Ziel war es, dass die Studierenden den Prozess der Regieführung hautnah miterleben, Fragen stellen und fallweise in die Regieführung eingebunden werden; sie sollten sehen und hören, welche Anweisungen der Regisseur den vor der Kamera Stehenden gibt und was es braucht, um eine Filmszene optimal einzufangen.

Zwei Schauspielerinnen waren zu diesem Zweck in den Workshop eingebunden und demonstrierten, wie die Arbeit mit der Regie in der Praxis aussieht.

Film, TV & Media studieren

Im dritten und vierten Semester des Masterlehrgangs Film, TV & Media – Creation and Distribution kommen die Studierenden intensiv mit Expertinnen und Experten aus der Filmbranche in Kontakt. „Die Entwicklung, Herstellung und Distribution von neuen filmischen Formaten steht im Mittelpunkt unserer postgradualen Ausbildung. Der Unterricht wird ausschließlich durch erfahrene ExpertInnen aus der Branche vermittelt“, so Rosa von Suess, wissenschaftliche Leiterin des Lehrgangs .

In Kleingruppen wird den Studierenden jenes spezielle Fachwissen vermittelt, das sie benötigen, um sich den Herausforderungen der internationalen Filmwirtschaft stellen zu können. Das galt auch für diesen Workshop. Rosa von Suess: „Der Regisseur Arsen Anton Ostojic ist Teil unseres ExpertInnen-Teams und zeigt am Beispiel einer Szene seine beachtenswert erfolgreiche Schauspielführung.“

Nähere Infos zum Weiterbildungslehrgang Film, TV & Media gibt es hier.

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