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Virtuelle Filme von Hollywood bis Österreich

Bericht zur c-tv-Konferenz 2022

Die c-tv-Konferenz an der FH St. Pölten widmete sich dieses Jahr dem Thema Virtual Production. Internationale Expert*innen stellten bei der Fachtagung neueste Trends in der Bewegtbildproduktion vor, berichteten über den Einzug der Technik in Hollywood und über Hürden und Chancen der neuen Filmproduktionsmethoden in Österreich.

Virtuelle Produktion, ein noch recht junger, sich gerade rasant entwickelnder Bereich der Film- und TV-Industrie, hat das Potential, die Branche zu verändern. Welche Trends sich dabei derzeit abspielen und worauf es ankommt, um virtuelle Produktionen erfolgreich zu machen, beleuchtete die diesjährige c-tv-Konferenz der FH St. Pölten.

ctvkonferenz2022

Credit: FHSTP / Marlies Riepl

Bestandsaufnahme zur virtuellen Produktion

Rosa von Suess, Leiterin des Campus-Ausbildungsfernsehers c-tv und Organisatorin der c-tv-Konferenz zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Tagung: „Wir konnten mit der Konferenz eine Bestandsaufnahme zur virtuellen Produktion unternehmen und sehen, dass hier sowohl auf die heimische Branche als auch auf die Medienhochschulen einige Neuerungen zukommen, die es nun gilt, noch mehr in unsere Curricula aufzunehmen, als dies ohnehin schon geschah.“

Denn künftig werden laut von Suess nicht nur Werbungen für Autos oder Musikvideos mittels Virtual Production erstellt, sondern auch Serien und Dokumentationen. „Aktuell erfährt die Film- und TV-Produktion eine hohe Nachfrage und Fachkräfte in den traditionellen und neuen Filmberufen sind rar. Ausbildungsinstitutionen sind doppelt gefordert: Einerseits gilt es die Ausbildung der vormals am Set vermittelten Berufe zu übernehmen, andererseits gilt es auch in jenen Bereichen auszubilden, die in der Branche noch gar nicht vollständig angekommen sind“, so von Suess.

ctvkonferenz2022

Credit: FHSTP, Marlies Riepl

Internationale Referent*innen

Bei der Tagung referierten internationale Expert*innen zum Thema. Sven Bliedung von der Heide, CEO der Produktionsfirma Volucap, berichtete über den Einsatz seines volumetrischen Studios für die aktuelle Produktion von „Matrix 4“ und der Entwicklung eines Katalogs von hochwertigen 3-D-Scans von verschiedenen, frei wählbaren Charakteren für die virtuellen 3-D-Räume. Bliedung von der Heide sieht die europäischen Unternehmen technologisch in der Position, mit der US-Produktion mithalten zu können, allerdings müsse politisch die Motivation geschaffen werden, große Produktionen nach Europa zu holen.

Autor, Regisseur und Produzent Alex Martin stellte eine Produktionsmethode vor, bei der die Kosten auf mehrere Länder verteilt werden. Seine Serie „Capello Code“ nutzt das Potential der virtuellen Produktion, um aufwendige Drehs an schwer erreichbaren Locations für mehrere, sprachlich unterschiedliche Sendegebiete zu nutzen. Die enormen Kosten einer Produktion könnten so für mehrere regionale Editionen geteilt werden.

Lisa Gray, preisgekrönte Executive Producerin und VP-Producerin bei MARS Volume, berichtete, dass der Virtual-Production-Markt in Großbritannien sehr schnell wächst und es aktuell zu wenige Fachkräfte gibt. Künftig seien vor diesem Hintergrund sowohl die virtuelle als auch die konventionelle Filmproduktion gefragt.

ctvkonferenz2022

Credit: FHSTP / Marlies Riepl

Virtual Production in Österreich

Auch in Österreich gibt es ein hohes Interesse an der virtuellen Produktion. Für Andreas Göltl von der Produktionsfirma Media Apparat erscheint es essenziell, genügend Anreize zu schaffen, damit virtuelle Produktion auch in Österreich stattfinden kann und das aufgebaute Know-how nicht mit den Produktionen abwandert.

Eine Forderung, die die WKO Film und Musikwirtschaft NÖ, eine der Unterstützer*innen der Konferenz, auch abseits der virtuellen Produktion nachhaltig einfordert.

Laut den Vortragenden der Konferenz wäre eine Anbindung eines virtuellen Studios an Filmhochschulen ein guter Weg, die noch junge Produktionsart in die Ausbildung zu integrieren, und viele Bereiche der Technik hätten noch das Potential erforscht zu werden.

Arbeiten von Studierenden vorgestellt

Studierende der FH St. Pölten präsentierten in einer Pitching Session Formatideen für TV, Over-the-top content (OTT) und Mobile. Ein fünfstündiges Programm aus Kurzspielfilmen und Kurzdokus zeigte als Werkschau die neuesten Studierendenfilme.

In Zusammenarbeit mit der Fachvertretung der WKO Film und Musikwirtschaft NÖ wurden bei der Tagung Masterclasses abgehalten: Hier standen relevante Branchenthemen im Fokus und Studierende des Masterstudienganges Digital Media Technologies tauschten sich mit Branchenexpert*innen aus. Abschließend gab es ein Get-together mit DJ Lineup.

Aufzeichnung der Konferenz

Das Team von c-tv hat die Tagung aufgezeichent, ORF III hat die gesamte ctv-Konferenz ausgestrahlt. Der Mitschnitt ist in der TV-Thek des ORF verfügbar.

c-tv-Konferenz 2022 – Virtual Production

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FH-Prof. Mag. Dr. von Suess Rosa

FH-Prof. Mag. Dr. Rosa von Suess

FH-Dozentin Stellvertretende Studiengangsleiterin Medientechnik (BA) Lehrgangsleiterin Film, TV und Media - Creation and Distribution (MA) Department Medien und Digitale Technologien Leiterin Ausbildungsfernsehen c-tv