Regionales Essen in der Mensa, grüne Druckereien, Niedrigenergiebau und nachhaltige Entwicklung als Unterrichtsgegenstand: Hochschulen sind in mehrfacher Hinsicht wichtig für nachhaltige Entwicklung. Als öffentliche Einrichtungen und große Institutionen bzw. Firmen betreiben sie viel Infrastruktur und können damit durch ihre Gebäude, Aktionen für MitarbeiterInnen und ihre Beschaffung selbst direkt etwas beitragen. Zudem können sie Themen und Aspekte der nachhaltigen Entwicklung an ihre Studierenden vermitteln – und dies nicht nur in einschlägigen Fachbereichen, sondern in allen Studiengängen.

Hochschulen haben eine besondere Verantwortung. Sie bilden kommende Generationen an Fach- und Führungskräften aus, sie sind Wissens- und Innovationszentren unserer Gesellschaft. Wer, wenn nicht sie, sollte also im Engagement um nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft vorangehen?

Monika Vyslouzil, Leiterin des Kollegiums der FH St. Pölten

Hochschul-Allianz für eine bessere Zukunft

In der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich haben sich 15 Universitäten zusammengeschlossen. Sie ihre Kräfte bündeln, um Nachhaltigkeit in Lehre, Forschung und Management zu stärken und so einen Beitrag für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu leisten. Erfahrungsaustausch und Nutzen von Synergien stehen im Vordergrund.

Universitäten sind schließlich auch durch Vorgaben in ihren Leistungsvereinbarungen dazu verpflichtet, sich mit nachhaltiger Entwicklung zu befassen. Unter dem Titel „UniNEtZ – Universitäten und Nachhaltige Entwicklungsziele“ haben die Mitglieder der Allianz und weitere Hochschulen zudem ein Projekt gestartet, um zu erarbeiten, was Österreich dazu beitragen kann, die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (UN Sustainable Development Goals) zu erreichen.

Um nachhaltige Entwicklung zu fördern, sollten Hochschulen ein systemisches Verständnis und die passenden persönlichen und strategischen Kompetenzen vermitteln. Führungskräfte sollen antizipieren können, wie die Zukunft aussehen kann. Und zum Thema nachhaltige Entwicklung gehört auch das Befassen mit Werten und Normen – ein Punkt, der in vielen akademischen Ausbildungen bisher zu kurz gekommen ist.

Lisa Bohunovsky, Koordinatorin der Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich

An der FH St. Pölten engagiert sich unter anderem das FH-Kollegium zum Thema nachhaltige Entwicklung. „Wir sehen Hochschulen in der Pflicht, gesellschaftliche Verantwortung zu vermitteln. Um einen Beitrag zu einer aufgeklärten Gesellschaft zu leisten, greift das Kollegium aktuelle Themen auf, zu denen wir Veranstaltungen und andere Aktivitäten organisieren. Derzeit stehen nachhaltige Entwicklung und die Sustainable Development Goals im Fokus“, sagt FH-Kollegiumsleiterin Monika Vyslouzil. „In einer zunehmend komplexen und fragmentierten Welt ist es wichtig, nicht aus dem Blick zu verlieren, dass wir alle für ein gutes Leben aller Menschen verantwortlich sind und einen Beitrag dazu leisten können und müssen.“

„Hochschulen haben im Anthropozän eine gesellschaftliche Verantwortung“, erklärt Christian Rammel. Den Begriff haben Geologen als Vorschlag für ein Erdzeitalter geprägt, in dem der Mensch einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde ist. Rammel leitet in Wien das Regional Centre of Expertise zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Netzwerk betreibt Forschung, Bildung und Wissenstransfer zu regionalen und transregionalen Fragen.

Hochschulen erforschen und verbreiten Wissen, das uns helfen kann, Probleme der Nachhaltigkeit besser zu lösen. Und sie könnten zukünftige Change-Maker ausbilden, auch wenn sie derzeit immer noch primär Systemerhalterinnen und -erhalter für eine Wachstumsökonomie produzieren.

Christian Rammel, Leiter des Regional Centre of Expertise zur Bildung für nachhaltige Entwicklung

Lösungen für Alltagsfragen

Neben der Ausbildung haben Hochschulen eine weitere wichtige Funktion: Sie sind die Wissens- und Innovationszentren unserer Gesellschaft.

Fachhochschulen sind im Bereich Lehre und Forschung nahe an der Bevölkerung, nahe an ihrem regionalen Umfeld und den dort bestehenden Bedürfnissen. Menschen wollen Lösungen für ganz alltägliche Situationen. Fachhochschulen sind die ersten regionalen Ansprechpartnerinnen – und an ihnen werden die entsprechenden hochschulischen Bildungsangebote und technologischen Lösungen entwickelt.

Heidi Esca-Scheuringer, Österreichische Fachhochschul-Konferenz (FHK).

Fachhochschulen befassen sich intensiv mit Themen der nachhaltigen Entwicklung und setzen eigene Aktivitäten. So widmete sich beim letzten Forschungsforum der Fachhochschulen ein wissenschaftliches Panel der „Nachhaltigkeit im Spannungsfeld von globalem Anspruch und lokaler Umsetzung: Ein Blick auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte“.

Einige österreichische Fachhochschulen sind zudem Mitglied von PRME (Principles for Responsible Management Education), einer internationalen Initiative, die 2007 anlässlich der Finanzkriese von renommierten internationalen Wirtschaftshochschulen ins Leben gerufen wurde. Und auch im nationalen Steering Commitee des UN Global Compact Österreich sind Fachhochschulen mit ihrer Expertise vertreten.

Paradigmenwechsel in der Hochschulbildung

Gemeinsam organisiert haben Universitäten und Fachhochschulen die Konferenz „Wissenschaft im Wandel“, die sich im Herbst 2018 damit beschäftigte, welche „Freiräume, Zeit, Netzwerke und Mut zum Wandel“ Gesellschaft und Wissenschaft brauchen, um zum Umsetzen der Sustainable Development Goals der UN beizutragen. Themen waren unter anderem transformatives Lernen und der Wandel von Weltbildern, die lokal-regionale und globale Verantwortung von Forschung und der Beitrag von Hochschulen und Forschung zu einer nachhaltigen Transformation der Gesellschaft.

Die Kernbotschaft: Nachhaltige Entwicklung erfordere einen Paradigmenwechsel in der Hochschulbildung, Wissenschaft und Wissenschaftsförderung hin zu integrierten, systemischen und transformativen Herangehensweisen. Es brauche institutionalisierte Freiräume an wissenschaftlichen Einrichtungen, damit Experimente und kritisches Denken in Forschung und Lehre möglich sind – das trage zum Erreichen der UN-Nachhaltigkeitsziele bei.

Zudem brauche es den Dialog mit Akteurinnen und Akteuren aller sozialen Schichten und eine Neudefinition von langfristigen Zielen und Werten, auch in der Evaluierung von Forschungsleistungen, sowie Förderung von Forschung, die die UN-Nachhaltigkeitsziele unterstützt.

Bildung und Forschung müssen sich intensiv mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen auseinandersetzen und dafür Beiträge auf verschiedensten Ebenen leisten. Ein Ansatz dazu, den wir auch an der FH St. Pölten unterstützen, ist etwa das Service Learning: Die Unterrichtsmethode verbindet fachliches Lernen im Unterricht mit gesellschaftlichem Engagement von Studentinnen und Studenten.

Christian F. Freisleben-Teutscher, Service- und Kompetenzzentrum für Innovatives Lehren und Lernen (SKILL) der FH St. Pölten

In der Lehre sollen Themen nachhaltiger Entwicklung in Curricula eingebaut werden. Die Qualifikation der Lehrenden und entsprechende Lernsettings würden Freiräume für freies Denken schaffen und kritische Reflexion fördern, so der Tenor auf der Konferenz. Das Fazit der Konferenz Wissenschaft im Wandel: Lehren und Lernen müssen sich ändern, wenn Hochschulen zur Transformation in eine nachhaltige Gesellschaft beitragen sollen.

FH-Magazin future 10: "Wiegen des Wandels"

Wissen.vorsprung: Digitalisierung & Nachhaltigkeit

Zum Nachsehen: Disskusion zu „Digitalisierung als Motor oder Hemmschuh einer nachhaltigen Entwicklung?“, 5. Juni 2019 im ImpactHUB Vienna