AbsolventInnen präsentierten Buch über Jenische

Buchvorstellung Jenisch in Loosdorf

Was blieb von der Kultur der Jenischen? Wie wird die jenische Sprache heute in Loosdorf verwendet? Studierende der Sozialen Arbeit fragten nach.

Die Jenischen sind ein fahrendes Volk, das in vielen Gemeinden Mitteleuropas beheimatet war. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderte sich ihre Lebensweise radikal, und spätestens seit dem ersten Weltkrieg leben die meisten Jenischen assimiliert. Die jenische Sprache und Kultur ist nur noch teilweise erhalten.

Ein Team von Studierenden des Bachelor Studiengangs Soziale Arbeit erforschte unter der Leitung von Manuela Brandstetter und Kathrin Gric die Besonderheiten der Jenischen Kultur in Loosdorf. Wie verlief die neuere Geschichte der Jenischen in Loosdorf? Was ist von ihnen geblieben? Wie werden Reste der jenischen Sprache verwendet? Wie ist das Selbstverständnis der Jenischen in Loosdorf heute?

Buchpräsentation in FH-Bibliothek

Ergebnis ist ein Sammelband, der vom Fachbereich Heimat- und Identität des Bildungs- und Heimatwerk herausgegeben wurde. Im Rahmen des info.day lud der Bachelor Studiengang Soziale Arbeit in die Bibliothek der FH St. Pölten, um das aus den Bachelorarbeiten entstandene Buch zu präsentieren.

„Das Wissen in der Gruppe ist geprägt von Unsicherheit“, so Jakob Rautner, einer der MitautorInnen des Buches. Deshalb seien die Jenischen häufig ein Gegenstand der Mystifizierung. Doch die Loosdorfer seien sehr interessiert, mehr über ihre eigene Geschichte und Kultur zu erfahren. Die Geschichte hat tiefe Spuren hinterlassen. Auch die Zeit des Nationalsozialismus hat sich tief in die Entwicklung der jenischen Kultur eingeprägt, so Franziska Geimeister.

Jenisch: Cool oder verpönt

Das Jenische ist nach wie vor präsent, berichten die AutorInnen. Doch wird die Sprache nur in bestimmten Settings verwendet. „Jenisch zu sprechen ist am Fußballplatz cool“, meinte Marion Lorenz, die über die Verwendung der Sprache des Jenischen forschte. Im nahe gelegenen Melk käme die Sprache jedoch nicht so gut an. Sie werde auch nicht in Schule und Arbeit gesprochen und schaffe eine gemeinsame Identität unter Jugendlichen.

Junge Menschen interessierten sich jedoch für das Jenische, so Sarah Prischl, die Sprache habe den Ruf der Gaunersprache verloren. „Die Verwendung des Jenischen ist cool oder verpönt, aber immer noch gegeben“, resümiert Mit-Autorin Viktoria Huber.

Doch sei die Verwendung der Sprache im Bildungssystem stark eingeschränkt worden, so Simone Kerzendorfer. Eltern raten ihren Kindern bis heute davon ab, in der Schule Jenisch zu sprechen.

Quelle des Wissens

Josef Jahrmann, Bürgermeister von Loosdorf betonte die Bedeutung des Buches. Inzwischen seien wenig Spuren der Jenischen Kultur übrig, daher wünsche er, „dass das Buch zu einer Quelle des Wissenes wird für Menschen, die sich dafür interessieren.“ Auch Thomas Flossmann vom Bildungs- und Heimatwerk und der St. Pöltner Gemeinderat Robert Bruckner lobten die Fülle an Informationen, die das Buch zu bieten hat. Christine Haselbacher, Leiterin des Studiengangs Soziale Arbeit an der FH St. Pölten, strich die Relevanz des Bandes für ein Zusammenleben in einer ethnisch vielfältigen Gesellschaft heraus: „Das Buch stellt viele Forderungen, die man aufgreifen kann."

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