"Der Campus soll auch am Wochenende leben"

Im Interview erklärt Antti Ahlava, Vizepräsident für Campusentwicklung an der Aalto-Universität, wie sich Hochschulen von abgeschlossenen zu offenen Institutionen entwickeln.

Die finnische Aalto-Universität in Helsinki erneuert derzeit ihren Campus. Bis 2021 soll ein offenes und innovatives Campus-Zentrum geschaffen werden.

Im Interview erklärt Antti Ahlava, Vizepräsident für Campusentwicklung an der Aalto-Universität, wie sich Hochschulen von abgeschlossenen zu offenen Institutionen entwickeln.

Was steckt hinter der Idee, eine Hochschule in einen offenen Campus zu verwandeln?

Traditionell sind Hochschulen oft gekennzeichnet von geografischer Isolation, geschlossenen Services, Flächen, die stark auf spezifische Verwendungszwecke zugeschnitten sind, und von durch Autos dominierter Infrastruktur. Das unterstützt kaum soziale Interaktion und das Weiterentwickeln von Ideen. Bei einem offenen Campus-Modell sind verschiedene Verwendungszwecke und Benutzergruppen in denselben Gebäuden gemischt und die Gebäude unterstützen Begegnungen und Kreativität. Ein Campus sollte offen und ein aktiver Teil der Stadt sein.

Wie können Hochschulen und Städte das praktisch umsetzen?

Durch das Mischen von Funktionen und Teilen von Serviceeinrichtungen, aber auch physisch durch das Verbinden der Hochschule mit der Stadt ohne Lücken – durch die Konstruktion von Zwischenräumen, durch das Anbinden öffentlicher Verkehrsmittel und das Einrichten von Fußgänger- und Fahrradrouten.

Wodurch fördern offene Hochschulen Innovation?

Ein offener Campus unterstützt eine Gemeinschaft interdisziplinärer Zusammenarbeit, interaktives Lernen und eine Umgebung, die es fördert, traditionelle Grenzen zu überschreiten. So werden offene Innovation und soziale Interaktion auf nachhaltige Weise gefördert. Dazu gehört auch, dass Hochschulen mehr mit Unternehmen kooperieren, von Studierende kommende Unternehmensaktivitäten fördern, Akteurinnen und Akteure von außen willkommen heißen, ihren Platz am Campus aufzuschlagen, und Veranstaltungen mit externen Partnerinnen und Partnern organisieren.

Ihre Universität plant einen neuen Campus gewissermaßen als Stadt. Wie wird das aussehen?

Für das Campusentwicklungsprojekt „A! City“ der Aalto-Universität haben wir viel getan, um den Campus zu öffnen. Das Hauptgebäude zum Beispiel ist eine Neuinterpretation eines Hochschulhauptquartiers: Es ist für alle offen, wird fünf Restaurants beherbergen, seine Lobby ist ein bemerkenswerter Ausstellungsraum und kann bei Veranstaltungen bis zu 2000 Personen beherbergen. Es ist ein Treffpunkt für Partner und ein Aushängeschild für die Hochschule. Am Campus sollte auch außerhalb der Bürozeiten Leben sein, auch an Wochenenden und in den Ferien.

Das Projekt umfasst auch einen Innovations-Hub. Wie sieht das Konzept dahinter aus?

Der gesamte Campus wird zum Innovations-Hub werden. Das Ziel ist, eine Innovationskultur zu fördern: Experimente, Kreativität, Zusammenarbeit und Wachstum. Die Universität möchte eine innovative Gesellschaft aufbauen aus Studierenden mit bahnbrechenden Ideen und exzellenter Forschung, basierend auf Disziplinen überschreitender und unternehmerischer Mentalität. Die Universität, andere Bildung- und Forschungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen können am selben Standort gedeihen.

Wie wichtig ist räumliche Nähe von Universitäten, Firmen und Start-ups für Innovation?

Nähe allein ist nicht genug. Es reicht nicht, Studierende, Forscherinnen, Forscher und Firmen in den selben Gebäuden zu haben. Zusätzlich braucht es gemeinsame Projekte zwischen ihnen. Sie müssen zusammenarbeiten. Darum ist eine unserer zentralen programmatischen und räumlichen Innovationen ein gemeinsamer Hub: ein Ort, wo alle zusammen an Projekten und Themen arbeiten. Wir haben solche Projekte bereits zu den Themengebieten Internet of things, Gesundheitstechnologie, Human-based living environment, Energie und Biomaterialien.

Antti Ahlava

Antti AhlavaAntti Ahlava ist Architekt, Professor für Emerging design methodologies und Vizepräsident für Campusentwicklung an der Aalto-Universität in Heslinki, Finnland. Er leitet den Campusdesign- und -entwicklungsprozess Universität Aalto.

Offener Campus für Innovation in Helsinki

Derzeit werden die Aalto-Universität und ihr Otaniemi-Campus in und um Helsinki erneuert. Ziel ist ein offener und innovativer Campus. Die Hochschule investiert circa 400 Millionen Euro in das Projekt, PartnerInnen und Stakeholder circa eine weitere Milliarde Euro in Gebäude und Verkehrseinrichtungen. Teil des neuen Campus wird ein Start-up-Zentrum namens „A Grid“. Es soll eines der größten der Welt werden und mehr als hundert Firmen und Institutionen umfassen.

Campus der Zukunft in St. Pölten

Die Fachhochschule St. Pölten plant derzeit einen Zubau mit bis zu 12.000 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche um circa 30 Millionen Euro Errichtungskosten. Gemeinsam mit dem bestehenden Gebäude soll – inspiriert von internationalen Vorbildern – ein „FH-Campus der Zukunft“ entstehen; ein Vorzeigecampus für Hochschulen, ein lebendiger Campus mit ausreichend Raum zum Arbeiten und Lernen, für den persönlichen und fachlichen Austausch, aber auch zum Entspannen, Ausruhen und Leben – passend zu den Zielen der FH-Strategie: best place to study, best place to work, best place to be.

Jetzt teilen: