St. Pölten University of Applied Sciences

Extremismus-Prävention durch Soziale Arbeit

Bericht zum Social Work Science Day der FH St. Pölten

Unter dem Titel „Extrem ist kein Muss. Politische Bildung und Soziale Arbeit“ fand gestern an der FH St. Pölten der 3. Social Work Science Day statt. Bei der Tagung wurde diskutiert, wie Soziale Arbeit demokratiepädagogisch tätig sein kann und welchen Beitrag sie zur Prävention von Extremismus leisten kann.

Klartext reden

„Wir müssen Klartext reden, wo wir stehen und wie wir als Profession helfen und Haltung zeigen können“, so Eva Grigori, Dozentin am Department Soziales der FH St. Pölten. „Ob wir diese extreme Realität als gegeben sehen oder sie als Problem angehen, darüber müssen wir sprechen. Die Soziale Arbeit hat hier eine große Verantwortung zu tragen.“

Am Social Work Science Day berichteten Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis, welche Kompetenzen und Methoden Soziale Arbeit zur Verfügung hat ­– und welche sie noch entwickeln muss, um menschenfeindlichen Erzählungen und Einstellungen aktiv zu begegnen.

Extremismus in der Mitte der Gesellschaft

FH-Dozentin Eva Grigori, Stefan Vater vom Verband Österreichischer Volkshochschulen und Harald Weilnböck vom Verein Cultures Interactive hielten die Keynotes zum Thema „Politische Bildung und Soziale Arbeit – Schlaglichter und Themeneinstieg aus Sicht der Sozialen Arbeit, der Erwachsenenbildung und der Jugendkulturarbeit“.

„Extremismus ist nicht nur Problem von Randgruppen, sondern betrifft auch die Mitte und Eliten unserer Gesellschaft. Politische Bildung ist ein Mittel gegen Extremismus, sie fällt jedoch sehr oft Effizienzerwägungen zum Opfer“, sagt Stefan Vater.

Der „zivilgesellschaftliche Jugendkultur-Ansatz“ seines Vereins Cultures Interactive fußt laut Weilnböck auf drei unabdingbaren Elementen der Extremismusprävention: Das erste sind Workshops zu Jugendkulturen und Jugendmedien (HipHop, Rap, Youtube etc.), damit kreativer Selbstausdruck entsteht und die schwer Erreichbaren angesprochen werden. Zweitens ist non-formale politische Bildung (z. B. mit Mediationsübungen) von Bedeutung, damit die menschenrechtlichen, prosozialen Anliegen zur Geltung kommen. Drittens braucht es narrative, gruppendynamische Gesprächsrunden, damit ein geschützter Rahmen für persönlichen Austausch und akute Themen bereit steht.

„Die Umsetzung dieser Maßnahmen sollte gut im Gemeinwesen verankert sein. Das verdeutlicht auch die EU-Initiative ‚Community Counteracting Radicalisation‘“, so Weilnböck. Die Initiative entwickelt Präventionsstrategien für junge Menschen in Kooperation mit lokalen Gemeinden.

Workshops und Diskussionen

Eine Diskussionsrunde mit den Vortragenden sowie mit Praktikerinnen und Praktikern der Sozialen Arbeit widmete sich den Handlungs- und Reflexionsspielräumen im Umgang mit menschenfeindlichen Aussagen und Handlungen.

Am Nachmittag behandelten Workshops das Tagesthema, etwa zu Extremismus-Prävention, dem Umgang mit verletzender Sprache sowie Digitaler Courage und Social-Media-Strategien. „Was heute extrem ist, kann morgen schon normal sein“ war der Titel eines Workshops.

Mehrere Workshops widmeten sich anderen Aspekten der Sozialen Arbeit etwa zur Schnittstelle zwischen Rettung und psychosozialen Einrichtungen, zur Betreuung und Pflege älterer Menschen, zu Sozialarbeit in der Primärversorgung und zur Rolle von Sozialer Arbeit in der Versorgung von Demenzbetroffenen.

Bei einer Poster-Präsentation stellten Studierende des Departments Soziales ihre Arbeiten vor. Das Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse.

3. Social Work Science Day 2017

Der Social Work Science Day ist eine Veranstaltung des Ilse Arlt Instituts für Soziale Inklusionsforschung am Department Soziales der FH St. Pölten. Er bietet Referate, Paneldiskussionen und Workshops zum Austausch für Lehrende, Forschende, PraktikerInnen, Interessierte sowie Klientinnen und Klienten der Sozialer Arbeit.