Physiotherapie mit dem Blick in die Zukunft

Anita Kiselka präsentierte die Bachelorarbeit der Absolventin Lisa Feiner bei der Posteraustellung

Anita Kiselka, Dozentin in den Studiengängen Physiotherapie und Digital Healthcare vertrat die FH St. Pölten beim ER-WCPT Kongress in Liverpool.

Liverpool, Heimatstadt der Beatles, hostete heuer den 4. Europäischen Kongress für Physiotherapie (ER-WCPT, European Region of the World Confederation of Physical Therapy) von 11. bis 12. November 2016 mit über 1200 TeilnehmerInnen. Präsente Themen waren neue Technologien, Förderung von gesunder Bewegung und Trainingsadhärenz ebenso wie die Optimierung der PatientInnenversorgung.

Wie begegnen wir dem zunehmenden Bedarf an Gesundheitsversorgung?

Ein eindrucksvolles Zukunftsszenario zeichnete der Keynote-Sprecher Brian Caulfield, einer der Leiter von INSIGHT, einem Forschungszentrum für Datenanalyse aus Irland: Connected Health, so der Vorschlag für einen Begriff, der die PatientInnen anstelle der Technologie in den Mittelpunkt rückt. PatientInnen sollen ihre Gesundheitsdaten mit Sensoren und Applikationen erfassen und darauf basierend für sie relevante präventive Maßnahmen verfolgen können. Diese Daten können sie in weiterer Folge für noch gezieltere Kommunikation ihren Gesundheitsversorgern zur Verfügung stellen und durch spielerische Applikationen für sie gezielte Übungen umsetzen.

Connected Health

Erste Ansätze zu einer solchen Realität präsentierten die EntwicklerInnen der offen nutzbaren IcanFunction-App und der Virtual Fracture Klinik: Erstere soll die Anamnese basierend auf ICF (International Classification of Function and Health) und PROMIS (Patient-Reported Outcomes Measurement Information System) unterstützen. Zweitere versorgt PatientInnen in Glasgow nach einem Bruch gemäß aktueller Leitlinien mit gezielter, via Telefon und YouTube gestützter Physiotherapie.

Eine preisgekrönte Klinik aus Manchester konnte die Sterberate auf der Intensivstation senken, indem sie die Applikation "Patientrack" entwickelten, die ein regelmäßiges Assessment der PatientInnen-Werte erfordert und rechtzeitig bei Überschreiten der Grenzwerte vor dem Entstehen einer kritischen Gesundheitssituation warnt. Als weitere interessante EU-Horizon 2020 geförderte Projekte wurden ENJECT, CHESSITN und CATCH genannt.

Nicht jede Technologie ist für die Gesundheitsversorgung geeignet

In der Entwicklung technologischer Entwicklungen müssen die NutzerInnen eingebunden und ihre Bedürfnisse erfasst werden. Ein allgemeines Problem zu adressieren ist in der tatsächlichen Umsetzung zu unspezifisch, so das Credo der Vortragenden. Viele Sensoren sind in Entwicklung und verfügbar, doch auch wenn dies im Marketing neuer Produkte aus dem Gesundheitsbereich (häufig mit unzureichend wissenschaftlichen Daten) versprochen wird, kann nicht ein Sensor den gesamten Gesundheitsstatus erfassen. Aus dem großen Angebot hochwertige Medizinprodukte zu wählen ist wichtig, um in Forschung und PatientInnenversorgung Qualität und Genauigkeit zu sichern – INSIGHT hat aus diesem Grund einen Leitfaden als Entscheidungshilfe entwickelt.

Moderne Lehre und evidenz-basierte Praxis

Auch Wissensvermittlung an PatientInnen und Studierende blickt der Nutzung von

entgegen.

Der Aufforderung der Keynote von Professor Kari Bø zu mehr Aufbau von Grundlagenwissen gerecht werdend, präsentierten Vortragende ihre Theorien und deren Evaluationen zur Förderung von Gesundheitskompetenz und Partizipation im Therapieprozess (z.B. Nicola Clague-Baker in Bezug auf Schlaganfall), ebenso wie gesundheitsfördernde Projekte, die dem Bedarf und Wandel der Gesellschaft nachkommen (z.B. Catherine Chin mit ihrer Health Disability Sport Partnerschaft oder mit einem Posterpreis ausgezeichnet Jo Dawes und Pandora Knocker und ihre Erfahrungen aus der Versorgung Obdachloser).

Beitrag der FH St. Pölten

In einer großen Industrie- und Posterausstellung mit über 400 Postern waren auch zwischen den Vorträgen und Arbeitsgruppen Vernetzungsmöglichkeiten und Information umfassend verfügbar. Anita Kiselka, MSc, Dozentin in den Studiengängen Physiotherapie und Digital Healthcare repräsentierte in diesem Rahmen die Fachhochschule St. Pölten mit einem Poster zur Bachelorarbeit der Absolventin Lisa Feiner, BSc: "May the identification of risks for falling in the elderly be improved by combination of existing measurements? A pilot study".

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