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Sozialpädagogik: "Immer mehr Tätigkeitsfelder"

arlt.dialog #3. Christine Schmid im Gespräch.

Christine Schmid koordiniert die praktische Ausbildung für SozialpädagogInnen an der Fachhochschule St. Pölten. Sie lehrt im Akademischen Lehrgang und im Masterlehrgang Sozialpädagogik.

Wie hat sich die Sozialpädagogik in den letzten Jahren entwickelt?

Meiner Einschätzung nach entwickelt sich die Sozialpädagogik als wichtige Säule im sozialen Sektor weiter. Zielgruppe sind Menschen jeden Alters. Das Spektrum an Tätigkeitsfeldern ist groß und wächst stetig. Die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich und die Rahmenbedingungen ändern sich. Das stellt Institutionen und MitarbeiterInnen vor große Herausforderungen.

Wie wirkt sich das auf die Ausbildung von PraktikerInnen aus?

Wir müssen uns an den Bedürfnissen der Praxis orientieren und adäquate Inhalte anbieten. Dies umfasst das Vermitteln von fundiertem Basiswissen ebenso wie kritisches Hinterfragen und Weiterentwickeln bewährter Methoden.

Besonders wichtig ist, mit Praxisstellen der Sozialpädagogik in Kontakt zu treten, um deren Meinung als ExpertInnen zu Anforderungen an neue MitarbeiterInnen zu erfahren. Beim PraxisanleiterInnentag des Department Soziales im Herbst 2017 konnten wir uns mit VertreterInnen aus dem Feld austauschen. So entwickeln wir die Ausbildung gemeinsam mit den Institutionen kontinuierlich weiter. Verschiedenste neuere Themenfelder begleiten uns dabei neben alt bekannten. Dazu gehören interkulturelle Kompetenzen, internationale Zusammenarbeit, Diversity-Themen, neue Medien oder Extremismus.

Sie koordinieren auch die Praxisstellen für die Studierenden des Akademischen Lehrgangs Sozialpädagogik. Vor welchen Herausforderungen steht die Praxis der Sozialpädagogik in den kommenden Jahren?

Es werden viele unterschiedliche Herausforderungen auf uns zukommen. Manche von ihnen stimmen mich sehr nachdenklich. Einsparungsmaßnahmen im Sozialen Sektor bringen Probleme mit sich. Es gilt hier auch seitens der Sozialpädagogik bewusst und stark zu reagieren. Wir müssen Erreichtes nachhaltig sichern und weiterentwickeln sowie unermüdlich für Menschenrechte und Inklusion einstehen.

In manchen Bereichen sehe ich höchst problematische Arbeitsbedingungen. Strukturelle Probleme gehen zu Lasten von höchst engagierten und motivierten SozialpädagogInnen. Sie versuchen, diesen Druck möglichst wenig an ihre KlientInnen weiterzugeben.

Die Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz bleibt relevantes Thema für alle Beteiligten. Gerade in der Ausbildung können wir einen sehr wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung leisten, um die SozialpädagogInnen der Zukunft gut auf diesen sinnstiftenden sowie herausfordernden und verantwortungsvollen Beruf vorzubereiten.

Warum ist die Verankerung der Sozialpädagogik an der Fachhochschule wichtig? Welche Vorteile haben AbsolventInnen der FH St. Pölten?

Ich sehe die große Stärke der Sozialpädagogik-Ausbildung an der FH St. Pölten in der Verbindung zwischen Berufsausbildung und Forschung. Studierende lernen, überprüfen und entdecken neuste Erkenntnisse in vielfältigen Themengebieten. Sie können sich tief in Bereiche einarbeiten, indem sie Schwerpunkte ihrer persönlichen professionellen Entwicklung setzen. Sie profitieren von den Ergebnissen aus Praxiserfahrung, Forschung und Lehre.

Das gute Netzwerk, bewährte Lehrveranstaltungen ebenso wie die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Studium machen die FH St. Pölten zu einer innovativen Bildungsstätte für QuereinsteigerInnen und langjährige PraktikerInnen. Besonders zu erwähnen ist auch die Kooperation mit der Saxion Hochschule in Enschede (NL), welche es angehenden SozialpädagogInnen ermöglicht einen internationalen Bachelorabschluss zu erlangen.

Neben der Lehre sind sie als sozialpädagogische Leiterin im Verein LIMA, einem Beschäftigungsprojekt für Frauen in Lilienfeld, aktiv. Welche Anforderungen stellt das Feld an frisch ausgebildete SozialpädagogInnen?

LIMA engagiert sich im aktiven arbeitsmarktpolitischen Kontext. Der sozialpädagogische Bereich umfasst die Arbeit mit langzeitarbeitslosen Frauen, die wir beim Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt begleiten. Dieser Prozess gestaltet sich sehr individuell, was Empathie, Flexibilität und vielfältige Methodenkenntnis voraussetzt. Es gilt Bildungsprozesse anzustoßen, anzuleiten, zu begleiten und gezielt mit den Klientinnen zu reflektieren. So soll es Teilnehmerinnen ermöglicht werden, ihre Potentiale und individuellen Stärken besser zu erkennen und Hemmnisse abzubauen. Wir arbeiten im multiprofessionellen Team, was von den SozialpädagogInnen Professionalität, Teamfähigkeit sowie Offenheit und ehrliches Interesse fordert.

Weiters setzt die Spezialisierung auf Frauen umfassendes Wissen um deren spezifischer Problemlagen und Themen voraus. Sozialpolitisches Interesse und Engagement für Diversity- und Gender-Themen stehen somit ebenfalls auf der Anforderungsliste meiner Mitarbeiterinnen.