Tag gegen Drogenmissbrauch: Prävention statt Zwang

FH-Prof. Kurt Fellöcker

Kurt Fellöcker: Suchtberatung im Umgang mit Suchtproblem wirksamer als Sanktionen

Laut einem anlässlich des Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und -handel präsentierten Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) sind illegale Drogen nach wie vor weltweit ein gesellschaftliches Problem. So weist der Bericht auf einen steigenden Konsum von Opiaten, Crystal Meth und vor allem Cannabis hin. Hier seien zunehmend auch gentechnisch veränderte Sorten im Umlauf, deren Gehalt an Inhaltsstoffen für KonsumentInnen schwer einzuschätzen sei.

FH-Professor Kurt Fellöcker weist auf die Notwendigkeit eines sensiblen Umgangs mit diesen Fragen hin. Das größte Suchtproblem in Österreich ist der Alkohol: "Würde Alkohol zu den illegalen Drogen zählen, würde man ihn als 'harte Droge' einordnen. Seine toxische Wirkung ist ungleich höher als die von Nikotin oder im Fall von nicht-substanzgebundener Süchte. Alkohol hat nicht nur eine starke bewusstseinsverändernde Wirkung, sondern erzeugt auch eine körperliche Abhängigkeit bei längerfristigem täglichen und hohen Konsum und massive körperliche und seelische Entzugserscheinungen. In dieser Hinsicht wäre Alkohol daher eher mit Opiaten vergleichbar, als mit Nikotin oder Glücksspiel. Während sich das Image der RaucherInnen langsam in eine weniger erstrebenswerte Richtung wandelt, gilt der Alkoholkonsum nach wie vor als 'cool', zumindest aber als 'normal'. Diese Einschätzung großer Teile der Bevölkerung von Alkohol als 'harmlos' trägt viel zum Suchtfaktor bei."

Zwang beschränkt wirksam

Fellöcker ist skeptisch gegenüber der Wirksamkeit von Sanktionen: "Restriktive Maßnahmen sind häufig eher kontraproduktiv. Speziell Jugendliche reagieren auf Restriktionen und Vorhaltungen mit einem Verhalten, das in der Psychotherapie 'Reaktanz' genannt wird. Gemeint ist damit das Phänomen, dass Strafen und autoritäres Einschreiten gegen Suchtmittel, aber auch eine negative und überzeichnende Berichterstattung, zu einem vermehrten Konsum der inkriminierten Suchtmittel führen." Ein Beispiel sei die Debate rund um das "Komasaufen" in den Jahren 2006 bis 2007.

Ausbildung von qualifiziertem Personal verschafft Entlastung

Der berufsbegleitende Hochschullehrgang und Masterlehrgang Suchtberatung und Prävention richtet sich besonders an Menschen, die im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich tätig sind und sich auf das Thema Sucht spezialisieren wollen. Er bietet  ein hochwertiges Studium neben einer beruflichen Tätigkeit. AbsolventInnen sind etwa in Krankenhäusern, in betreuten Wohneinrichtungen, in Arbeitsprojekten oder in Schulen tätig. Sie sind fähig, eine Suchtentwicklung schon im Vorfeld zu erkennen und zu behandeln, um problematische und chronische Verläufe zu verhindern.

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